Zuhause bei den Bierbrauern

Argentiniens ältester Fußballklub Quilmes Atlético Club empfing am vergangenen Sonntag Rekordmeister River Plate im nahezu ausverkauften Estadio Centenario. Sonnenschein, eine leichte Brise, lautstarke Anhänger auf beiden Seiten – perfekte Fußballbedingungen und argifútbol mittendrin! Quilmes Atlético Club – CA River Plate

03.04.2011, Estadio Centenario Dr. José Luis Meiszner

Ausgangslage:

Die Gastgeber konnten nach ihren beiden letzten Remis (davor fünf Niederlagen in Serie) die ersten Zähler einfahren. Als einziges Team der Primera División konnte man bisher noch kein Spiel gewinnen, die Abstiegsangst in der Bierstadt ist zum Greifen spürbar.

River Plate spielt bisher eine starke Saison, konnte sich schrittweise aus der Abstiegszone schieben und träumt gar vom großen Triumph.

Tabellensituation:

Quilmes AC: 20. Tabellenplatz; 2 Punkte; 4-10 Tore;  0-2-5; Promedio: 0.808

River Plate: 4.Tabellenplatz, 12 Punkte, 7-4 Tore, 3-3-1; Promedio: 1.245

Personalien:

Die Gastgeber mussten auf die gesperrten Leistungsträger Sebastián Martínez (Innenverteidiger) und Pablo Garnier (defensives Mittelfeld) verzichten. Hernán Grana und Francisco Cerro rückten dafür in die Startelf. Quilmes Trainer Caruso Lombardi stellte taktisch auf 3-2-4-1 um, indem er Geburtstagkind Santiago Raymonda (wurde 32 Jahre alt) anstelle des Mittelstürmers Cauteruccio auf das Spielfeld schickte. JJ Morales bildete somit die einzige Spitze. Torjäger Bernado Romeo schaffte es noch nicht in den Kader, der Ex-Hamburger laboriert weiterhin an einer Verletzung. Mittelfeldallrounder Gustavo Varela (ehemals Schalke) stand erneut nicht in der Startelf.

Argentinische Fußballromantik – Aufwärmen auf der Strasse

Bei River kehrte el kaiser, Adalberto Roman, nach auskurierter Verletzung wieder ins Abwehrzentrum zurück, der offensive Perreyra blieb dafür draußen. Trainer JJ López warnte vorm angeschlagenen Abstiegskandidaten aus der Bierstadt, mit insgesamt sieben defensiv eingestellten Spielern wollte der Coach der Millionarios kontrolliert und abwartend agieren. Denn je länger die Null gehalten würde, desto stärker würden die Gastgeber auf ein Tor drängen, was natürlich viel Raum zum Kontern geben würde, soweit die Theorie. Für die schnellen Kontergegenstöße berief López den kombinationsstarken Diego Buonanotte zum ersten Mal in die Anfangself. Der junge Lanzini nahm vorerst auf der Ersatzbank platz. Der emsige Mittelstürmer Caruso durfte nach seinem Doppelpack in der Vorwoche gegen Newell´s wieder beginnen, Funes Mori schmorte gutgelaunt auf der Bank, Mariano Pavone fehlte immer noch verletzungsbedingt, trat aber die Reise ins benachbarte Quilmes als moralische Unterstützung trotzdem mit an.

Funes Mori gutgelaunt auf der Ersatzbank

WM- Schiedsrichter Hector Baldassi gab das Spiel um Punkt 15h Ortszeit frei, der Abstiegskrimi konnte beginnen. Die Stimmung war auf beiden Fanseiten bombig, siegesgewiss brüllten die Fankurven ihre Farben nach vorne.

Cervecero mit weißer Schalke Mütze (rechts unten)

Die Gäste aus Nunez kamen besser in die Partie und beherrschten klar die erste Viertelstunde. Der Ball lief flüssig, die Cerveceros aus Quilmes liefen dem Ball meist hinterher und kamen nicht so recht in die Zweikämpfe. Die erste Möglichkeit hatten daher die Gastgeber, nachdem Adalberto Roman per Beinschuss Kalinski vernaschte und in der Mitte Buonanotte fand, dessen Schuss aber von eigenem Mitspieler Caruso abgewehrt wurde. Kurz darauf wollte es Buonanotte noch einmal wissen, setzte sich dynamisch auf rechts durch und zog aus gut 20 Metern ab, Schlussmann Tripodi konnten das Geschoß gerade noch über die Latte lenken. Die darauffolgende Ecke brachte nichts ein. Nur zwei Minuten später sollte der beste Angriff des Spiels folgen: Im Stile eines FC Barcelona durchlief das Spielgerät ganze 25 Stationen in 74 Sekunden, ohne dass ein gegnerisches Abwehrbein den Ball berühren konnte.

Lamela beim Führungstreffer

Die beiden herausragenden Akteure in diesem kollektiven Spektakel waren freilich Torvorbereiter Erik Lamela und Schütze Paulo Ferrari. Letzterer brachte Lamela mit einem technisch feinen Doppelpass herrlich in Position, mit Vollgas stach der Youngster in den Strafraum und überlistete Tripodi per Heber genau auf den Scheitel von Außenverteidiger Ferrari, der nur noch einnicken musste. Dass der Torschütze jedoch beim Zuspiel hauchdünn im Abseits stand, wurde von den Unparteiischen übersehen – ein wunderschöner Treffer mit etwas fadem Beigeschmack. Die Führung für die Millionarios, die bis dato die klar bessere Mannschaft gegen ein schläfriges Quilmes stellten, war jedoch hochverdient.

Morales mit Ladehemmung

In den verbleibenden Minuten der ersten Halbzeit zog sich River mehr und mehr zurück und überließ es den Gastgebern, das Spiel zu kontrollieren. Quilmes wachte nach dem Rückstand endlich auf und suchte seinerseits den Torerfolg: Cerro (15.) scheiterte erst an Carrizo, Spielmacher Caneo (24.) verballerte die mit Abstand beste Möglichkeit im ersten Durchgang, als er nach Flanke Corvaláns freistehend aus gut 12 Metern kläglich übers Tor zog. Mit der knappen Halbzeitführung ging es in die Katakomben.

Capitano Almeyda

Die Gastgeber erhöhten im zweiten Abschnitt die Schlagzahl, die eingewechselten Diego Torres und Martín Cauteruccio brachten frischen Wind ins Angriffsspiel der Cerveceros. Erst zwang Morales Flugkopfball Carrizo zu einer Glanzparade, anschließend vergurkte der sträflich freie Cauteruccio gleich zweimal in die Arme des aufmerksamen Carrizo. Der Ausgleich war überfällig, River hing in den Seilen, lediglich der bärenstarke Lamela sorgte zeitweise für Entlastungsangriffe.

Lamela vernascht Quilmes Kapitän Gerlo

Die letzte große Chance zum Ausgleich hatte erneut Quilmes Spielmacher Miguel Caneo, sein Freistoß strich aber knapp am rechten Pfosten vorbei. Die Minuten tickten herunter, River verteidigte in den Schlussminuten wieder etwas konzentrierter, sodass Quilmes Ausgleichsbemühung letztlich nicht belohnt wurden und Baldassi das Spiel nach vier Minuten Nachspielzeit beendete.

Schlusspfiff in Quilmes: ein geknickter Varela

Rivers Spieler fielen sich nach dem Schlusspfiff jubelnd in die Arme, die drei Punkte in Quilmes waren angesichts der streckenweise starken ersten Halbzeit nicht unverdient, jedoch aufgrund der besseren Chancen der Gastgeber doch etwas schmeichelhaft. Trainer JJ López strahlte mit Matchwinner Lamela um die Wette – das Abstiegsgespenst konnte vorübergehend vertrieben werden, vielmehr zog man dank des Dreier mit Tabellenführer Estudiantes gleich.

Rivers Lebensversicherung – 15 Millionen schwer

Wie geht es weiter in Quilmes? Das ist die große Frage, denn das einjährige Gastspiel in der höchsten argentinischen Spielklasse scheint wohl keine Fortsetzung in der nächste Saison zu finden. Die enttäuschten Verlierer konnten zum wiederholten Male trotz Chancenplus (6-4) keine Punkte einfahren, mit mageren zwei Zählern tritt man weiter auf der Stelle. Lediglich eine lang anhaltende Siegesserie könnte den fast sicheren Abstieg in die Nacional B noch verhindern.

„Was willst du machen? Wenn man wieder so viele Chancen auslässt, es ist unglaublich. Wir müssen die Spieler für ihren großen Einsatz und Spielfreude loben, aber im Fußball gewinnst du eben nur mit Toren“, erklärte uns ein konsternierter Teammanager Horacio Milozzi nach Spielende.

Quilmes weist nun schon zehn Punkte Rückstand auf die weiteren Abstiegskandidaten Gimnasia, All Boys und Olimpo auf. Die Cerveceros müssten schon eine gewaltige Aufholjagd starten und zudem auf Ausrutscher der Rivalen hoffen. Olimpo de Bahia Blanca wiederum spielt bislang eine gute Clausura, die weiteren Abstiegskandidaten Gimnasia und Huracán wirken auch stabiler als noch in der Apertura. Lediglich el Albo aus Floresta lieferte bisher trotz des namhaften Neuzugangs Ariel Ortega meist schwache Leistungen ab (fünf Punkte).

Ob es den Cerveceros jedoch überhaupt gelingt eine Siegesserie zu starten, muss allerdings bezweifelt werden. Zurzeit paart sich Unvermögen, Fehlentscheidungen, Pech und Scheiße am Fuß zu einem verheerenden Mix. Der Dekan des fútbol argentino befindet sich auf direktem Wege in die Zweitklassigkeit. Aguante Cervecero!

Quilmes AC – River Plate 0:1 Video


Fotos und Text: Andreas Geipel

17 Antworten zu “Zuhause bei den Bierbrauern

  1. Von wegen „hauchdünn“ im Abseits !!! Deutlicher geht´s ja wohl kaum !!!

    Cervecero hasta morir !!!!!

  2. Que fotos Andrews!!!!! Muy buenas!

  3. mittwoch länderspiel gegen ecuador…gibt es eine vorschau???? wird doch sicherlich wieder eine b-elf präsentiert…..

  4. Hast recht mit der B-Elf, diese Spieler sind nominiert:
    Viatri, Lucas (Boca Juniors)
    Mouche, Pablo (Boca Juniors)
    Chávez, Christian (Boca Juniors)
    Monzón, Luciano (Boca Juniors)
    Yacob, Claudio (Racing Club)
    Pillud, Iván (Racing Club)
    Hauche, Gabriel (Racing Club)
    Carrizo, Juan Pablo (River Plate)
    Maidana Jonathan (River Plate)
    Marchesín, Agustín (Lanús)
    Valeri, Diego (Lanús)
    Rinaudo, Fabián (Gimnasia y Esgrima La Plata)
    Aued, Luciano (Gimnasia y Esgrima La Plata)
    Fernández, Federico (Estudiantes de La Plata)
    Pérez, Enzo (Estudiantes de La Plata)
    López, Lisandro (Arsenal F.C.)
    Quilez, Ismael (Colón de Santa Fe)
    Rojas, Ariel (Godoy Cruz Antonio Tomba)
    Sperdutti, Mauricio (Newell’s Old Boys)
    Velázquez, Julián (Independiente).

    Also fast dieselbe Mannschaft wie gegen Venezuela. Trotzdem sollte ein Sieg drin sein!

  5. danke für die nominierungsliste !!! also von mittwoch zu donnerstag um 00.oouhr mez. passt doch vorher schön barca vs. real und dann albicelste……

  6. albiceleste spielt morgen nacht 1.00 uhr mez.habe mich um 1 stunde vertan ist ja sommerzeit…..sorry

  7. Hey, was ist los? Schwächelt ihr? Seit 7. April keine neuen Beiträge?

  8. sehe ich genauso,vieleicht im urlaub…….

  9. Hast du eigentlich die Spiele der Sub17 bei der Copa America vor 2 oder 3 Wochen verfolgt?
    Sind ein paar interessante Spieler dabei, Brian Ferreira zuallererst, der errinnert mich an meinen Lieblingsspieler vergangener Zeiten, Jorge Luis Burruchaga. Aber auch Andrada und Ocampos von River Plate sind gut.

  10. habe alles verfolgt!!!sie haben gut angefangen,1.der gruppe,aber dann ein wenig nachgelassen,gegen brasilien dann die niederlage,das ist immer scheisse…sind in der abschlusstabelle glaube ich 3.geworden…naja die copa america der a-mannschaft ist wichtig,die muss unbedingt gewonnen werden,wie es auch batista richtig erkannt hat….letzter grosser titel 1993(copa)das geht natürlich garnicht und gerade wenn man den besten spieler überhaupt mit dabei hat …also da muss jetzt was kommen!!!

  11. Sehe ich absolut genauso, der Titel muß her, unbedingt!!!
    Aber ich denke Messi wird seine bisher besten Spiele für die Seleccion machen und auch die anderen werden sich für den Sieg zerreißen, so daß es diesmal klappen wird!
    Es kann gar nicht anders sein.
    Eviva Argentina!!!

  12. vamos argentina !!!

  13. jungs was ist los???? gehts nicht mehr weiter bei euch???

  14. He Kun,
    falls die Jungs hier nicht mehr weitermachen mit ihrer Seite würde ich mich trotzdem gern weiter mit dir über Argentina austauschen, soviele echte Fans gibts ja hierzulande nicht.
    Wenn du einverstanden bist gebe ich dir dann meine E-Mail-Adresse.
    Ich hoffe aber das die Seite weitergeführt wird, wär schade drum.

  15. bleib ganz ruhig,es geht bestimmt bald weiter !!! spätestens zur copa gehts hier wieder richtig rund…….wenn du auf facebook bist kannst du mich unter dem synonym „benny sarow“ finden,dort können wir auch quatschen……

  16. André (El Canalla)

    Genau, gönnt den Jungs auch mal eine Pause, denn vermutlich müssen einige von ihnen erst einmal die Dortmunder Meisterschaft verdauen.😉

    Übrigens, bekommt der River-Torwart jetzt eigentlich eine Siegprämie für den Boca-Sieg?! Die Kugel wäre ohne seine „Bruce Lee Einlage“ ja nie und nimmer ins Tor gegangen. Oh man, und sowas peinliches im Superclásico, da träumt der bestimmt die nächsten Wochen von. Ich habe ja schon viele Kuriositäten gesehen, aber sowas noch nie.

  17. schade ,leider nicht gesehen….die argentinischen keeper sind leider nicht die besten,das ist ja bekannt.an eine wende in dem bereich kann ich auch schon fast nicht mehr glauben,aber die hoffnung stirbt zuletzt.vieleicht kommt ja noch einer wie phönix aus der asche…….

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