Immer wieder mittwochs…

In England spielt ein argentinischer Nationalspieler bei einem Zweitligisten und in der Jugendabteilung von Independiente machte erstmals ein kleiner Agüero von sich reden. In der Copa Libertadores sind wieder drei Teams im Einsatz und in der Bombonera gibt es knappe 80 Minuten Superclasico. In Argentinien jagen auch einige Ausländer dem Ball hinterher. Dies und vieles mehr in unserer wöchentlichen Rubrik:

Jonás Gutierrez – Als Zweitligist in der Nationalmannschaft

Für deutsche Fußballfans ist vielleicht Jonás Gutierrez eines der weniger bekannten Gesichter der argentinischen Nationalmannschaft und so manch Außenstehender mokiert die Präsens eines Zweitligaspielers im Team eines WM-Favoriten. Dabei ist Newcastle Uniteds Absturz in die englische 2. Liga sicher nur ein Unfall, denn die Magpies blicken nach 37 Spielen mit 10 Punkten Vorsprung auf die Nichtaufstiegsplätze. Einer der Leistungsträger des Teams ist ebendieser 26-jährige Gutierrez, der wahlweise auf der linken oder rechten Außenbahn für ordentlichen Wind sorgt. Häufig öffnen seine schnellen Antritte im Mittelfeld das Spiel und seine Flanken sorgen für Torgefahr. Bisher bereitete er sieben Treffer vor und erzielte selbst drei Treffer – so auch am vergangenen Wochenende beim 2:2 gegen Bristol.

Wenngleich Angel di Marias Leistungen auf der linken Außenbahn bei Benfica Lissabon und auch in der Nationalmannschaft durchaus eines Stammplatzes bei der WM würdig sind, so ist Gutierrez dennoch eine robuste Alternative, je nach Gegner und Spielsituationen. Sonst kann el galgo („der Windhund“) als kämpferische Absicherung für Lionel Messi auf die rechte Außenbahn ausweichen. Die roughe Schule des englischen Fußballs tut nicht nur Jonás Gutierrez gut: auch Liverpools Javier Mascherano und Emiliano Insúa sowie Carlitos Tevez von Manchester City könnten zu Schlüsselspielern der Albiceleste in Südafrika werden. (V)

Expatriots am Río de la Plata

Würde man in Argentinien die Staatsangehörigkeit nach dem Prinzip des Ius Sanguinis verfolgen, also nach der Nationalität der Vorfahren, wären wohl die meisten Spieler Italiener oder Spanier. Was in Deutschland aber immer noch ein Problem scheint, ist in anderen Einwanderungsländern Gang und Gebe: Ius Terris, jeder in Argentinien geborene Mensch erhält automatisch die argentinische Staatsangehörigkeit.
In der ersten argentinischen Liga tummeln sich längst nicht so viele ausländische Spieler wie in Europa. Kaum mehr als 50 extranjeros spielen in Argentinien, was einem Wert von nur 11% entspricht. Zum Vergleich: selbst im Nachbarland Chile sind 24% der Erstligaspieler Ausländer, in der Bundesliga knapp 50% und in England sogar 69%.
Der Großteil der Expatriots in Argentinien (insgesamt je 48) stammt aus den Nachbarländern Uruguay und Paraguay. Nur zwei Brasilianer stehen je vier Kolumbianern und vier Chilenen gegenüber. Der zurzeit interessantes Ausländer zur Zeit ist wohl der erst achtzehn jährige James „el pistolero“ Rodriguez, der bei Banfield mit feiner Technik und riesigem Talent glänzt. (V)

Mein Bruder ist Fußballstar in Europa

Wie überall auf der Welt gibt es auch in Argentinien Familien, die gänzlich im Profifußball präsent sind. Bereits vor einigen Monaten berichteten wir von Rosario Centrals Guillermo Burdisso, dessen älterer Bruder Nicolás erst jahrelang für Inter Mailand und nun für AS Rom die Stiefel schnürt. Bei Veléz Sársfield gab es in den letzten Jahren einen ganzen Clan, von dem Rolando Zarate in dieser Saison der letzte Vertreter ist. Nürnbergs ehemalige Zaubermaus Sergio ist der älteste, Lazio Roms Stürmerstar Mauro ein jüngerer Bruder.

Drei Jahre älter als sein prominenter Bruder ist Federico Higuaín, der schon vergeblich in Mexiko bei CF América und bei Besiktas Istanbul sein Glück versuchte. Er kehrte zurück in die Heimat und wurde von Independiente mit einem überdotierten Vertrag versorgt. Aber auch beim roten Teufel konnte sich der phasenweise scheinbar übergewichtige Fedrico Higuaín nicht durchsetzten und wurde im Juli 2009 an Godoy Cruz nach Mendoza ausgeliehen. Dort trifft er zur Überraschung vieler wieder das Tor und belegt mit seinem Team den 2. Platz und erzielte bisher neun Treffer, immerhin sieben mehr als bei seinen vorherigen drei Engagements.

Der kleine Agüero

Bei Independiente ist nun erstmals ein gewisser Mauricio del Castillo in Erscheinung getreten.  Gut, er spielt noch in der E-Jugend, aber auch er ist immerhin eines von sechs Geschwistern von Argentiniens Nationalstürmer Sergio Leonel Agüero. (V)

Estudiantes gut – wie schlagen sich Velez und Lanus?

Juan Veron

Ein phantastisches Zuspiel von Juan Veron und der coole Abschluss von Jose Sosa brachte die Estudiantes gestern nacht gegen den Klub Bolivar aus La Paz auf die Siegerstraße. Zuvor hatte man knappe 50 Minuten das Tor des Underdogs aus Bolivien belagert und zahlreiche Chancen liegen gelassen. Juan Veron war abermals der spielbestimmende Faktor im Spiel von El Pincha, Mauro Boselli untermauerte seinen Status als einer der besten Torjäger Südamerikas mit seinem dritten Tor im dritten Spiel und Jose Sosa zeigte in der zweiten Halbzeit das er einewichtige Verstärkung für die Estudiantes sein kann. Letztere hatten bereits am Wochenende mit ihren Toren (Boselli 2x) den Sieg über den Club Atletico Tucuman (3-0) sichergestellt. In den Partien gegen die Tucumanos und die Bolivianer wirkte zum ersten Mal der Rückkehrer Gaston Fernandez (mit durchwachsenen Leistungen) mit. Der lang verletzte Marcos Angeleri kommt immer besser in Fahrt und könnte, wenn er so weiter macht, wieder eine Alternative für die Außenbahn in der Albiceleste werden. Mit dieser Truppe verfügt Trainer Sabella über ein im kontinentalen Vergleich einzigartiges Personal mit dem man sicherlich um den Titel mitspielen kann. Der harte Kern der bei der letztjährigen Auflage der Copa siegreichen Truppe konnte schließlich gehalten und sogar noch mit Spielern wie besagtem Ex-Bajuwaren Jose Sosa verstärkt werden. Ein profilierter Nationalspieler wie Clemente Rodriguez fand sich gar, bereits wiederholten Mal in Folge, auf der Bank wieder. Um allerdings den großen Wurf des letzten Jahres zu wiederholen muss man die Konzentration schärfen und muss aus der Überlegenheit mehr Profit schlagen. Gegen die schwächeren Teams vom Kontinent reicht es ja scheinbar noch wenn man hier und da das Tempo anzieht – aber spätestens gegen die Mexikaner oder Brasilianer wird man mit dieser Spielweise im weiteren Verlauf auf die Nase fallen.

Tabelle Gruppe 7

Heute steigt in Lanus im Süden des Ballungsraumes Buenos Aires ein echtes Finale um den weiteren Verbleib in der Copa Libertadores zwischen dem heimischen Club Atletico und den Gästen von Blooming aus Santa Cruz de la Sierra (Bolivien). Die Generalprobe gelang schon einmal für die Gastgeber. Das Spiel gegen den Racing Club konnte man mit 1-0 für sich entscheiden. In dieser Saison äußerst selten überzeugend, spielte man auch in diesem Spiel nicht sonderlich gut. Doch Mitte der zweiten Halbzeit nutzte der hochveranlagte Sebastian Blanco einen Abwehrfehler der Academia und sorgte für das Tor des Tages. Neben Blanco hat es auch der junge Guido Pizarro in die Stammformation geschafft. Den 20-jährigen zentralen Mittelfeldspieler zeichnet vor allem sein vorzügliches Passsspiel aus. Der Verlierer der Partie kann sich die Qualifikation für das Achtelfinale wohl abschminken.

Velez Sarsfield wähnt sich in einer besseren Ausgangsposition. Gegen Colo Colo will man zu Hause den dritten Sieg in der Gruppenphase einfahren und einen großen Schritt gen Achtelfinale machen. In der letzten Woche kam man zwar gegen den chilenischen Meister nicht über ein Unentschieden (1-1) hinaus, ist aber mit sieben Punkten weiterhin führend in der Gruppe 7. In der Liga erreichte man am Wochenende ein Remis bei den Newell’s Old Boys. Doch auf die vorneweg marschierenden Independiente oder Godoy Cruz sind es nunmehr gar sieben bzw. fünf Punkte Rückstand. Volle Konzentration auf die Copa sollte also die Maxime sein. (C)

Rain over Paradise – Regen über Buenos Aires

Die heilige Maria der guten Winde ist die Schutzpatronin der spanischen Seefahrer, welche diesen Namen der heutigen argentinischen Hauptstadt am Río de la Plata übertrugen: Buenos Aires. Aber man hätte auch dem heiligen Petrus Beachtung schenken sollen, denn dieser gilt im katholischen Volksmund als „Wettergott“ und öffnete in letzter Zeit zu häufig seine Himmelspforte, um argentinische Fußballstadien mit Regenschauern zu übergießen. Im Estadio Monumental musste vor zwei Jahren River gegen San Martín unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwei Halbzeiten von je viereinhalb Minuten nachholen, nachdem Tage zuvor in der 81. Minute beim Stand von 3:2 das Spiel wegen heftigster Regenschauer unterbrochen werden musste. Im Torneo Apertura 2008 dauerte es nur 16 Minuten, bis das Derby zwischen Huracán und San Lorenzo in der Bombonera dem Wasser zum Opfer fiel. Schlecht für „el globo“, denn die 1:0 Führung drehte San Lorenzo im Nachholspiel und gewann 4:1.

Beim Saisonfinale des letzten Torneo Clausura war es ein winterlicher Hagelschauer, der das entscheidende Spiel um die Meisterschaft zwischen Veléz und Huracán für 20 Minuten unterbrach.

Auch in dieser Saison waren es bis zum Wochenende bereits drei Begegnungen, die den plötzlichen Chaparrones (Regenschauer) des feuchten Sommerklimas am Río de la Plata zum Opfer fielen. Und nun traf es auch erstmals das prominenteste Spiel des argentinischen Fußballs: Nach nur neun Minuten hatte Argentiniens WM-Schiedsrichter Hector Baldassi Einsehen und schickte die nassen Spieler in die Kabinen.

Ein finanzieller Volltreffer für den informellen Einlass mit Bocas Barra Brava „La12“, denn diesen schweren Jungs brauch man beim Nachholspiel am Donnerstag sicherlich nichts von einem bereits bezahlten Eintritt erzählen…(V)

Ein langweiliges Wochenende in der Liga

Der zehnte Spieltag des Torneo Clausura hat sicherlich niemanden vom Hocker hauen können. Von den vom Abstieg bedrohten Teams konnte keines gewinnen. Dem davon eilenden Tabellenführer Independiente (23 Punkte) und dem ärgsten Verfolger Godoy Cruz (21) bleiben am ehesten die Estudiantes (17) auf den Fersen. (C)

Der Spieltag im Überblick (Klick auf das Ergebnis für die Highlights):

Club Atletico Huracan – Chacarita Juniors 2-0 (0-0) (Clara 56., Goltz 87.)

Club Atletico Tucuman – Estudiantes 1-3 (0-1) (Azconzabal 46. – Boselli (FE) 3. u. 75., Sosa 47.)

San Lorenzo – Club Atletico Colon 2-2 (1-1) (Gomez 12., 89. – Bertoglio 4., Coudet 48.)

Club Atletico Lanus – Racing Club 1-0 (0-0) (Blanco 73.)

Argentinos Juniors – Club Atletico Tigre 1-1 (1-0) (Pavlovich 15. – Luna 77.)

Newell’s Old Boys – Velez Sarsfield 1-1 (0-0) (Schiavi 63. (FE) – Lima 86.)

Godoy Cruz – Club Atletico Banfield 2-0 (1-0) (Sigali 18., Ramirez 74.)

Gimnasia La Plata – Arsenal 0-2 (0-1) (Leguizamon 32., Obolo 79.)

Independiente – Rosario Central 2-0 (0-0) (Mareque 77., Nünez 85.)

Zahlenwerk

  • von den vom Abstieg bedrohten Teams konnte an diesem Wochenende keines punkten

    Abstiegstabelle

  • die Toptorjäger Carlos Luna (Tigre) und Mauro Boselli (Estudiantes) konnten am Wochenende treffen und die Spitzenposition behaupten. Mauro Obolo (Arsenal) schloß zu den zweitplatzierten auf.
  • Topvorbereiter Patricio Toranzo konnte auch im Spiel gegen die Chacarita Juniors ein Tor vorbereiten.
  • die zweite Liga wird weiterhin von Instituto aus Cordoba angeführt

2 Antworten zu “Immer wieder mittwochs…

  1. Super, danke für die ausführliche Zusammenfassung und den klasse Blog!!!!

  2. Klar ist uns Deutschen Gutierrez allein schon durch seine stattliche Erscheinung beim Länderspiel in München aufgefallen!
    Oben auf dem Foto sieht er allerdings sogar relativ schmächtig aus, gegen seinen trikotsprengenden Anblick, Anfang März. Muss man sich Sorgen machen?

    Ach so: guter Spieler!

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