4 Gewinnt? – Alfio Basile neuer Trainer der Academia

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk bekommen dieses Jahr die Fans der Academia. Alfio Basile wird der neue Trainer bei Racing Club de Avellaneda und tritt somit die Nachfolge vom abgewanderten Diego Simeone (Atletico Madrid) an. Basile wird im blauen Teil von Avellaneda verehrt, gar vergöttert! Natürlich nicht ohne Grund – kaum einer steht für mehr Gloria bei Racing als eben jener „Coco“ Basile. 

El Coco Basile kehrt zu seinem Racing Club zurück! Diese Nachricht versetzt den Vorort von Buenos Aires in rauschende Festtagsstimmung. Basile und Racing, ein Wiedersehen ganz enger Weggefährten. Als Aktiver bestritt Basile von 1964 bis 1970 186 Spiele (19 Tore) für Racing. Vom Mittelfeldspieler zum Innenverteidiger umgeschult, formte er zusammen mit Roberto Perfumo, dem Marschall, ein unüberwindbares und über Argentiniens Grenzen hinweg gefürchtetes Abwehr-Duo. Mit der legendären Meistersaison von 1966, der übrigens vorletzte Meistertitel der Klubgeschichte, stellte die Academia zudem zwei beeindruckende Rekorde auf: Racings Meisterelf summierte ganze 61 Punkte – damals galt noch die Zwei- Punkte-Regel – und blieb in den 39 Spielen unbesiegt! Zwei bis heute unerreichte Bestmarken. In der darauffolgenden Spielzeit setzte man seinen Siegeszug auf internationaler Bühne fort und gewann erst die Copa Libertadores, das Pendant zur europäischen Champions League, und anschließend den Weltpokal gegen Celtic Glasgow. In den Folgejahren wurde es aber immer ruhiger um die Academia, während der verhasste Nachbar Independiente seine goldene Ära feierte und einen Titel nach dem nächsten abräumte.

1983 musste man gar den Abstieg in die zweite Liga antreten, der bittere Tiefpunkt der Traditionsmannschaft. Zwei Jahre später gelang der Wiederaufstieg mit einem Altbekannten an der Seitenlinie, Alfio Basile. Unter Basiles Regie kehrte Racing wieder in die Erfolgsspur zurück und holte nach gut 20 titellosen Jahren endlich wieder einen Pokal in den Zylinder von Avellaneda, die Supercopa Sudamericana sowie die Supercopa Interamericana (beide Titel in 1988).

Anfang der 90er übernahm Basile das Traineramt der Albiceleste und führte Argentinien 1991 und 1993 zum Gewinn der Copa América. Darüber hinaus stellte die Albiceleste mit einer Serie von 33 ungeschlagenen Spielen einen noch heute gültigen Rekord auf. Als Mitfavorit für den WM-Titel 1994 in den USA gestartet, überschattete der Turnierausschluss von Starspieler Diego Maradona („Sie haben mir die Beine abgeschnitten“) die bis dato guten Leistungen der Albiceleste und schließlich musste man sich ohne ihren Ausnahmespieler überraschend im Achtelfinale gegen Rumänien (2-3) geschlagen geben. Das frühe Scheitern wurde in Argentinien als riesiges Fiasko angesehen und Basile musste seinen Hut nehmen. Noch heute sehen viele Fußballexperten dieses Scheitern als den Wendepunkt des argentinischen Fußballs an, denn seither ist bei den Gauchos einfach der Wurm drin. Auch Basile selbst schien davon betroffen zu sein. In den folgenden zehn Jahren versuchte sich Basile bei verschiedenen Klubs (Atlético Madrid, Racing, San Lorenzo, Club América, Colón), ohne jedoch auch nur in Ansätzen an seine erfolgreichen Zeiten anknüpfen zu können. Basile galt bereits als gescheitert, jedoch sollte sich das Blatt noch einmal wenden.

Boca und Basile – Multicampeón

Argentiniens größter Klub, Boca Juniors, nahm Basile nach einem öffentlichen Aufruf des großen Maradona als neuen Trainer unter Vertrag. Basile blieb ein Jahr bei den Bosteros und holte in dieser Zeit sagenhafte fünf Titel: Zweifacher Argentinischer Meister (Apertura 2005, Clausura 2006), Meister der Copa Sudamericana in 2005, garniert mit zwei Supercups (Recopa Sudamericana). Diese beispiellose Erfolgsstory innerhalb von nur zwölf Monaten katapultierte Basile wieder in die höchsten Trainersphären und direkt zurück auf den Trainerstuhl der Albiceleste. Basile führte die Himmelblauen bis ins Finale der Copa America, hatte aber gegen ein übermächtiges Brasilien (0-3) keine Chance. Es sollte der vorerst letzte große Auftritt des Trainers sein.

Meisterschaft im vierten Anlauf?

In 2012 will Basile nun wieder voll angreifen. Schon im Sommer dieses Jahres ließ Basile öffentlich verlauten, gerne wieder nach Avellaneda zu Racing zurückzukehren. So kam der Anruf seines früheren Nationalmannschafts-kapitäns und jetzigen Racing-Managers, Roberto Ayala, gerade zur rechten Zeit. Ayala brauchte dabei keine Überzeugungsarbeit zu leisten – Basile sagte sofort zu und übernimmt nun nach 1978, 1985 – 89 und 1996 – 97 zum vierten Mal die sportliche Verantwortung bei der Academia.

Für das neue Führungsduo gibt es nur ein Ziel: der Gewinn der argentinischen Meisterschaft. Die abgelaufene Apertura beendete man hinter Boca als Vizemeister. Für 2012 hat man der Konkurrenz mit der Verpflichtung von Basile das richtige Zeichen gesetzt. Jedoch wird man die Saison wohl ohne den kolumbianischen Torjäger Téofilo Gutiérrez bestreiten. Der Stürmer will weg – am liebsten nach Europa oder gar zu Boca! Wie dem auch sei. Falls es Racing gelingen sollte, den sehr wahrscheinlichen Abgang ihres Torjägers zu kompensieren, darf man sich auf eine spannende Meisterschaft freuen. Und genau so sieht das auch Coco Basile, der via Twitter eine erste Botschaft an seine Fans sendete:  „Vamos Racing carajo!“

Feliz Navidad!

Andreas Geipel

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4 Antworten zu “4 Gewinnt? – Alfio Basile neuer Trainer der Academia

  1. 45 Jahre? Der letzte Meistertitel liegt dann doch nicht ganz so lange zurück. 2001 war´s gewesen und damit trotzdem lange genug…

    Mal sehen, ob Basile endlich Stabilität in die Mannschaft bekommt und man eine (Halb-)Serie ordentlich durchspielen kann. Daran scheiterte es nämlich in den letzten Jahren, dass man eben einfach nicht konstant genug war, entweder in der Defensive wie es lange Zeit war oder letzte Apertura eben die Offensive. Ob man Teo´s Abgang kompensieren kann ist schwer zu sagen. Letzte Apertura war er wieder einmal Toptorschütze. Hört sich zwar gut an, allerdings waren es nur 5 Tore darunter auch ein oder zwei Elfmeter. Wenn Basile es schafft ein schlagkräftiges Mittelfeld um Gio herum zu formen und mit Viola (von dem ich mir einiges verspreche) oder Hauche vorne drinnen kann man seinen Abgang vielleicht auffangen. Interessant wird es, wenn Teo tatsächlich zu den Bosteros geht, da bin ich auf die Reaktion gespannt die er dann beim nächsten Gastspiel im Cilindro ernten dürfte…

    Mal sehen, was in dieser Transferperiode so alles passieren wird. Relativ ruhig ist es um Yacob, der schon fast traditionell im Flieger nach Italien sitzt, um dann am 2. oder 3. Spieltag doch wieder in der Startaufstellung der Academia zu stehen.

    Ob man zur Clausura hin eine Rolle im Meisterkampf einnehmen kann wird vor allem davon abhängen, ob die Bosteros sich weiter verstärken oder der große Teil der Meistermannschaft sich nach Europa davon macht.

    In diesem Sinne Vamos Racing!

    Achja und allen hier frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins nächste Jahr!

  2. Recht haste! Habs gleich korrigiert.
    Gracias viejo!

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