Argentinischer Fußball 2011 – quo vadis?

Langsam neigt sich auch in Argentinien die Sommerpause dem Ende. Der Ball rollt wieder, die Freundschaftsturniere sind abgeschlossen und ereignissreiche Monate stehen an. Die Meisterschaft (das Torneo Clausura beginnt am 11.Februar), die Copa Libertadores und im Juli die Copa América versprechen neben dem Protagonismus der Argentinier in den europäischen Vereinen ein spannendes Programm für Liebhaber des Fußballs vom Río de la Plata.

Argifutbol gibt einen kritischen Ausblick auf das argentinische Fußballjahr 2011.

Argentinier gehören weltweit zu den Besten… Einzelspielern

Je nach Blickwinkel eines Rückblickes auf das Jahr 2010 könnte man meinen, Argentinien beherrsche den Weltfußball wie kein anderes Land. Den prestigeträchtigsten Wettbewerb für Vereinsmannschaften, die Champions League, gewann Inter Mailand mit einem Gerüst von vier argentinischen Stammspielern. Stürmer Diego Milito, der in Mourinhos System aufblühte, wurde zudem in Italien als Spieler des Jahres gewählt. Auch in Frankreich wurde Lyons bulliger Mittelstürmer Lisandro López Spieler der Saison 09/10 und in Portugal ist Javier Saviola Spieler des Jahres 2010. Auch auf dem heimischen Kontinent glänzten die Gauchos: Andrés D’Alessandro gewann mit Internacional aus Porto Alegre die Copa Libertadores und wurde zum besten Spieler Südamerikas gewählt. In Brasilien entschieden sich die Fachpresse und auch die Fans (!) für den Argentinier Diego Conca zum Fußballer des Jahres, nachdem er mit Fluminense die Meisterschaft errungen hatte. Nur um ein weiteres Beispiel zu nennen: Auch in Chile wurde mit Mauro Olivi von Audax Italiano ein Argentinier zum Besten der Saison gewählt. Und ach ja, ein gewisser Lionel Messi ist nach 2009 erneut zum Weltfußballer 2010 ernannt worden.

Seit Jahren dominieren auf diese Weise argentinische Einzelspieler vermeintlich den Weltfußball. Dennoch muss man sich eingestehen, dass bei argentinischen Fußballern im Ausland mittlerweile mehr Masse als Klasse zählt. Wie 11 Freunde und auch Der Spiegel in den letzten Monaten feststellten, hat Argentinien sogar das fünfmal größere Brasilien als Exportland für Fußballprofis überholt. Während die nationale Liga dadurch ausblutet, verdienen sich zahlreiche Spielerberater und – vermittler ein goldenes Nässchen, in dem sie immer jüngere Spieler nach Europa transferieren. Oft scheinbar gegen den eigentlichen Willen der Spieler lockt in den europäischen Ligen zwar das große Geld- nicht aber unbedingt die behutsame Etablierung im Spitzenfußball. Für Franco Zuculini zum Beispiel, der bei Hoffenheim und nun wohl auch bei Genua kläglich scheiterte, kam ein Wechsel nach kaum mehr als 20 Erstligaspielen in der Heimat sicherlich zu früh. Er steht nun auf der Rückholliste von River Plate und seinem früheren Klub Racing. Aber auch die Funktionäre in der Heimat versuchen natürlich regelmäßig eine handvoll Spieler ins Ausland zu transferieren. Wenn man wie zuletzt wie bei Lanús befürchtet, den Höhepunkt eines Spielermarktwertes verpasst zu haben, kommt es dazu, dass ein Sebástian Blanco, für viele Kenner eines der größten Talente der letzten Jahre, in einer Nacht- und Nebelaktion zu Metalist Kharkiv wechselt. Bei allem Respekt gegenüber dem ukrainischen Fußball bleibt nur zu hoffen, dass er nicht dort versauert oder in Vergessenheit gerät.

Um wirtschaftlich zu bestehen, bleibt den argentinischen Vereinen keine andere Möglichkeit, als Spieler en masse ins Ausland zu verkaufen. Die Ökonomie des Landes wächst längst nicht zu kräftig wie im Nachbarland Brasilien, wo zuletzt nicht nur mit der Hilfe zahlungskräftiger Sponsoren einige große Namen in die Liga zurückgeholt wurden, sondern auch eigene Talente länger im Land gehalten werden können. Diese Entwicklung befeuerte zuletzt auch die Aussage des brasilianischen Nationaltrainer Menezes, bei der WM 2014 im eigenen Land auch zunehmend auf Spieler aus der heimischen Liga zu setzen. Von einem ähnlichen Bekenntnis ist Argentinien weit entfernt. Der argentinische Fußball schadet sich selbst mit dieser Entwicklung, die nationale Liga verliert an Attraktivität und junge Talente laufen Gefahr, unreif ihre Ausbildung Richtung Europa abzubrechen.

 

Morgen auf Argifutbol: Die Nationalmannschaft nach der WM auf dem Weg zur Copa América 2011.

2 Antworten zu “Argentinischer Fußball 2011 – quo vadis?

  1. ein super beitrag !!! ich glaube das argentinien die besten einzelspieler überhaubt hat. das mit saviola ist mir garnicht aufgefallen,ich wusste zwar das er bei benfica spielt,dachte aber das er lange über dem zenit ist…..man hat es leider bei der wm gesehen,sie haben ein ensemble an hervorragenden einzelspielern,aber als es um die wurst ging hat es nicht zusammengepasst…..für mich ist es unfassbar das man es in argentinien nicht schafft mit diesem spielermaterial eine richtig dominierende seleccion auf die beine zu stellen,die jede andere auswahl in grund und boden spielt……….sie spielen mir teilweise auch zu sehr auf ballkontrolle ,anstatt offensiv und schnell nach vorne zu spielen. ich hoffe auch das das generationsproblem in der abwehr (heinze,burdisso,collocini u.s.w.)jetzt endlich mal gelösst wird und frische unverbrauchte kräfte rankommen…….

  2. Heute geht´s endlich wieder los und Morgen abend gewinnt Quilmes in Colón !

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