Der Derbyheld und die drei Frauen

Der dritte Spieltag der Primera División wartete mit einem ganz besonderen Schmankerl für Fußballliebhaber auf. Das Derby zwischen Independiente und Racing ist nach dem Supercláscio Boca gegen River das wichtigste Spiel des Landes. Avellaneda, ein 320.000 Einwohner starker Stadtbezirk vor den Toren der Hauptstadt Buenos Aires, beheimatet zwei Weltpokalsieger und dividiert seine Bewohner in Rot (Indep´te) oder Blau (Racing). Doch auch abseits des Clásico de Avellaneda lieferte sich die Liga spannende Duelle. Im Monumental, Heimstätte des Rekordmeisters River Plate, fielen in den letzten zehn Spielminuten ganze vier Tore. Und auch der VfL Wolfsburg grüsst fernab der eigenen Misere, mit Jonathan Santana und Oscar Ahumada trafen zwei ehemalige Bundesligalegionäre für ihre Klubs.

CAI-RACClásico de Avellaneda: Ein Derbyheld ist geboren

Im Januar dieses Jahres feierte Leonel Miranda seinen 19. Geburtstag. Vier Wochen später debütierte das Eigengewächs von Independiente im Nachholspiel gegen Tigre (aufgrund der Finalteilnahme Tigres an der Copa Sudamericana wurde das Hinrundenspiel auf Februar verlegt) in der ersten Mannschaft und überzeugte Trainer Américo Gallego mit einem sehr engagierten Auftritt. Seither steht Lolo in der Startelf der Roten, so auch am vergangenen Sonntag beim Duell der beiden Erzrivalen. Neben Chef-Organisator Fabián Vargas und hinter Klublegende Rolfi Montenegro verkörpert der Youngster das Bindeglied zwischen Angriff und Verteidigung.

„Ich konnte nachts vor lauter Aufregung gar nicht schlafen“ sagte der Derbyheld später in die Kameras von Sportsender ESPN. Indep´tes Derbyspezialist Rolfi Montenegro prophezeite dem Jungstar wenige Stunden vor dem Spiel, dass er heute treffen würde. Und Montenegro sollte recht behalten. Nach 145 Sekunden überwand Miranda Racings Torwart Saja mit einem satten Schuss außerhalb des Sechzehners – sein überhaupt erster Treffer als Profi.

Zuallerst musste ich an meine drei Frauen denken, also meine Mama und meine beiden Schwestern, Miranda auf die Frage, was ihm direkt nach dem Tor durch den Kopf ging.

Nach dem überraschenden Auswärtserfolg beim Meister Vélez und dank der frühen Führung präsentierten sich die Hausherren mit ganz breiter Brust und dominierten das Geschehen über die gesamte Spielzeit (13-5 Torschüsse). Die 40.000 Heimfans taten ihr übriges. Bei Racing lief wenig bis gar nichts zusammen, was auch an der starken Leistung von Fabían Vargas im defensiven Mittelfeld und dem Innenverteidigerduo Tula/Morel lag, Racings Sturmduo Luciano Vietto und José Sand wirkten doch ziemlich verloren und isoliert. Insbesondere der ehemalige Weltmeister Mauro Camoranesi spielte auf der rechten Außenbahn unterirdisch und hatte seine stärkste Szene nach Spielende, als er dem jungen Miranda ein „muy bien pibe!“ – sehr gut Junge, mit auf dem Weg gab. Den Schlusspunkt in diesem einseitigen Derby setzte der eingewechselte Jonathan Santana. Nach ansehnlicher Kombination über Montenegro und Caicedo vollendete der ehemalige Wolfsburger (41 Bundesligaspiele) zum 2-0 Endstand. Durch den Dreier erklimmt Independiente nach mehreren Monaten esrtmals wieder einen Nicht-Abstiegsplatz.

An dieser Stelle möchte ich auf den Erlebnisbericht von argifutbol Autor Viktor Coco verweisen. Als glühender Indep´te Fan erlebte Viktor das „perfekte Spiel“ inmitten der Fankurve. Lest hier.


Jokertore in Nuñez: River dreht Spiel in den Schlussminuten

Damals noch in Diensten von Tigre: El chino Luna.Foto Guille Rusconi

Damals noch in Diensten von Tigre: El „chino“ Luna. Foto Guille Rusconi

Unter Meistertrainer Ramón Díaz, Amtsantritt am vorletzten Spieltag der Hinrunde, konnte River Plate bisher alle Spiele gewinnen. Im Heimspiel gegen Tigre schien diese Serie jedoch zu reissen. Fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit führten die Gäste immer noch dank des Treffers von Donatti (55.). Doch in den Schlussminuten überschlugen sich die Ereignisse. Der emsige Rodrigo Mora glänzte zweimal als Vorbereiter für Ex-Tigre Carlos Luna, der binnen 100 Sekunden den schnellsten Doppelpack seiner Karriere schnürte. Nur zehn Minuten zuvor wurde der Torschützenkönig von 2011 für den glücklosen Trezeguet eingewechselt. Kurz darauf flog Tigres Rubén Botta vom Feld und der ebenfalls eingewechselte Juan Manuel Iturbe erzielte in der Nachspielzeit seinen ersten Treffer in der Primera División, zugleich der Siegtreffer für River Plate, denn Tigre verkürzte nur wenige Sekunden nach dem 3-1 per Strafstoß zum 3-2 Endstand.
River Plate ist mit Trainer Ramón Díaz nun saisonübergreifend seit fünf Spielen in Folge siegreich, Vorgänger Matías Almeyda brauchte dafür ganze 17 Spiele. Mit nun neun Punkten (6-3 Tore) teilen sich die Millonarios die Spitzenposition mit CA Lanús (8-0 Tore).


Die Highlights vom Spiel River – Tigre:



Splitter zum 3. Spieltag: Lanús marschiert, Boca verliert
Tabellenführer Lanús setzt seinen Höhenflug weiterhin fort. Nach den überzeugenden Siegen gegen Colón und Newell´s konnte man auch das Spitzenspiel gegen Meister Vélez knapp für sich entscheiden. Torschütze des 1-0 Erfolgs war Silvio Romero (24), der mit drei Saisontoren die Torjägerliste anführt. Den Spitzenplatz teilt sich Romero mit Óscar Ahumada (30). Der zentrale Mittelfeldspieler brachte seine All Boys mit einem schönen Tor gegen das favorisierte Boca Juniors auf die Siegerstrasse. Der ehemalige Wolfsburger (2004) traf bisher in allen drei Saisonspielen.




Das Tor des Tages: Carlos Carbonero (22, Arsenal de Sarandí). Der Kolumbianer trifft zum zwischenzeitlichen 0-2 bei Argentinos Juniors.




Die Ergebnissse des 3. Spieltags:

Capo der Woche: Quelle: ole.com.ar

Capo der Woche: Ramón Diaz (Trainer River Plate) Fünfter Sieg im fünften Spiel. Dabei bewies der Altmeister ein ganz glückliches Händchen beim Wechseln. Die drei Jokertore durch Luna und Iturbe brachten den nicht mehr für möglich geglaubten Sieg.

 

Die Topspiele des 4. Spieltags

San Lorenzo – River Plate (03.03. 21h deutscher Zeit)

Racing Club – Lanús (03.03. 22h)

Andreas Geipel

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