Derby in Rosario: Newell’s empfängt Central

Der Auswärtsblock der Canalla letztes Jahr

Knapp drei Tage zelteten unter der Woche zahlreiche Anhänger von Rosario Central vor der Geschäftsstelle des Klubs, um eines der 3000 Tickets für das an diesem Sonntag um 17:00Uhr (Ortszeit- 21:00Uhr MEZ) stattfindende Derby gegen den Erzfeind Newell’s Old Boys  zu ergattern.

Die gastgebenden Fans motivierten unterdessen beim traditionellen Banderazo ihr Team. Ein Banderazo, was nirgends so ausgeprägt gelebt zu werden scheint wie in Rosario, ist ein Treffen der Fans im Stadion mit allen Fahnen und Trompeten wenige Tage vor einem wichtigen Spiel. Etwa 27.000 Anhänger von Newell’s sollen zur Vor-Unterstützung des aktuellen Tabellenführers erschienen sein.

Vor etwa einem Jahr flatterte folgender Bericht des damaligen Clásicos de Rosario in die Redaktion eines deutschen Fußballmagazins. Leider schaffte es das Derby Rosarino nicht in den Druck, weil Südamerika zur Zeit etwas überpräsent sei. Hmmm… Woran das wohl liegen mag? Ein Bericht vom 2. November 2008

Newell’s Old Boys – Rosario Central 1:0

Torneo Apertura 2008 , Rosario, Argentinien; El Coloso del Parque

2. November, 38.000 Zuschauer

Ja, ja, ja…Der Superclásico in Buenos Aires zwischen den Boca Juniors und River Plate gilt als das vielleicht bunteste Fußballfanspektakel auf Erden. Verlässt man aber Argentiniens Hauptstadt 300 Kilometer in die Provinz Santa Fé, kann man dort ein Derby erleben, dass irgendwie noch emotionaler, noch verrückter, noch roher ausgetragen wird. Denn während es in und um Buenos Aires immerhin noch zwölf andere Erstligisten gibt, dessen Fans der Superclásico relativ schnuppe ist, spaltet sich der fußballerische Mikrokosmos der Millionenstadt Rosario genau in zwei Hälften. Und während der Schwarzmarkt bei Boca – River zu großen Anteilen über Reisebüros und Backpacker- Hostels abgewickelt wird, kümmert sich in Rosario einfach unter der Hand die Polizei darum.

Wer hier das Licht der Welt erblickt, lernt zuerst gut und böse durch eine gefärbte Brille zu unterscheiden. Von Ché Guevara sagt man, dass er „Canalla“, Anhänger von Central, war. Von Lionel Messi weiß man, dass er „Leproso“ von Newell’s ist; „Leprös“, weil Newell’s in den zwanziger Jahren ein Benefizspiel in einer Lepraklinik bestritt, als Rosario Central sich diesem verweigerte.

Im Koloss am „Parque de la Independencia“ herrscht am Derbytag Karneval. Vielleicht sind es nicht so viele Zuschauer wie in europäischen Arenen, aber dafür sind garantiert alle Anwesenden in einer positiv verrückt Stimmung. Jeder schimpft, singt und hüpft und gemeinsam verwandeln sie das Stadion in eine reine Stehplatzarena.

Auf dem Platz kreuzen sich zunächst hektische Fehlpässe beider Mannschaften. Viele der 22 Akteure sind in Rosario geboren und wissen welch Freud oder Leid sie nach dem Spiel erwarten kann. Aber nach der Anfangsphase können die Jungs des Namensgebers Isaac Newell erweisen, warum sie in dieser Spielzeit in der Spitzengruppe der Tabelle um den Titel mitspielen. Torres wieselt sich in der 20. Minute in den Strafraum von Central und beim Versuch zu klären, fällt Centrals Braghieri ungünstig den Blondschopf Machín. Den folgenden Elfmeter verwandelt Routinier Schiavi sicher zur 1:0 Führung von Newell’s und sorgt so bei den über 30.000 Anhängern für eine weitere Überdosis Adrenalin. Bis zur Halbzeit dominieren die rot-schwarzen den Abstiegskandidaten Central und jeder Pass wird von der Tribüne mit einem langgezogenem „Oleeee“ begleitet. In der zweiten Hälfte drängen die blau-gelben in die Hälfte von Newell’s, aber keiner der gefühlten zwei Dutzend Freistöße des Ex-Nationalspielers „Kily“ Gonzalez landet produktiv vor dem gegnerischen Tor.

Der Drops scheint gelutscht bis sich in der Nachspielzeit „der Dicke“ Fabbiani noch einmal den Ball ergrätscht, dabei seinem Gegenspieler von Central die Hand bricht und in der Folge den Keeper und zwei weitere Abwehrspieler wunderschön austippelt. Der Ball und das leere Tor könnten ihn und dieses 157. Stadtderby in die Geschichtsbücher bringen. Nein. Das Leder geht unverständlicher Weise über den Kasten. Es bleibt ein normal verrücktes Spiel in Rosario. „An Lepra werde ich sterben“ singen die Anhänger von Newell’s. Schwer ansteckend diese Krankheit.

Viktor

3 Antworten zu “Derby in Rosario: Newell’s empfängt Central

  1. sehr schöner bericht, danke! Vamos Canalla, Newells in die Meistersuppe spucken.

  2. kann ich nur zustimmen, weiter so vik und die anderen autoren!

  3. Pingback: Heute Entscheidung im Titelkampf? « Fußball auf Argentinisch

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