Valencias Gago vor Unterschrift in Vélez

Der argentinische Nationalspieler Fernando Gago (26) kehrt nach sechs Jahren in die argentinsiche Hauptstadt zurück und steht kurz vor einem Engagement beim aktuellen Meister Vélez Sarsfield. Argentinische Medien berichten übereinstimmend, dass der in Valencia ausgemusterte Gago bereits auf dem Weg nach Buenos Aires ist, um die letzten Details mit dem Klub aus Liniers zu klären. Gago soll vorerst für sechs Monate ausgeliehen werden, die kolportierte Kaufoption über 3,5 Millionen Euro ist dagegen nicht Gegenstand des Vertrags. Für Boca Juniors ist dieser Transfer ein Schlag ins Gesicht, denn nur zu gerne hätte man seinen ehemaligen Zögling wieder im Hafenviertel spielen sehen. Der bekennende Boca-Fan wird nun aber blau-weiss anstelle von blau-gelb tragen. Ein spektakulärer Transfer für Vélez, den sie letztlich der berühmten Tennisspielerin Gisela Dulko zu verdanken haben.

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Neues Wohnzimmer für Fernando Gago: Das Estadio José Amalfitani in Liniers.
Foto: Shooresh Fezoni

Es ist die Transferbombe des Jahres. Fernando Gago kehrt nach sechs Jahren europäischem Gastspiel zurück nach Buenos Aires und schließt sich dem amtierenden argentinischen Meister Vélez Sarsfield an. Strahlende Gesichter auf allen Seiten. Sowohl für Valencia, die neben 300.000 Euro Leihgebühr und den ersparten Lohnkosten, einen in Ungnade gefallenen Spieler abgeben können, als auch für Vélez, die zwar das üppige Jahresgehalt alleine stemmen müssen, sich dafür aber internationalen Glanz und fußballerische Klasse ins Haus holen. Und auch der 43-malige Nationalspieler freut sich auf seine Rückkehr. Seine Frau, die berühmte Tennisspielerin Gisela Dulko, sehnte sich zurück in die argentinische Hauptstadt, auch um im Kreise der Familie die Geburt ihres ersten Kindes zu erleben. Das Paar erwartet Ende Juni einen Jungen. Zudem war Gagos fußballerischer Werdegang in Europa ein stetes Auf und Ab.

Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien

Fernando Gago brauchte nicht lange, um sich in die Herzen der Xeneizes zu spielen. Der aus der Jugend von Boca Juniors stammende defensive Mittelfeldspieler wirbelte bereits als 18-jähriger an der Seite von Sebastián Battaglia, die zu jener Zeit das beste zentrale Mittelfeldduo des südamerikanischen Kontinents bildeten. Geradezu ehrfürchtig warfen sich ein Titel nach dem nächsten zu seinen Füßen: Nach zwei Meisterschaften, zwei Recopas (der südamerikanische Supercup), Copa Sudamericana und der Gewinn der U20 WM in den Niederlanden jubelten sie ihn alsbald als gebührender Nachfolger von Fernando Redondo hoch. Um das argentinische Supertalent pokerte die gesamte Garde europäischer Topklubs. Insbesondere der AC Milan und der FC Barcelona wollten Bocas Juwel unbedingt verpflichten.

Real_Madrid_Logo.svgDoch Gago wollte für die Königlichen aus Madrid spielen und diese zögerten nicht lange und überwiesen 20,5 Millionen Euro für den damals 20-jährigen Mittelfeldspieler. Zusammen mit dem 18-jährigen Nachwuchsstürmer Gonzalo Higuain, der für 12 Millionen Euro von River Plate kam, sollten die jungen Argentinier dem spanischen Rekordmeister nach den Abgängen von Ronaldo, Zidane, Beckham und Roberto Carlos langfristig eine neues Gesicht geben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten steigerte sich der lauf- und kombinationsstarke Gago in der Saison 2007/08 und verdrängte dabei Mahamadou Diarra aus der Startelf. Auch in der Folgesaison war der Argentinier einer der Schlüsselspieler zur erfolgreichen Titelverteidigung, jedoch hatte er immer wieder mit muskulären Problemen zu kämpfen. Als dann 2009 Xabi Alonso das Zepter im Real-Mittelfeld übernahm, fand sich Gago immer häufiger auf der Ersatzbank wieder und teilte sich den Job neben Alonso mit dem damaligen Neuzugang Lassana Diarra – der Anfang vom Ende für Gago bei den Königlichen.

Gagos sportlicher Niedergang im europäischen Klubfußball

Bei Valencia auf dem Abstellgleis. Foto: Elke V.

Bei Valencia auf dem Abstellgleis. Foto: E. Rena

2011 wurde Gago nach Italien zum AS Rom ausgeliehen. Nach durchwachsenen Leistungen machten die Römer aber von ihrer Kaufoption keinen Gebrauch und es ging wieder zurück zu Real Madrid, wo er sogleich für 3,5 Millionen Ablöse an den FC Valencia weitergereicht wurde. Es sollte der Wendepunkt seiner ins Stocken geratenden Karriere sein. In Valencia, das wegen seiner historischen Anlaufstelle für Argentinier auch „los che“ genannt wird, unterschrieb Gago einen Vierjahresvertrag. Unter dem argentinischen Trainer Mauricio Pellegrino galt Gago zwar als gesetzt, doch sportlich lief kaum etwas zusammen. Schon in der Vorsaison konnte man die Abgänge der beiden Leistungsträger Juan Mata, und Joaquin kaum kompensieren, im Sommer 2012 verließen auch noch Jordi Alba und Pablo Hernandez den Verein und hinterließen große Lücken. Obwohl man in der Champios League zu überzeugen wusste und als Gruppenzweiter hinter den Münchner Bayern ins Achtelfinale einzog (Gegner Paris St. Germain), lief es in der Liga einfach nicht rund. Nach der peinlichen 2-5 Heimpleite gegen Real Sociedad war die Ära Pellegrino bereits nach 14 Ligaspielen mit nur 5 Siegen und Tabellenplatz 12 beendet, was auch Konsequenzen für Gago haben sollte. Unter dem neuen Trainer Ernesto Valverde gelang die Aufholjagd, allerdings ohne Gago, der aufgrund von Adduktorenproblemen sechs Wochen verletzt ausfiel. Gegen seinen Ex-Klub Real Madrid durfte Gago dann erstmals unter Valverde von Beginn an spielen, jedoch wurde das Mittelfeld samt Abwehr von Özil & Co dermaßen überrannt, dass es zur Halbzeit schon 0-4 stand und Gago als Sündenbock zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Seither ist das Verhältnis zwischen Spieler und Trainer angespannt und Gerüchte um eine Rückkehr nach Argentinien zu seinem Herzensklub Boca Juniors wurden immer lauter.

Verkehrte Welt: Gago bei Vélez, Martínez bei Boca

Copa Libertadores: Vélez Klublegende Cubero im Zweikampf mit dem brasilianischen Superstar Neymar vom FC Santos. Foto: Guille Rusconi

Copa Libertadores: Vélez Klublegende Cubero im Zweikampf mit dem brasilianischen Superstar Neymar vom FC Santos. Foto: Guille Rusconi

Noch im Januar feierte man in Boca, man lachte dem Konkurrenten aus dem Westen der Stadt gar förmlich ins Gesicht. Mit der Verpflichtung von Ex-Vélez Juan Manuel Martínez (27) schaffte es Boca, den besten Offensivspieler der letzten Jahre in der Primera División zu verpflichten. Dabei macht Martínez, der pikanterweise aus einer River-Familie stammt, keinen Hehl daraus, großer Anhänger von Vélez zu sein. Mit el Fortín, sowie die Blauweissen genannt werden, gewann er insgesamt dreimal die argentinische Meisterschaft. Nach einem halbjährigem Gastspiel bei Corinthians, ist der Nationalstürmer nun wieder zurück und kämpft genau wie Gago um einen Platz im WM-Aufgebot der Albiceleste. Dabei hat Boca-Fan Gago allein aufgrund der günstigeren Konkurrenzsituation die weitaus besseren Karten. Des weiteren werden Gagos Qualitäten in der Nationalmannschaft sehr geschätzt. Mit Überfußballer Messi und Kun Agüero spielt er schon seit Jugendjahren zusammen. Im Gegensatz zu seinem Standing bei seinen bisherigen europäischen Klubs, geniest er im Kreise der Nationalmannschaft hohes Ansehen und zahlt dieses mit meist starken Leistungen zurück. Bei Vélez ist er zudem bei Argentiniens spielstärkster Mannschaft gelandet und soll in der anstehenden Copa Libertadores die Fäden im Mittelfeld ziehen. Es scheint, als wäre der Schritt zurück in die Heimat endlich wieder ein Schritt nach vorne in seiner Entwicklung als Spieler. Und eines ist auch klar: die Liga hat endlich wieder einen großen Namen nach Hause geholt, wenn auch vorerst nur für einige Monate, doch trotzdem einer, der nicht nur zum Ausklingen seiner Karriere heimgekommen ist. Fernando Gago, willkommen zurück – bienvenido a casa und einem Augenzwinkern nach Boca.

Eine Antwort zu “Valencias Gago vor Unterschrift in Vélez

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