Atlético Rafaela – die Creme de la Creme

Rafaela wer? Rafaela heißt nicht nur der neuste Telenovela-Schrei aus Venezuela, sondern auch der aktuelle Spitzenreiter in Argentiniens höchster Spielklasse. Von wegen Boca, Vélez oder Lanús! Der Aufsteiger Atlético Rafaela steht zur Verwunderung aller an der Tabellenspitze und zieht derzeit die neidischen Blicke der Konkurrenz auf sich. Argifutbol möchte die Überraschungsmannschaft der noch jungen Meisterschaft vorstellen und verneigt sich ehrfürchtig vor Offensivbomber Mario Regueiro.

Für einen echten Paukenschlag sorgte diese Woche der Uruguayer Mario Regueiro. Der Offensivallrounder in Diensten von Vizemeister Lanús nahm im Heimspiel gegen Estudiantes einen Eckball dermaßen perfekt aus der Luft , dass Estudiantes Schlussmann Albil eigentlich froh sein musste, bei diesem Kanonenschlag nicht im Weg gestanden zu sein. Regueiros Treffer bedeutete die Führung in einem hochklassigen Spiel, welches die Gastgeber letztlich ungefährdet mit 2-1 für sich entscheiden konnten. Auch Lanús zweiter Treffer war zum Zungenschnalzen Silvio Romero vollendete einen traumhaft vorgeführten Angriff, bei dem der finale Pass vom glänzend aufgelegten Mauro Camoranesi kam.

Rafaela – erste Sahne

Asociación Mutual Social y Deportiva Atlético de Rafaela oder kurz Atlético Rafaela – so heißt der aktuelle Tabellenführer der Primera Division. Doch woher kommt der Shootingstar der argentinischen Liga überhaupt? Selbst Experten des fútbol argentino kommen ins Grübeln, ein wenig Aufklärung scheint angebracht.

Die 100.000 Einwohner Stadt zählt nach Rosario und der Stadt Santa Fe zur drittgrößten Gemeinde der Provinz Santa Fe. Der Volksmund spricht von La Perla del Oeste – die Perle des Westens. Doch der größte Schatz der Stadt stellt die Milchproduktion dar. Rafaela liegt im Herzen der sogenannten Cuenca lechera, der Milchprovinz. Es existiert kein anderer Ort in Südamerika, an dem mehr Milch produziert wird. Diesem Umstand verdankt die Mannschaft ihren Spitzname: La Crema – die Creme. Und man pflegt zudem internationale Freundschaften, seit 1981 zählt das idyllische Sigmaringendorf im tiefen Baden-Württemberg als Partnerstadt. Doch zurück zum Fußball.

Rafaela erlebt momentan die erfolgreichste Zeit ihrer Vereinsgeschichte. Niemals zuvor stand La Crema an der Tabellenspitze, zu den größten sportlichen Erfolgen zählten die beiden Aufstiege in die erste Liga (2003 und 2011). In der abgelaufenen Spielzeit setzte sich La Crema frühzeitig ab und stieg souverän als Tabellenprimus direkt in die Primera auf. Aufstiegsgarant war ein gewisser César Carignano, der zugleich mit 21 Toren zum Torschützenkönig der Nacional B avancierte. Carignano ist in Europa kein Unbekannter. Unter Christian Gross absolvierte der Mittelstürmer in der Saison 2004/05 22 Spiele für Basel, in denen er es in Liga und UEFA-Cup insgesamt neunmal klingeln ließ. Der Aufschrei beim Aufsteiger war dementsprechend groß, als man seine Tormaschine gen Chile zu Universidad Católica ziehen lassen musste. Doch ein Nachfolger war schnell gefunden. Mit Darío Gandín holte man sich nicht nur gleichwertigen Ersatz ins Sturmzentrum, sondern zugleich feierte der Klub die Rückkehr eines ihrer Helden. Gandín, der nur Chipi genannt wird, gehörte zur legendären Aufstiegsmannschaft von 2002/03. Gleich beim Saisonauftakt in Banfield schnürte el Chipi nach nur zwölf Minuten einen Doppelpack, ein Vorsprung, den man trotz zweier Feldverweise über die Zeit bringen konnte.

Trotz des Dämpfers gegen Arsenal (1-3) am darauffolgenden Spieltag konnte der Aufsteiger die restlichen Spiele alle für sich entscheiden. Zwar wurden mit All Boys, Olimpo und Unión keine großen Namen geschlagen, doch zum einen zeichnet sich die argentinische Liga durch ein relativ ausgeglichenes Leistungsniveau aus, zum anderen wurde der Klassenerhalt als primäres Saisonziel ausgegeben. Was hilft dabei besser als Siege gegen die direkte Konkurrenz?!

Als großer Rückhalt des Teams tat sich bisher Torwart Guillermo Sara (23) hervor. Im Derby gegen Union de Santa Fe entschärfte der aus der eigenen Jugend stammende Sara mehrere gute Möglichkeiten und behielt auch im Elfmeter-Duell gegen Barrales die Oberhand.

Am morgigen Freitagabend empfängt La Crema die Rotschwarzen aus Rosario. Das mit nur 16.000 fassende Rund Nuevo Monumental wird angesichts der Erfolgswelle explodieren. Gelingt der nächste Coup, wird in Rafaela sicherlich das nächste Fass aufgemacht werden – Freibier, oder in diesem Falle: Freimilch für alle!

Die Tabelle der Primera Division nach fünf Spieltagen

Atl. Rafaela 9-5 12
Boca Juniors 7-1 11
Lanús 4-1 11
Racing 5-1 9
Tigre 5-4 8
Colón 4-4 8
Vélez Sarsfield 6-4 7
San Lorenzo 6-4 7
Godoy Cruz 5-7 7
San Martín (SJ) 4-3 6
Belgrano (CBA) 5-5 6
All Boys 4-4 6
Newell´s 4-4 6
Olimpo 4-6 5
Unión 3-6 5
Arsenal 5-6 4
Independiente 1-2 4
Argentinos 3-5 4
Estudiantes 3-7 2
Banfield 0-8 0

Nacional B – River lässt erstmals Punkte liegen

In der zweiten Liga führt Rekordmeister River Plate die Tabelle punktgleich mit Gimnasia de Jujuy und der Traditionsmannschaft Rosario Central an (jeweils 3Siege und ein Remis). Beim letzten Saisonspiel in Quilmes mussten sich die von Matías Almeyda betreuten Millonarios mit nur einem Punkt begnügen – Quilmes Fernando Telechea wurde bei einem Eckball in der Nachspielzeit sträflich freigelassen und köpfte zum verdienten Ausgleich ein. Die Cerveceros aus Quilmes – selbsterklärter Verfolger von River Plate – rangieren derzeit auf dem achten Rang.

Andreas Geipel

4 Antworten zu “Atlético Rafaela – die Creme de la Creme

  1. Bin zwar kein Anhänger Basels, doch kenne ich César Carignano noch sehr genau. Er wurde als grosses Talent gehandelt und man versprach sich sehr viel von ihm. Leider war er aber oft und vor allem lange verletzt. So gelang ihm der Durchbruch bei Basel nie. Basel setzt seit Jahren auf Argentinier. Julio Hernan Rossi und Cristian Jimmy Gimenez hatten auch starke Momente in Basel. Doch der ganze grosse Argentinier in Basel war sicherlich Matias Delgado. War damals bester Spieler in der Schweiz. Unheimlich stark! Und vor Kurzem musste der Argentinische Torhüter Franco Costanzo den FC Basel verlassen… Wie bereits erwähnt, mein Herz schlägt für den FC Zürich und wir hassen die Basler. Doch die genannten Spieler hätte ich auch sehr gerne bei uns spielen gesehen.

  2. Pingback: 1. Spieltag: San Lorenzo tief im Abstiegskampf | Fußball auf Argentinisch

  3. Pingback: Saisonvorschau Teil I: Die Provinz mit Abstiegssorgen | Argentinischer Fußball auf Deutsch

  4. Pingback: Heraus aus der Krise: Indep´te und River siegen | Argentinischer Fußball auf Deutsch

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s