Tod auf der Tribüne

Am Samstag wurde im Fanblock von Colón de Santa Fe ein 21jähriger erstochen. Einen Tag später erlag Huracán Fan Rodrigo „Cafú“ Silvera einer Schussverletzung, die er in einer Auseinandersetzung mit San Lorenzo Anhängern am 1. November erlitten hatte. Der Tod von Silvera kommt zu einem brisanten Zeitpunkt, denn am kommenden Samstag treffen San Lorenzo und Huracán im Derby aufeinander. Viele rechnen mit Racheaktionen der Fans des Globo.

Sing‘ oder stirb“

Der Streit um einen Platz in der Kurve kostete den 21jährige Daniel Alberto López im Cementerio de los Elefantes allem Anschein nach das Leben. Laut Polizeiangaben geht man davon aus, dass López und seine drei Brüder sich vor einen Wellenbrecher stellten, der zum Gebiet der Barra Brava gehörte. Einige Mitglieder der Barra sollen daraufhin López aufgefordert haben, zu singen und die Mannschaft zu unterstützen, wenn er auf diesem Platz bleiben wolle. López habe die Fans ignoriert.  Daraufhin sei es zu einem Handgemenge gekommen, in dem sich eine Vielzahl von Barra Bravas auf López und seine Brüder gestürzt haben sollen und den 21jährigen mit mehreren Messerstichen verletzten. Laut Aussagen eines seiner Brüder soll Daniel daraufhin blutüberströmt die Kurve verlassen haben, um sich zu waschen, einer der Angreifer sei ihm jedoch gefolgt und habe erneut auf den jungen Mann eingestochen. López starb schließlich auf dem Weg ins Krankenhaus.

19jähriger geständig, vier weitere Verhaftungen

Am gestrigen Mittwoch erklärte sich schließlich ein 19jähriger für die Tat verantwortlich. Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Tante – die vorher mit der Polizei eine besondere Behandlung für den jungen Mann verhandelten – tauchte Sebi (so der Spitzname des vermeintlichen Täters) auf der Wache auf. Neben dem Geständigen gibt es vier weitere Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Mord an López, allesamt polizeibekannt. Einer der Verdächtigen musste allerdings wieder freigelassen werden, da er noch nicht strafmündig ist.

Huracán Fan stirbt nach 22 Tagen im Krankenhaus

Rodrigo Silvera, genannt Cáfu, starb am Sonntag in einem Krankenhaus in Buenos Aires, nachdem er am 1. November bei einem Zusammentreffen zwischen den Barras von San Lorenzo und Huracán schwere Schussverletzungen in der Brust davontrug. Nachdem die Mannschaft aus Parque Patricios vor knapp drei Wochen im Stadion von Veléz gegen Estudiantes gewann, kam es auf dem Rückweg zur Gewalt zwischen den beiden verfeindeten Fangruppen. Insgesamt vier Personen wurden mit Schusswunden ins Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei war zwar informiert, reagierte aber nicht auf die Warnungen.

Angst vor dem Derby

Der Tod von Silvera hätte zu einem ungünstigeren Zeitpunkt nicht kommen können, denn am Sonntag treffen Huracán und San Lorenzo im Clásico aufeinander. Huracáns Präsident Carlos Babington gab zu Protokoll, dass die Fanforen Huracáns „brennen“ würden und kommentierte die Verlegung in die Bombonera mit den Worten „jedes Stadion kann in diesem Fall gefährlich sein“. Will heißen, dass es keine Rolle spielt, ob die Partie nun in Boca, River oder Parque Patricios ausgetragen wird, wenn die Barra Brava von Huracán auf Rache sinnt, wird es erneut zu Gewalt kommen.

Während von allen Seiten Randale befürchtet wird, kündigte die Polizei indes an, das Kontingent der Beamten von 1200 auf weniger als tausend zu reduzieren.

Eine schwer verständliche Entscheidung, denn in der Geschichte des Derbys zwischen San Lorenzo und Huracán kam es immer wieder zu Gewalttaten.

Eine Chronik der Gewalt

  • 19.12.1997: der 24jährige Huracán Anhänger Ulises Fernández wird bei einer Auseinandersetzung am Tag des Derbys von San Lorenzo Fans erschossen.
  • 4.10.2002: eine Gruppe von Barra Bravas dringt in das Sportzentrum von San Lorenzo ein, verbrennt Dokumente und stiehlt unter anderem eine Fahne von 70x40m die später verbrannt wird.
  • 17.9.2005: Auf dem Weg zu einem Zweitligaspiel verschaffen sich Huracán Anhänger erneut gewaltsam Eintritt in das Sportzentrum von San Lorenzo in Bajo Flores. Während des Spiels eines der Jugendteams zerstören die Hooligans verschiedene Einrichtungsgegenstände und rauben Club-Eigentum von San Lorenzo.
  • 1.11.2008: Der letzte Zusammenstoß beider Fangruppen: nachdem Huracán an seinem 100. Geburtstag mit 1:0 im Stadion von Veléz gegen Estudiantes gewinnt, kommt es auf dem Rückweg zu einem Straßenkampf zwischen Mitgliedern von El Pueblito (einer der gefährlichsten Fangruppen Huracáns) und der Barra von San Lorenzo. Vier Personen werden mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, einer von ihnen ist der 27jährige Rodrigo Silvera, der schließlich am 23. November seinen Verletzungen erliegt.
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