Die Launen des Juan Román Riquelme

Nach dem erneuten Rücktritt aus der Nationalmannschaft steht Juan Román Riquelme wieder einmal im Mittelpunkt der argentinischen Fußballwelt. Grund genug für Argifutbol-Autor Viktor den exzentrischen Spielmacher einmal gründlich unter die Lupe zu nehmen…

Am 17. Spieltag der vergangenen Apertura bewies Juan Román Riquelme seine Kritikfähigkeit einem

Manchmal ist Riquelme traurig...

Manchmal ist Riquelme traurig…

Millionenpublikum: Boca Juniors strauchelte im Kampf um die Tabellenspitze und gegen den Abstiegskandidaten Racing Club stand es Mitte der zweiten Halbzeit nur 1:1. Riquelme fliegt im gegnerischen Strafraum ein Querschläger zu, den er aus halblinker Position mit einem fulminanten Volleyschuss im gegnerischen Tor versenkt. Die Bombonera steht Kopf – und liegt ihm zu Füßen. Aber sein Jubel wird zur Farce: Riquelme spurtet 60 Meter über den halben Platz, bäumt sich vor der praktisch über dem Platz hängenden Logentribüne auf und zeigt mit wütend ausgestrecktem Finger auf einen siebzehnjährigen Blondie. „Jetzt feier du mein Tor!“, soll Bocas Kapitän dem eingeschüchterten Jungen zugebrüllt haben, weil dieser ihn, laut eigener Aussage, mehrfach in der ersten Halbzeit dazu aufgefordert hatte, mehr Einsatz, „mehr Eier“ zu zeigen. Fast wurde der Knabe von den anderen Boca-Fans gelyncht, Riquelme selbst versucht diese öffentliche Diffamierung nach dem Spiel in den Interviews herunterzuspielen und entgeht auch einer angekündigten Strafe durch den argentinischen Fußballverband.

Riquelme ist einer der Spieler die polarisieren, deren Charakter auch gerne einmal die Karriere bremst. So wie er von allen Anhängern der Boca Juniors geliebt wird, so hasst ihn der große Rest der

...oft ist er nachdenklich...

…oft ist er nachdenklich…

argentinischen Fußballfans. Pecho frío – „kalte Brust“ (ohne Herz) ist der übliche Vorwurf gegenüber dem Freistoßspezialisten, der 2007 zu seinen geliebten Boca Juniors zurückkehrte, dessen Lächeln aber in der Öffentlichkeit seltener als der Vollmond erscheint. Keiner schlurft so scheinbar lustlos über den Platz, schlägt aber trotzdem die besten Pässe aus dem Mittelfeld der argentinischen Nationalmannschaft. Sein knapp vierjähriges Gastspiel in Spanien bei Barcelona und Villareal endete standesgemäß: bei seiner zweiten Station im vom chilenischen Coach Pellegrini manövrierten gelben U-Boot von Villareal, flog er nach Streitigkeiten mit dem Trainer für Monate aus dem Kader. Angeblich hörte Román während der Mannschaftssitzungen heimlich Musik über die Kopfhörer: Sympathisch cool oder dumm und respektlos? Aber auch zu seinen Mannschaftskameraden hat er selten ein gutes Verhältnis: „ Ich brauche keine Freunde in der Mannschaft um gut Fußball zu spielen“ raunte Román im letzten Jahr trotzig in die hungrigen Mikrophone der argentinischen Fußball-Klatschreporter. Zuvor hatten ihn Torwart Mauricio Caranta und der paraguayische Nationalspieler Julio César Cáceres für seine Arroganz gegenüber Mitspielern kritisiert. Bocas Diva kann sich aber bei den Xeneixes scheinbar alles erlauben und während Cáceres aufgrund seiner Führungsrolle in der Abwehr der Goldblauen begnadigt wurde, sägte man Caranta dermaßen ab wie früher nur die CIA Regierungen in Lateinamerika.

Román, wie er oft in der Öffentlichkeit genannt wird, hatte über Jahre einen Ziehvater, dessen Hand Gottes ihn führte. Wie Diego Maradona spielte Riquelme für die Argentinos Juniors, bevor er zu den Boca Juniors wechselte. Schnell wuchs er in die Spielmacherrolle, tunnelte sich frech durch die meisten südamerikanischen Abwehrbeine, versenkte regelmäßig

...aber nur gaanz selten, will er hören was die anderen sagen

…aber nur selten hört er zu.

Freistöße wie aus dem Bilderbuch und gewann mit den Bosteros unter Carlos Bianchi 2000 und 2001 die Copa Libertadores. Als Maradona sich fast zeitgleich bei seinem Abschiedsspiel endgültig das Nationaltrikot abstreifte, trug er darunter die 10 von Boca mit dem Namen Román – ein deutliches Zeichen wer sein Thronfolger sein sollte. Riquelme war in den Folgejahren auch der Kopf der argentinischen Nationalmannschaft, konnte aber mit der Albiceleste keine Erfolge feiern. Nach der Weltmeisterschaft in Deutschland kündigte er seinen Rücktritt an, um nur wenig später in die Arme eines weiteren Alliierten aus Boca- Zeiten zurückzukehren: Ex-Nationalcoach Alfio Basile stärkte Riquelme bedingungslos den Rücken, auch wenn dieser seit seinem Comeback in der argentinische Liga das Tempo auf internationalem Parkett der Selección zeitweilig nicht mithalten konnte. Basile flog nach schwachen Vorstellungen in der südamerikanischen WM-Qualifikation, aber mit dem bekennenden Boca-Anhänger Diego Maradona als Nachfolger auf der Trainerbank zweifelte keiner an der Stammplatzgarantie für Riquelme. Nur arbeitet der größte Spieler aller Zeiten bisher für viele Beobachter professioneller als erwartet und versucht ebenso jeglichem Klüngel zu entgehen. Ein erster Achtungserfolg gelang ihm beim starken 2:0 gegen Frankreich. Ohne Riquelme – dafür mit Liverpools Mascherano und Reals Gago als Ballverteiler auf der 6er Position und dem Ausnahmespieler Lionel Messi in der Offensive. Der dreißigjährige Riquelme schien vorerst ausgeklammert und Maradona sprach vergangene Woche deutliche Worte: „Wenn Riquelme sich nicht mal von einem gegnerischen Spieler löst, bringt er mir nichts“ – watschte es über die Presse in das traurige Gesicht von Tristelme, wie ihn seine Hater gern nennen. „Die Románze ist beendet“ titelt gewohnt treffend Argentiniens Fußballblatt Olé und ebenso gewohnt beleidigt reagierte Riquelme auf die Kritik. Kaum zwei Tage später gab er bekannt, dass „er und der Trainer der Nationalmannschaft nicht zusammen arbeiten können“. Noch sind es fünfzehn Monate bis zur Weltmeisterschaft in Südafrika und weitere Possenspiele mit den Launen des Juan Román als Protagonisten folgen mit Sicherheit.

Viktor Coco

10 Antworten zu “Die Launen des Juan Román Riquelme

  1. „Pecho frio“ da kann ich nur voll und ganz zustimmen, für mich hat und hatte Roman nie weltklasseniveau. „tiene una tecnica increible, pero no corre“ und nur Talent und ein paar gute Pässe reichen halt nicht. Ich denke sein Rücktritt wird der Albiceleste gut tun und Gago und Mascherano
    sind für mich die deutlich stärkere Besetzung.
    Und Rolfi gibts ja auch noch für die 10!

    Aber wer weiß schon was im Kopf von Diego und Roman vorgeht und sicherlich wird sich da noch was tun bis zur Wm, aber an eine Comeback glaube ich nicht.
    Die Szene gegen Racing war für mich auch vollkommen unverständlich, und wie bitte kann man als Profi so einen Satz fallen lassen „ Ich brauche keine Freunde in der Mannschaft um gut Fußball zu spielen“ ….. que boludo! Hoffentlich gibts am Sonntag schon ein weiteres Kapitel von Tristelme gegen seinen Ex-Club Argentinos.

    Ansonsten weiter so Jungs, leider gehts für mich am Montag schon wieder nach Deutschland und so kann man sich weiter auf dem laufenden halten.

    Vamos rojo!

    max

  2. Montenegro in der Rolle Riquelmes? Das ist lustig. Er soll erst beweisen, dass er mit rotem Trikot „etwas“ gewinnen kann, und erst dann kann man darüber reden.

  3. Riquelme ist einer der Spieler,deren extrovertierter Charakter auch gerne einmal die Karriere bremst… habe selten so einen blödsinn gehört @Max:Sein Rücktritt wird der Albiceleste alles andere als gut tun, der Typ ist einfach genial,seine Technik,Freißtöße und Pässe sind einfach der Hammer.Romy kann von niemandem gleichwertig ersetzt werden ,Maradona wird wohl oder übel die Taktik umstellen müssen.Schon bald werden die Argentinier und vor allem Maradona Riquelme auf Knien darum bitten zurückzukehren,denn auf so einen Ausnahmespieler kann kein Team der Welt verzichten.Es sei denn Maradona ist es egal weiterhin Resultate wie gegen Bolivien einzufahren lol.

  4. Ich muss dem „Imperator“ zustimmen. Eine Top-Mannschaft wie Argentinien es ist, ist auf einen Spielmacher angewiesen. Siehe früher Frankreich, Pirlo in Italien, Ballack für Deutschland, Xavi/Iniesta für Spanien usw.. Ich gehe auch stark davon aus, dass das Thema Riquelme noch nicht abgehakt ist für die Albceleste. Leider habe ich die Bilder nicht im Kopf, wegen dem Vorfall Riquelme-Jubel. Ein Zitat das vllt zu Riquelme passt: „Wer Erfolg haben will, muss verrückt sein!“

  5. also jetzt nochmal zu roman und den glorreichen boca juniors. aus gegen defensor, na ja da hat dann das comeback von roman wohl doch nicht gerreicht, obwohl ich sie auch lieber weiter gesehen hätte.

    @carlos: ich sehe rolfi da auch eher als ne notlösung, aber besser als roman ist der allemale. ich würde an diegos stelle 4-3-3 spielen lassen, mit kun, tevez und messi. argentinien hat zur zeit keinen würdigen 10er und das mittelfeld ist einfachn nicht so stark wie die 3 vorne. gago da habe ich mich beim ersten mal vertan.

    @alle: habt ihr den typen schon mal live gesehen, der ist so langsam und bewegt sich so wenig, das ist echt ne frechheit. stolziert nur wie sone diva über den platz. roman ist selbst für die libertadores, bzw. argentinische liga zu langsam, nur technik und ab und an mal ein guter paß reicht nicht. schon gar nicht wenn es dann bei ner wm richtig zur sache geht, woher soll roman denn an diese geschwindigkeiten gewöhnt sein.

    diego soll roman gerne mitnehmen, aber dann wirds diesmal nichtmal bis in die verlängerung reichen.

  6. Interessant die verschiedenen Meinungen zu Román zu lesen…
    zum fehlgeleiteten Link:
    Leider hat der User das Youtube Video entfernt, in dem zu sehen war, wie Riquelme während einer Spielpause vor seinem Tor den Jungen auf der Tribüne versuchte ausfindig zumachen. Ebenso ist danach zu sehen, wie Riquelme nach seinem Tor ohne mit den Mitspielern zu jubeln abdreht und bis hinter die Mittellinie sprintet, um dort den Typen, der vorher „mehr Eier“ gefordert hatte per Zeigefinger zu outen. Die Kamera zeigt danach ebenso, wie auf der Tribüne sich andere Fans-scheinbar legitimiert durch Riquelmes Aktion- auf den jungen Boca-Fan stürzen.
    Bei Youtube findet man leider nur Teile der Szenerie: Boca-Racing, Apertura 2008

  7. @Max
    Du hast Recht wenn du sagst er bewegt sich wenig, ist langsam und stolziert nur wie eine Diva über den Platz,nur ist seine Aufgabe als Spielmacher nicht möglichst schnell oder viel zu laufen sondern das Spiel zu lenken und die Stürmer in Szene zu setzen.Dass es kaum einen gibt der das besser kann als er kann wohl niemand bestreiten und Aussagen wie „Er hatte nie Weltklasseniveau“ oder „Nur Technik und ab und an mal ein guter Pass reichen nicht“ oder „Riquelme ist selbst für die argentinische Liga zu langsam “ sind einfach nur der pure Schwachsinn.HALLO hast du seine Leistungen beim Confed Cup 2005 bei der WM 2006 oder in den ersten Jahren bei Villareal gesehen?Außerdem spielt er nicht ab und an einen guten Pass sondern öfter als jeder andere Spieler.Die einzigen die ihm im Passspiel das Wasser reichen können sind Pirlo,Xabi Alonso oder Xavi.Und Rolfi soll besser als Roman seien???????Es ist nicht meine Absicht dich zu beleidigen aber ich glaube du träumst auch von Weltfrieden und Kölner Meisterschaften…^^

  8. Immer mal wieder interessant so Debatten auf hohem Niveau zu verfolgen. Schaut euch seine Leistungen in der argentinischen Liga an. Seine Bilanz spricht Bände. Riquelme ist und bleibt ein Ausnahmespieler. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer das Maradona Riquelme als legitimen Nachfolger ernannt hat(te).

    http://www.fanlager.de/fussball-stammtisch/maradona-nachfolger-14220.html

  9. @imperator

    Ja er hatte nie weltklasseniveau, ganz so schlecht wie ich ihn bisher dargestellt habe ist er vielleicht nicht, aber mal ganz im ernst woher soll roman denn die geschwindigkeit die bei einer wm angesagt ist gewohnt sein. aus argentinien? ich mag den argentinischen fußball sehr, aber nicht wegen dem hochklassigen fußball der da gespielt wird und jeder der regelmäßig, vor allem live argentinischen fußball gesehen hat, wird das bestätigen. da hat sich riquelme angepaßt und bekommt das auch nicht mehr raus. gegen richtig gute sechser macht roman keinen stich, warum will ihn denn außer mallorca keine sau haben oder gab es in den letzten jahren wirklich ernsthafte abwerbungsversuche?

    mag sein das er am 2005/2006 gut war, aber das ist bei der wm 4 jahre her, auch wenn er erst 31 ist, ich bleibe dabei es reicht einfach nicht mehr. die ganz großen internationalen erfolge sind von zugegebenen stolzen 3 libertadores titlen abgesehen, für mich auch nicht da. Ausnahme viel. die saison 05/06 bei villareal.

  10. Nach manchen Ideen die hier kursieren, hätte man gern glauben können, dass Jamaica in Sudafrika eine wichtige Rolle spielen wird. Viertelfinale? Vielleicht noch mehr.

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