„Klassenerhalt oder Tod“- Spieler von Racing Club werden durch die eigene Barra Brava bedroht

Nach der 4:1 Auswärtsniederlage gegen Tigre am Wochenende wurde das Team von Racing beim Training am Montag mit deutlichen Worten der eigenen Fans konfrontiert.

Mit Graffitis wie „Klassenerhalt oder Tod. Gewinnt oder es geht in den Sarg“ bereiteten fünfzehn Mitglieder der Barra Brava den Spielern der Academia einen ungemütlichen Empfang. Ebenso kam es zu „freundschaftlichen Gesprächen“ wie es aus Mannschaftskreisen hieß, in denen die Ultras gegenüber Abwehrspieler Franco Sosa und Torwart Pablo Migliore ihren Unmut zur aktuellen sportlichen Situation kundtaten. Migliore beschrieb danach die Situationen als „normal“, hatte er doch bei seinem Ex-Klub Boca Juniors ein enges Verhältnis zu deren Barra Brava La 12.

Racings Fangemeinde gilt grundsätzlich als besonders treu und kreativ was die Unterstützung ihrer Mannschaft angeht. Auf der anderen Seite ist die Guardia Imperial allerdings eine der meist gefürchteten Barra Bravas des Landes. Im Derby vor drei Jahren gegen Independiente und ebenso im letzten Jahr gegen Estudiantes provozierten die Hooligans Spielabbrüche durch Krawalle auf der Tribüne.

Der Klub aus Avellaneda steckt seit Jahren in einer institutionellen wie sportlichen Krise, welche im vergangenen Jahr fast im Abstieg in die Nacional B gipfelte.

Dennoch schien es, als ob  nach den Präsidentschaftswahlen im Dezember zumindest auf funktioneller Ebene zeitweilig Ruhe beim ersten argentinischen Sieger der Copa Intercontinental eingekehrt wäre, aber sportlich kam es auch in diesem Torneo Clausura bisher zu keinem Aufschwung. Aus den ersten fünf Spielen konnte Racing nur zwei Punkte holen, wodurch man wieder in die Zone der Relegationsspiele rutschte (mehr dazu: Promedio). Am dritten Spieltag gab es die für die Fans unerträgliche Niederlage im Derby gegen Independiente, woraufhin Trainer Juan Manual Llop gegen Ricardo Caruso Lombardi ausgetauscht wurde. Das Team von Independiente musste sich im Vorfeld des Clásico de Avellaneda übrigens mit ähnlichen Problemen beschäftigen: Nach der Niederlage in Tucumán am 2. Spieltag wartete die Führungsriege von Independientes Barra in der Hotellobby auf die Spieler und forderte mehr finanzielle Unterstützung für die Auswärtsfahrten und setzte dem Team um Kapitän Daniel Montenegro ein kurioses Ultimatum: Sieg im Derby gegen Racing oder zehn Flugtickets zur Weltmeisterschaft in Südafrika.

Am Dienstag trainierte Racing erst einmal unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen im Stadion und Trainer Caruso Lombardi erwägt die Vorbereitung auf das wichtige Spiel am Wochenende gegen Godoy Cruz in die entfernte nordwestliche Vorstadt Moreno zu verlegen. Verständlich, auch wenn es trotz aller Gewalt im argentinischen Fußball nur selten zu Übergriffen auf die eigenen Spieler kommt. Dennoch sind Sprüche wie „Genug Lächerlichkeiten – es gibt Kugeln für alle“ im Endeffekt wohl alles andere als motivierend.

Viktor Coco

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