Historischer Sieg – Vinotinto schlägt schwache Albiceleste

Im zweiten Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 2014 setzte es für die Albiceleste gegen den krassen Außenseiter Venezuela eine unerwartete 0-1 Auswärtspleite. Während in Argentinien die Zweifel an der neuen Albiceleste um Hoffnungsträger Alejandro Sabella erneut entfacht, kennt der Jubel beim Fußballzwerg Venezuela keine Grenzen: „Der beste Jahrgang unseres Rotweins“, Das ist kein Traum!“ oder einfach nur: „Historico“. Und zwar so sehr, dass selbst Staatschef Hugo Chavez die Möglichkeiten der Social Media zur ausgiebigen Gefühlsäußerung nutzt.

Chavez jubelt via twitter: Wir haben gegen Argentinien gewonnen! Bravo Venezuela! Es lebe Venezuela! Es lebe unser Vaterland!

Venezuela schlägt Argentinien – das gab es noch nie!

Ganze neunzehn Anläufe brauchte es, um Venezuela diesen unvergesslichen Sieg über Angstgegner Argentinien zu bescheren. Und es war verdient. Argentinien spielte ganz schwach und überließ den Hausherren mit laufender Spieldauer immer mehr die Spielkontrolle. Spätestens zur zweiten Hälfte war den 30.000 Zuschauern im Anzoátegui-Stadion von Puerto La Cruz klar, dass die Gauchos heute fällig sein würden. Einzig der glänzend aufgelegte Schlussmann Mariano Andújar stemmte sich gegen die drohende Niederlage. Doch nach einer Ecke vom alles überragenden M´gladbacher Juan Arango setzte sich Fernando Amorebieta (Athletic Bilbao) gegen seinen Schatten Rojo durch und köpfte artistisch zum Sieg ein. Ein Aufbäumen der Albiceleste blieb in den verbleibenden 30 Minuten aus und somit konnte el Vinotinto die Partie letztlich locker nach Hause schaukeln – überschwänglicher Jubel auf der einen, kollektives Kopfschütteln auf der anderen Seite.

Dass Argentinien aufgrund ihrer notorisch wackligen Defensive stets für ein Gegentor gut ist, dürfte selbst den Laien nicht mehr überraschen. Vielmehr überrascht, dass die so überragend besetzte Angriffsmaschinerie um Weltfußballer Messi in aller Regelmäßigkeit ins Stottern gerät. Nach dem starken Auftakt gegen Chile (4:1) und einem Messi-Tor nach 16 torlosen Spielen für die Albiceleste, durfte man durchaus auf Bestätigung der gezeigten Leistungen hoffen. Doch der Euphorie folgte wieder einmal die Ernüchterung. Bei der gestrigen Auswärtsniederlage offenbarte die Albiceleste wieder ihre altbekannten Schwächen und präsentierte sich als blutleere Anhäufung von Individualisten, weit davon entfernt als Mannschaft zu funktionieren. Im Land des zweifachen Weltmeisters glaubte man, dass diese lästigen Fehler unter der Regie des hochgeschätzten Alejandro Sabella der Vergangenheit angehören würden.

Messi abgemeldet

Um der Defensive mehr Stabilität zu verleihen, setzte Sabella gegen Venezuela auf sein bewährtes 3-5-2, jedoch wackelte die Dreiherkette um Micho Demichelis bei fast jeder Offensivbemühung der Hausherren. Diesen Umstand nur auf die fehlende Klasse der Verteidiger zu schieben, greift indes zu kurz. Mittelfeldstabilisator Mascherano (wenn auch leicht angeschlagen) bewies erneut, dass er derzeit den Ansprüchen eines Führungsspielers keineswegs gerecht wird und auch die Außenläufer Rojo und Zabaleta enttäuschten auf ganzer Linie. Und Vorne? Die Stürmerstars Messi und Higuain (beim Auftakt noch dreifacher Torschütze) waren komplett abgemeldet, auch weil sie von Di Maria und Sosa noch nicht einmal ansatzweise unterstützt wurden. Torchancen blieben daher absolute Mangelware, das ganze Spielsystem der Albiceleste lahmte, sodass man sich fragen muss, ob die Stars die nötige Einstellung gegen die hochmotivierten Vinotintos bei schwierigen äußeren Bedingungen (drückende 30 Grad) mitbrachten.

Sabella – was nun?

Nun bleibt abzuwarten, welche Schlüsse Trainerfuchs Sabella aus der Niederlage ziehen wird. Man kann nur hoffen, dass gegen Bolivien zumindest personell einige Änderungen vorgenommen werden. Der gegen Venezuela nur für sechs Minuten eingesetzte Javier Pastore wartet immer noch auf seine Chance als Kreativpartner für Messi zu glänzen. Und aus welchen Gründen – sei es alleinig, um die chronische Kopfballschwäche zu beheben – der in der argentinischen Liga so überragende Verteidiger Licha Lopez noch immer nicht in der Seleccion auflaufen darf, kann man angesichts der eklatanten Abwehrschwächen gar nicht mehr nachvollziehen.

Argentiniens liebster Spross, die Albiceleste, bereitet derzeit nur Kopfschmerzen. Der nächste Akt sollte wie ein Einser laufen: Am 11.11.11 empfängt man die Grünen, La Verde, aus Bolivien. Alles andere als ein klarer Sieg wäre der nächste Tiefschlag und käme einer erneuten Sensation gleich. Ob Evo Morales wohl auch schon bei Twitter ist?

Andreas Geipel

25 Antworten zu “Historischer Sieg – Vinotinto schlägt schwache Albiceleste

  1. dem bericht ist nichts hinzuzufügen !!! glänzende analyse…..

  2. Guter Beitrag! Was mich jedoch stört ist das Wort „Trainerfuchs“. Das sollte wohl eher lauten Trainermarionette. Wenn man zu Blind ist und nicht sieht das keine Pässe zu den Vorderleuten ankommen, ständig mit blöden Fehlern (Rojo) die Bälle verliert und dann erst 8 Minuten vor Schluss Pastore einwechselt, ist das schon sehr fraglich ob man Sabella noch einen Trainerfuchs nennen kann. Die Abwehr sollte komplett ausgewechselt werden , wie schon im Beitrag erwähnt gibt es bessere Verteidiger als diese die auflaufen. Es kann doch nicht sein das man bei jeder Flanke, Freistoss oder Ecke sich als Zuschauer in die Hosen macht, wenn der Ball hoch in den Strafraum gespielt wird. Die sollten mal ein paar einen Trainer aus der NBA einfliegen lassen um mal ein bisschen Sprung und Timing Übungen zu trainieren. Wirklich traurig was Korruption und Geldgier (AFA) aus dem einst guten Argentinischen Fussball gemacht hat.
    Grondona HDMP renunciaaaa ya!

    Gruss Axel

  3. AXEL….Wirklich traurig was Korruption und Geldgier (AFA) aus dem einst guten Argentinischen Fussball gemacht hat.
    Grondona HDMP renunciaaaa ya! ….dieser satz sagt alles aus……..es geht nur um geld um mehr nicht ………

  4. pastore kam erst 5 minuten vor schluß…..

  5. die menschen hier intressiert zur zeit nicht so der fussball argentinien hat mal wieder eine krise in allen………..wenn ich sehe oder höre was in chile oder brazil los ist wirtschaft und und wird mir schlecht hier …….http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10088664/Argentinien-auf-dem-Weg-in-die-Kirchner-Diktatur.html………kirchner brachte denn fussball in freeTV………VIVO,TV PUBLIC,CANAL 26…..im ausland sagen sie ahhhhhhh gut nicht wie in anderen ländern aber man sollte mal fragne nach denn preis ist da geld nicht besser für die leute auf denn strassen angelegt?argentina hat das grosse problem nachwuchsarbeit …ich sehe schon seit jahre es kommt nichts mehrrrrrr….und nun sieht man das an die ergebnisse auch im jugendbereich.politik ist politik und fussball ist fussball……..da werden river hools bezahlt und bekommen flugtickets für die wm in deutschland …..von kirchner ……..na hallo sag ich …und da gebe ich AXEL in allen recht …………….Korruption und Geldgier macht denn fussball hier kapppuuuttttt

  6. @frank: Danke für den interessanten Link! Ich poste ihn hier nochmal, da ich ihn nicht öffnen konnte…saludos!!!

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10088664/Argentinien-auf-dem-Weg-in-die-Kirchner-Diktatur.html

  7. @ Frank „kirchner brachte denn fussball in freeTV………VIVO,TV PUBLIC,CANAL 26…..im ausland sagen sie ahhhhhhh gut nicht wie in anderen ländern“ Da sag ich nur „Brot und Spiele“.

    Gruss
    Axel

  8. @ Frank das passt hier ganz gut zu deinem comment:

    „Sra Presidenta, la próxima vez que interrumpa nuestra programación habitual para … hablar de pobreza, desnutrición, mortalidad infantil, los sin techo… Por favor, tenga la amabilidad de quitarse el ROLEX „Lady Datejust“ con diamantes valuado en U$$ 42.000 dólares.“

    Gruss
    Axel

  9. @Frank Das hier passt gut zu deiner Aussage:

    „Sra Presidenta, la próxima vez que interrumpa nuestra programación habitual para … hablar de pobreza, desnutrición, mortalidad infantil, los sin techo… Por favor, tenga la amabilidad de quitarse el ROLEX „Lady Datejust“ con diamantes valuado en U$$ 42.000 dólares.“

    Gruss
    Axel

  10. jaaaaaaaaaaaa genau axel………….so ist das ebend hier ………..

  11. interessanter artikel !!!http://www.argentina-online.de/anbei ein link von einer seite die ab und zu besuche…leider ist sie nicht immer topaktuell aber viel interessantes rund um argentinien….die zerissenheit macht das land ja gerade interessant…himmelhoch jauchzend zu todebetrübte und immer eine gehörige portion seelenschmerz das beschreibt es am besten…eben tango…nicht samba !!!

  12. http://www.argentina-online.de/
    hier nochmal der link zur argentinien seite…..

  13. Instituto AC Córdoba-CA River Plate …topspiel in nacional b sonntag …….
    Tip…………..1:1

  14. nuevo estadion en argentina……………neue stadions in argentinien…
    oder besser manche sind manche werden und manche werden nicht gebaut .schaut selbst
    http://www.taringa.net/posts/info/1640226/Futuros-estadios—Argentina.html

  15. „Auch den beiden großen Zeitungen des Landes, „Clarín“ und „La Nación“, hat das Ehepaar den Krieg erklärt:“

    @Frank
    Interessanter Artikel, Frank.
    Und daß Cristina gelegentlich mit Eva Perón verglichen wird mag man verstehen wenn man den Peronismus einmal genauer unter die Lupe nimmt.🙂 Denn auch die Peróns hatten sich seinerzeit mit den kritischen Zeitungen angelegt, was damals darin mündete, daß gleichschaltungsunwilligen Verlagen auf mysteriöse Arte und Weise (per Dekret wurde die staatliche Papierausteilung kontrolliert) plötzlich der Papiernachschub (Die Auflage der regierungskritischen LA PRENSA schrumpfte auf die Hälfte, was das Aus und die Enteignung durch die Regierung bedeutete) ausging oder entweder von der Regierung aufgekauft oder verboten wurden; zudem mußten sich die verschiedenen Radiosender jeglicher Kritik enthalten, was die absolute Gewalt über die Medien komplettierte.

    Dennoch würde ich nicht so weit gehen und die Beschneidung der Pressefreiheit als ein Merkmal einer rechtlosen Diktatur bezeichnen (was der Peronismus de jure & de facto nicht war; Perón wurde am 24. Februar 1946 mit 56 % der Stimmen gewählt, die Peronisten kontrollierten damals 70 % der Abgeordnetenmandate, 28 von 30 Sitzen im Senat und bis auf Corrientes alle Provinzregierungen), da auch in sogenannten Demokratien immer wieder versucht wird Einfluß und Druck auf die Medien auszuüben.
    Außerdem sollte man bei Diktaturen schon differenzieren und nicht alles in einen Topf schmeißen. Während der Stalinismus, Nationalsozialismus und der die Kulturevolution Maos Millionen von Menschenleben ausgelöscht haben, wurden im peronistischen Argentinien (der Krieg in Europa hatte die „Kornkammer“ Argentinien reich gemacht) unter Federführung von Eva Perón 1000 Schulen, Schulwohnheime, Studentendörfer, hochmoderne Krankenhäuser sowie Kinder- und Polikliniken errichtet (um nur ein paar Errungenschaften der E.P. Fundación zu nennen), alles völlig gratis. Zudem gewährte Evita in ihrem Büro im Ministerium Privataudienzen, wo jeder Bittsteller einzeln vorsprechen und seine Nöte und Wünsche äußern durfte, und um fast alles -um ihre Descamisados- kümmerte sich Evita persönlich.

    Ich weiß nicht, aber so eine Volksnähe und persönlichen Einsatz würde ich mir von „meiner“ Kanzlerin auch wünschen, aber Madame speist natürlich lieber mit Herrn Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank…

    Und in Deutschland sollte man schon mal gar nicht mit dem Finger auf andere Länder zeigen, denn unser schönes Deutschland –bekanntlich der Urquell von Demokratie und Menschenrechten- liegt laut „Reporter ohne Grenzen“ nur auf Rang 17 der weltweiten Pressefreiheit. Und daß nicht unsere demokratisch gewählten Politiker das Sagen haben, sondern Banken und Stromkonzerne die Fäden ziehen um ihre Interessen zu schützen, ist doch sowieso ein offenes Geheimnis. Macht hat der, der das Geld hat.
    http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/die-neue-rangliste-2010.html

  16. axel das ist ein sau guter link…..ich sag ja auch nicht du bist hier nicht frei,..du hast sogar mehr freiheiten in argentinien tagtäglich…so kleine dinger wo du denkst in deutschland mannn muss das sein …………
    ich meinte ja auch nur POLITIK IST POLITIK und FUSSBALL IST FUSSBALL…………….y finnnnnnnn jajjaaaaa

  17. http://www.11freunde.de/international/144805
    ein super artikel über den abschied von VERON…..

  18. @Frank
    Hier ist noch einmal die „Boca por todos“-Bewegung von der Boca-Fans, die vom Club fordern, daß jeder Fan die Chance haben soll Boca zu sehen und daß die Tickets nicht nur ausschließlich an Mitglieder und Touris verteilt werden. Finde ich gut, denn wie soll man als Verein denn Nachwuchsfans gewinnen, wenn Kinder ihren Verein nie live erleben. Die wandern doch alle zu den Clubs ab, wo sie vielleicht mal von Eltern oder Freunden mit hingenommen werden, und nach dem Erlebnis Stadionbesuch werden sie wahrscheinlich Fan von dem Club, den sie als Erstes live erlebt haben.

    http://www.planetabocajuniors.com.ar/boca-para-todos/2011/10/

    http://www.planetabocajuniors.com.ar/la-marcha-va-logrando-su-objetivo/2011/09/

  19. man, die ganzen Flüchtigkeits-Fehler entdecke ich immer erst wenn ich schon gepostet habe…

  20. Wahnsinn, 60.000 Zuschauer in der Primera B beim Spiel Instituto Cordoba gegen River Plate; darunter über 26.000 Fans der Millonarios. Echt beeindruckend.

  21. si beeindruckend aber ein schlechtes spiel……………jajajjaaaaaaaaaa

  22. Und alles ohne Randale. Vielleicht werden ja in Zukunft auch wieder mehr Auswärtsfans bei den Erstligaspielen zugelassen, denn die kastrierten Fanblöcke mit den meterweiten „Sicherheitslücken“ stören doch irgendwie erheblich das Stadionfeeling.

  23. Anonymous ….ja das stört schon aber ist hier sinnvoll……wichtig wäre neue modernere stadion mit sicherheitskonzept…………..

  24. so beschissen wie hier in deutschland oder was wo keiner mehr pyro abbrennen darf oder sich sonstwie unauffällig bewegen muß???? seit froh das ihr in argentina noch normal fußball sehen könnt ohne gleich einen sicherheitsbeauftragten an der ferse zu haben….ihr könnt euch da noch einiges erlauben und es ist nicht so clean und gleichgeschaltet wie in europa !!!

  25. @Frank
    Ich war übrigens der Anonymus, hab vergessen meinen Namen einzutragen🙂.
    Aber früher war es schon eindrucksvoller, wenn beim Superclásico das jeweilige Stadion zu ¼ mit Gästefans gefüllt war. Im Bombonera standen ja der Oberrang und der Mittelrang den Gästefans zur Verfügung; und im Monumental war die ganze Centenario-Tribüne für die Gäste reserviert. Und das mit der Gewalt ist ein Problem der Gesellschaft allgemein, nicht der Fußballfans. Mit meterhohen Zäunen läßt sich dieses Problem meines Erachtens auch nicht lösen. Und wie ich schon sagte, in Cordoba waren 60.000 Zuschauer, davon die Häfte Fans von River Plate und alles war friedlich. Viele Fans bedeutet also nicht zwangsläufig gleich Ausschreitungen und Gewalt.

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