Saisonrückblick auf die Apertura 2010 – Teil II

Im zweiten Teil des Saisonrückblicks widmen wir uns dem Mittelfeld, das Herzstück eines jeden Teams. Für die Top 11 der Apertura stehen den Mittelfeldspielern dabei fünf Positionen zur Verfügung, weitere drei werden im Blickfeld vorgestellt: Von Ballvirtuosen, Dribbelkünstlern, Wasserträgern und Kilometerfressern bis hin zu denjenigen, die tödliche Pässe aus den Ärmeln schütteln können – die ganze Palette konnte abgedeckt werden. 

Mittelfeld

David Ramírez (Godoy Cruz)

David Ramírez wird aufgrund seines aufreizenden und technisch wertvollen Spiels schlicht El Mago, der Magier, genannt. In keiner Spielzeit trumpfte der Spielgestalter mit dem rechten Hammer aber so genial auf wie im letzten Halbjahr. Nur knapp verlor Ramírez das Rennen um den Titel des besten Spielers der Apertura 2010 an JM Martinez. Mit insgesamt acht meist fulminanten Toren und weiteren fünf Torvorlagen (drittbester Scorer der Liga und bester Scorer unter Nichtberücksichtigung der Stürmer) unterstrich der Spielmacher der Tomba seine überragende Saison. Zweimal wurde er zum Capo der Woche gewählt, sechsmal stand er in der Top11.

Rodrigo Braña (Estudiantes de La Plata)

Der Abräumer der Saison rannte, fightete und grätschte bis zum Umfallen (10 gelbe Karten!). Kleinere hartnäckige Verletzungen warfen den Routinier immer wieder zurück, sodass bei voller Fitness wohl noch bessere Leistungen möglich gewesen wären. Trotzdem: Der Chef im zentralen Mittelfeld der Pincha hieß in der Apertura nicht Verón, sondern Braña. Viermal schaffte er es in die Top 11, zweimal trug er sich in die Torschützenliste ein. Bei seinem Siegtor gegen seinen Lieblingsklub Quilmes verzichtete el Chapu auf jeglichen Jubel. Rodrigo Braña – mal Terrier, mal Gentleman, für Trainer Sabella schlicht das entscheidende Mosaiksteinchen zum Gewinn des Meistertitels.

Giovanni Moreno (Racing de Avellaneda)

Der Kolumbianer brauchte eine kurze Eingewöhnungsphase, schlug danach aber wie eine Bombe ein. Feine Dribblings wechselten sich mit schnörkellosem Direktspiel und einigen Traumpässen ab. Vor dem Tor behielt er auch seine Nerven, was die fünf erzielten Treffer beweisen. Keine Frage, im blauen Teil von Avellaneda hat man wieder einen richtigen Star in seinem Reihen. Für die Academia absolvierte Gio 15 Spiele und wurde von uns dabei viermal ins Mittelfeld berufen. Seine brillante Technik gepaart mit seinem sprühenden Spielwitz verzückte nicht nur die eigenen Anhänger, viele Klubs aus dem Ausland haben den schlaksigen Zehner bereits auf ihrem Wunschzettel.

Walter Erviti (CA Banfield)

Walter Erviti ist der Virtuose der Primera Division. Für sein Team Banfield ist er nicht nur der Schlüsselspieler, sondern geht auch mit der richtigen kämpferischen Einstellung voran. Sein Spitzname lautet Cañito, weil der Beinschuss(Caño) zu seinem besonderen Markenzeichen zählt. Erviti schafft es selbst das langweiligste Ballgeschiebe mit ein paar genialen Aktionen sehenswert zu gestalten. Bei Banfield stand er in allen Spielen in der Startelf, erzielte zwei Tore und bereitete weitere vier Treffer vor. Zwar schaffte er nur zweimal den Sprung in die Top11, allerdings waren seine Leistungen durchweg gut, sodass er in fast allen Spielen zum Kreis der Top11-Kandidaten zählte. Derzeit ist die Personalie Erviti die am heißesten diskutierte in der Liga. Boca und San Lorenzo streiten sich um seine Dienste dieses außergewöhnlichen Spielers, wobei Banfield ihren Star überhaupt nicht abgeben will. Fortsetzung folgt.

Enzo Pérez (Estudiantes de La Plata)

Der aus Mendoza stammende Mittelfeldspieler glänzte als Topscorer und bester Offensivmann der souveränen Meistermannschaft (drei Tore, sechs Vorlagen). Fünfmal fand man ihn in unserer Top11, einziger Fleck einer bärenstarken Saison: die total unnötige rote Karte nach rüdem Foulspiel gegen Independiente im Schlussspurt zum Titel. Am schnellen und dribbelstarken Rechtsfuß sind mittlerweile mehrere Klubs aus Europa interessiert. Zuletzt galt Inter als heißer Kandidat, auch in Hamburg hat man sich bereits über den Spieler informiert. Ein möglicher Transfer des 24-jährigen würde wohl etwa sechs Millionen Euro kosten.

Im Blickfeld:

Maxi Moralez (Vélez Sarsfield)

Maxi durchlief eine Saison mit deutlich mehr Höhen als Tiefen, jedoch wurde der wuselige Spielmacher immer wieder durch kleinere Verletzungen ausgebremst, worunter sein Spielrhythmus sichtlich zu leiden schien. Obwohl es Maxi viermal in unsere Top11 schaffte (und am 8. Spieltag zum Capo gewählt wurde), präsentierte er sich nicht konstant genug, um es auch in die Elf des Jahres zu schaffen. Vor allem bei Niederlage gegen Boca (4. Spieltag) und beim torlosen Remis gegen Abstiegskandidat Gimnasia (15. Spieltag, durch den Punktverlust gab man die Tabellenführung wieder an Estudiantes ab) tauchte der 1,60m kleine Spielgestalter total ab. Mit insgesamt zehn Scorerpunkten (vier Tore, sechs Vorlagen) rangiert Maxi nach Ramírez auf dem zweiten Platz der erfolgreichsten Mittelfeldspieler.

Mauricio Sperdutti (Newell´s Old Boys)

Der gebürtige Rosarino (300 km nordwestlich von Buenos Aires) hat endlich seinen Durchbruch bei den Old Boys geschafft. Schon in der Clausura 2010 wusste der pfeilschnelle Rechtsfuß zu überzeugen, in der Apertura avancierte er nun endgültig zum absoluten Leistungsträger der Lepra. Mit seinen vier Toren und drei Vorlagen war er an über der Hälfte der insgesamt 13 erzielten Tore beteiligt, herausragend zudem sein Zusammenspiel mit Regisseur Mauro Formica.

Ariel Rojas (Godoy Cruz)

Godoy Cruz begeisterte ganz Fußball-Argentina mit geballtem Offensivspektakel. Obwohl man das größte Lob David Ramírez zusprechen muss, darf man seine Nebenmänner und Wasserträger nicht außer Acht lassen. Der auffälligste unter diesen (die weiteren sind: Villar, Sanchez und Olmedo) war der 25-jährige Ariel Rojas. Variabel im zentralen oder im linken Mittelfeld einsetzbar, hielt Rojas nicht nur des Magiers Rücken frei, sondern knallte immer mal wieder gefährlich aus der Distanz drauf. Viermal zappelte der Ball dabei im Netz, weitere vier Treffer konnte er vorbereiten.

Andreas

Eine Antwort zu “Saisonrückblick auf die Apertura 2010 – Teil II

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