Universidad de Chile gewinnt die Copa Sudamericana

Ausnahmezustand in Santiago de Chile! Erstmals in ihrer 84-jährigen Klubgeschichte gewinnt Universidad de Chile – kurz La U genannt – einen internationalen Titel. Im heimischen Estadio Nacional de Chile feierten 50.000 frenetisch diesen historischen Erfolg. Hauptprotagonist des Abends war Youngster Eduardo Vargas (22), der mit zwei Treffern und einer Vorlage den Finalgegner Liga de Quito im Alleingang erledigte.

Turbo Man Vargas setzt La U die Krone auf 

Der chilenische Fußball hat einen neuen Superstar: Eduardo Jésus Vargas bestimmte die Copa Sudamericana wie kein anderer. In zwölf Spielen erzielte der vielseitige Stürmer ganze elf Tore und legte drei weitere auf. Bei insgesamt 21 erzielten Treffern war Vargas somit an 2/3 aller Tore direkt beteiligt. Schon im Finalhinspiel beim 1-0 Auswärtssieg in Quito erzielte der Turbo Man das Tor des Tages. In der gestrigen Nacht stellte Vargas die Weichen früh auf Sieg – nach seinem Führungstreffer in der dritten Spielminute zog La U ihr gewohnt kombinations- und ballsicheres Spiel auf und ließ dem Gegner keinerlei Entfaltungsmöglichkeiten. Der Argentinier Gustavo Lorenzetti staubte zum 2-0 ab (79.), ehe Vargas kurz vor Ende der Partie mit einem herrlichen Sololauf den 3-0 Endstand markierte und ganz Santiago de Chile zum Festrausch aufforderte.

Europa lockt den neuen Marcelo Salas

Mit seinen elf Toren in der Copa Sudamericana schoss Edu Vargas nicht nur seinen Klub zum lang ersehnten Titel, sondern stellte auch den Klubrekord für die meisten international erzielten Tore in einer Saison von Marcelo Salas ein. Marcelo Salas gilt als die Symbolfigur von La U. Mit 18 Jahren debütierte Salas für die Blauen und keehrte als Superstar nach neun Wanderjahren (River Plate, Lazio Rom und Juventus Turin) zu seinem Klub zurück und beendete dort auch seine Karriere. In 182 Spielen gelangen El Matador 109 Tore. Mit Edu Vargas spielt sich nun wieder ein Stürmer von La U ganz oben auf die Wunschzettel der großen Klubs aus Europa. Vor allem Inter Mailand, aber auch der VFL Wolfsburg haben bereits großes Interesse an seiner Verpflichtung bekundet. Vargas Transferwert wird auf 15 Millionen Euro beziffert, nach seinem gestrigen Auftritt könnte diese Summe aber noch etwas in die Höhe schnellen, v.a. wenn die Konkurrenz sich gegenseitig hochpokert. Von einem schnellen Wechsel im Winter ist jedoch nicht auszugehen. Vargas vorheriger Klub, Deportes Cobreloa, hält 35% der Transferrechte und beide Seiten haben sich darauf geeinigt, dass Vargas erst im kommenden Sommer 2012 wechseln soll.

Jorge Sampaoli der Vater des Erfolgs

Die Geschichte vom argentinischen Trainer Jorge Sampaoli und Universidad de Chile schreibt das nächste Erfolgskapitel. Sampaoli, dessen großes Vorbild Trainerlegende Marcelo Bielsa ist, weswegen er auch mit einem Augenzwinkern als Bielsa de los pobres – „der Bielsa für Arme“ bezeichnet wird, heuerte 2011 in Santiago bei La U an. Prompt gewannen die Blauen die chilenische Meisterschaft, ihren vierzehnten Ligatitel überhaupt. Einzig auf der internationaler Bühne wollte es mit dem großen Wurf nicht klappen, bis gestern. Mit dem Gewinn der diesjährigen Copa Sudamericana triumphierten die Blauen erstmals im insgesamt 22. Anlauf auf internationaler Bühne. Und es besteht kein Zweifel daran, dass La U neben dem aktuellen Teilnehmer der Klub-Weltmeisterschaft FC Santos die derzeit stärkste Mannschaft in Südamerika stellt. Auf ihrem Triumphzug räumte La U Schwergewichte wie Brasiliens renomiertesten Klub Flamengo (1-0 und ein spektakulärer 4-0 Auswärtssieg gegen Ronaldinho&Co), den amtierenden brasilianischen Pokalsieger CR Vasco da Gama (2-0, 1-1) sowie Nacional aus Montevideo (1-0, 2-0). Im Finale setzte man sich genauso souverän gegen das leicht favorisierte LDU Quito (Libertadores Sieger 2008, Sudamericana Sieger 2009, Recopa Sieger 2009, 2010) durch. La U marschierte auf imposante Weise zum Titelgewinn, in den insgesamt zwölf Spielen der K.O.-Runde konnte La U zehnmal gewinnen, spielte zweimal remis und blieb folglich ohne Niederlage. Ein zusätzlicher Blick auf das Torverhältnis von 21-2 untermauert noch einmal die großartige Leistung der Blauen bei dieser Copa Sudamericana.

Mit dem Titelgewinn der Sudamericana geht der Pokal erst zum fünften Mal an eine chilenische Mannschaft. La U steigt somit in die Sphären ihrer großen Rivalen Colo Colo (zweimal in 1991, 1992) und Universidad Católica (1994) auf und löst Independiente de Avellaneda als amtierender Titelträger ab.

Andreas Geipel

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2 Antworten zu “Universidad de Chile gewinnt die Copa Sudamericana

  1. „Mit dem Titelgewinn der Sudamericana geht der Pokal erst zum fünften Mal an eine chilenische Mannschaft. La U steigt somit in die Sphären ihrer großen Rivalen Colo Colo (zweimal in 1991, 1992) und Universidad Católica (1994) auf und löst Independiente de Avellaneda als amtierender Titelträger ab.“

    Colo Colo (1992) und Universidad Católica (1994) haben doch damals „nur“ die Copa Interamericana gewonnen, die ein Duell zwischen CONCACAF-CL-Sieger und Copa Libertadores-Sieger (oder im Fall der Catolica Finalist) war und keinen großen Stellenwert hatte. Das Pendant zur Sudamericana waren doch Copa Mercosur, Copa Merconorte und Copa Conmebol. Der einzig große internationale Titel, den ein chilenischer Klub geholt hat, war bis jetzt der Libertadores-Gewinn Colo Colos 1991. Mit dem Sieg gestern hat die U also gleichgezogen, auch wenn es in Chile eine strittige Debatte gibt, ob Sudamericana und Libertadores gleichwertig zu betrachten sind.

  2. Pingback: Vélez, Lanús und Boca im Achtelfinale der Libertadores | Fußball auf Argentinisch

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