17 Jahre Emotion

Der argentinische Sportsender TyC-Sport feiert sein 17-jähriges Bestehen und beschenkt die Fußballwelt mit einem Videoclip des wohl aufregendsten und emotionalsten Moment der letzten bescheidenen Jahre: Argentinien empfängt Peru im Monumental von River Plate, die direkte Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika steht auf dem Spiel und ein gewisser Martin Palermo lässt in der Nachspielzeit eine ganze Nation explodieren.

Gott und der heilige Palermo haben uns gerettet!  – Diego Maradona nach Spielschluss

Samstagabend in Buenos Aires. Die Albiceleste kämpft um die Teilnahme zur WM in Südafrika. Die Anspannung im fußballverrückten Argentinien ist förmlich spürbar, denn der zweifache Weltmeister muss unbedingt gewinnen, um die Fahrkarte nach Südafrika zu lösen.

Gegner Peru ist bereits als Tabellenschlusslicht ausgeschieden und reiste ohne große Namen in die argentinische Hauptstadt. Eine mehr als machbare Angelegenheit sollte man meinen. Doch Maradonas Schützlinge spielen eine unterirdische Qualifikation, absoluter Tiefpunkt stellt das sogenannte Massaker von La Paz dar. Im 3.600m hochgelegenen Stadion von La Paz setzte es beim Tabellenvorletzten Bolivien gar ein historisches 1-6 – die höchste Niederlage der Verbandsgeschichte. Die Fußballheiligen Maradona und Messi waren deklassiert, gedemütigt worden. Die sechs Gegentore kamen fast einer Gotteslästerung gleich!

Es folgten ein knappes 1-0 gegen Kolumbien und ein ernüchterndes 0-2 in Ecuador. Gegen den ewigen Rivalen Brasilien wollte man sich schließlich wieder zurückmelden. In Messis Heimatstätte Rosario wurde der Albiceleste aber schnell ihre Grenzen aufgezeigt und die Seleção entschied das prestigeträchtige Duell mühelos mit 3-1 zu ihren Gunsten. Nur vier Tage später setzte sich die Negativserie fort – Paraguays Nelson Valdez besiegelte Argentiniens nächste Pleite mit einem satten Linksschuss. Spätestens jetzt war Maradonas Ruf irreparabel geschädigt und die heimlich gehegten Titelträume vom nächsten Weltmeistertitel fielen genauso in sich zusammen wie so oft Argentiniens Hintermannschaft während der 90 Spielminuten auf dem Platz . Sogar die WM-Teilnahme war plötzlich nicht mehr sicher. Sollte der Weltmeister von 1986 mitsamt des Weltfußballers Messi als sein würdiger Nachfolger etwa erst gar nicht nach Südafrika fahren dürfen? Drei Punkten mussten her, egal wie!

An jenem Samstagabend im Oktober ging es also um mehr als nur um die WM-Endrundenteilnahme. Es stand die Ehre – oder was davon übrig war – des größten Volkshelden der Nation auf dem Spiel. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn der verrückte Tor-Optimist nicht plötzlich doch noch goldrichtig gestanden hätte und somit die Fußballehre dieser so stolzen Nation rettete. Doch alles der Reihe nach.

Im ersten Spielabschnitt schnürten die Argentinier die Gäste in ihre Hälfte ein und kombinierten gefällig. Trotz zahlreicher guter Einschussmöglichkeiten (Perez, Higuain, Messi) blieb es vorerst beim torlosen Unentschieden. Die zweite Hälfte begann furios. Die Gäste aus Peru trauten sich erstmals vors Tor von Romero und Juan Vargas trommelte eine Hereingabe volley aus etwa 20 Meter an die Latte. Im Gegenzug lief Länderspieldebütant Higuain clever in die Schnittstelle der Abwehr und Altmeister Pablo Aimar zauberte einen Zuckerpass vorbei an fünf Verteidiger in den Lauf des Madrilenen, der trocken zur Führung vollendete – ein tolles Zusammenspiel der beiden ehemaligen River Plate Spieler. Der knappe Vorsprung sorgte zwar einerseits für Erleichterung bei allen Beteiligten, andererseits ließ es die Albiceleste nun etwas gemächlicher angehen und Peru kam in der Folge zu drei hundertprozentigen Torchancen. Eine Viertelstunde vor Spielende setzten dann heftigste Regenfälle ein, was das Offensivspiel auf beiden Seiten fast unmöglich machte. Kaum noch eine Aktion glückte, der knappe Vorsprung schien eingetütet und ganz Argentinien sehnte nur noch dem Spielende entgegen. Ein Blick auf die Uhr, die letzten Sekunden der offiziellen Spielzeit ticken herunter, doch was passiert da auf dem Platz: Die Sicht auf das Spielgeschehen war zwar durch den dicken Regen mehr als beeinträchtigt, doch dass Mittelstürmer Hernan Rengifo am Fünfer komplett blank stand, haben wohl auch die Zuschauer auf den billigsten Plätzen gesehen. Flanke, Kopfball – Tor! Der Ausgleich in der 90. Spielminute sorgte für blankes Entsetzen im ausverkauften Monumental. Ausgerechnet Maradonas Musterschüler und Kapitän Javier Mascherano („Masche y diez mas“) muss sich dieses Gegentor ankreiden lassen, da er den Ball kurz zuvor neben dem eigenem Gehäuse auf stümperhafte Art und Weise seinem Gegenspieler mit der Hacke in die Füße spielte, anstatt die Kugel einfach bis ins benachbarte Tigre zu kloppen.

Argentinien schmiss nun alles nach vorne und drängte mit aller Macht auf die erneute Führung. Bei einem Eckstoß in der dritten Minute der Nachspielzeit befanden sich schließlich alle Akteure bis auf Schlussmann Romero im Sechzehner von Peru. Zwar brachte der Eckball vorerst nichts ein, doch die Albiceleste blieb weiterhin im Ballbesitz und irgendwie bahnte der Ball seinen Weg zu Martín Palermo, der am zweiten Pfosten lauernd aus kurzer Distanz nur noch den Fuß hinhalten muss –  Gooooooooooooooollll!

Der Tor-Optmist, der Titan, die Boca Legende, el Loco Palermo verhindert den Super-Gau macht sich bei allen Argentiniern mit seinem Last-Minute Tor zur WM-Teilnahme unsterblich. Im Wohnzimmer von Rekordmeister River Plate feiert der Rekordtorschütze des großen Rivalen Boca Juniors sein wohl größtes Erfolgserlebnis. Der Rest ist einfach nur Wahnsinn. Diego Maradona ist nun nicht mehr zu halten und macht den Diver auf dem Spielfeld. Aber das Spiel ist noch nicht aus: Anstoß Peru, Schuss vom Mittelkreis, der Ball senkt sich über Romero hinweg und landet letztlich auf der Oberkante der Latte, Riesenglück für Argentinien! Danach ist jedoch endgültig Schluss und der ganze argentinische Tross fällt sich euphorisch in die Arme. Argentinien duselt sich dank Martin Palermo zur Weltmeisterschaft nach Südafrika – Geschichten, wie sie nur der Fußball schreibt.

Das Spiel in der Zusammenfassung (sky sport):

 

Martin Palermo – seine Kariere in Zahlen:

Geboren am 07. November 1973 in La Plata

Debüt: 1992 Estudiantes de La Plata

Spiele und Tore:

1992 – 1997 Estudiantes       93 Spiele, 34 Tore

1997 – 2000 Boca                  102 Spiele, 81 Tore

2001 – 2003 Villareal              70 Spiele, 18 Tore

2003 – 2004  Betis                         11 Spiele, 1 Tor

2004 Alavés                                   14 Spiele, 3 Tore

2004 – 2011 Boca                 216 Spiele, 113 Tore

insgesamt:                          506 Spiele und 249 Tore

Nationalmannschaft:

1999 – 2010                                     15 Spiele, 9 Tore

Titel und Erfolge:

6x argentinischer Meister (1998, 1999, 2000, 2005, 2006, 2008)

2x Copa Libertadores (2000, 2007)

2x Copa Sudamericana (2004, 2005)

2x Supercup Sudamerica (2006, 2008)

1x Intercontinental Cup (2000)

2x Torschützenkönig in Argentinien (1998, 2007)

1x Fußballer des Jahres Südamerika (1998)

Wer noch mehr über den charismatischen Torjäger erfahren will, lege ich folgenden Artikel ans Herz:

https://argifutbol.wordpress.com/2009/10/08/der-verruckte-tor-optimist-und-ein-dutzend-anekdoten/

Andreas Geipel

6 Antworten zu “17 Jahre Emotion

  1. meine fresse,was für eine schlacht,ich erinnere mich noch genau,das scheiss wetter und dann die erlösung…das sind schon momente……
    aber das happy end gab es wie wir alle wissen leider nicht..vieleicht 2014 wenn keiner mit uns rechnet????

  2. yehhhhhhhhhh el loco du bist der grösste ………in recoleta habe ich in ne cevezeria das spiel mit freunden gesehen ………..und nach PARTYYYYYYYYYYY

  3. habe die letzten 30min. gegen brazil gesehen….schade das ich nicht früher aufgestanden bin….es war wirklich gut,beide haben auf sieg gespielt und man hat wieder gesehen zwischen diesen beiden mannschaften gibt es keine freundschaftsspiele…schade ergebniss nur 0:0…

  4. 0:0 gegen brasil, mit 1:1 war ich am nächsten dran 🙂 ,
    Unter Sabella scheint die Verteidigung etwas besser zu stehen, hab die Spiele gegen Venezuela und Nigeria aber nicht gesehen, war im Urlaub. Kann jemand etwas dazu sagen, auch zu der Aufgabenverteilung in Mittelfeld und Angriff.
    Das Rückspiel gegen Brasil steigt am 28.9. , weiß jemand wie da der Modus ist, (Verlängerung, Elfer-Schießen??)

  5. @jens:kompliment war’st am nächsten dran !!! da nur neulinge gespielt haben(man kennt natürlich fast alle)habe ich schon gedacht das ein paar tore fallen…also sabella scheint die jungs wirklich gut einzustellen,denn hinten haben sie wirklich stabil gespielt,obwohl brasilien ganz schön druck gemacht hat mit ronaldinho und neimar und und und….aber argentinien hat auch immer versucht schnell nach vorne zu spielen in den 30 minuten die ich gesehen habe…ich weiss jetzt nicht wie kommst du auf verlängerung und elferschiessen,das sind doch ganz normale freundschaftsspiele….und das spiel gegen nigeria habe ich gesehen,albiceleste hatte alles unter kontrolle,hat dann aber leider nach dem 2:0 den gang rausgenommen,dadurch kam nig. noch mal ran aber higuain hat dann zum schluss den sack zugemacht…messi wieder gut gespielt aber wie üblich für arg. nicht getroffen…2mal higuain und 1mal di maria….krass war das ernesto sossa (ex bayern) durchgespielt hat und demichelis die träne auch(über seinen gegenspieler ist auch das gegentor gefallen) ich hatte eigentlich gedacht das das thema (demichelis )gegessen ist aber anscheinend nicht…und sossa war auch lahm und hatte viele fehlpässe der hat in der a-mannschaft eigentlich auch nichts verloren !!!! freu mich auf das rückspiel werde ich auf jeden fall sehen vieleicht schaffen sie eine überraschung inbrasilien mit nem knappen sieg…


  6. hier das beste vom länderspiel arg. vs. brazil

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