Böse Überraschung bei Riquelmes Comebackspiel

Es hätte alles so schön laufen können. Sommerlicher Sonntag, nahezu ausverkauftes Haus, das Tabellenschlusslicht zu Gast, man könnte meinen, es hätte kein einfacheres Comebackspiel für Bocas Klublegende Román Riquelme (34) geben können. Doch das seit 26 Spielen sieglose Unión aus Sante Fe donnerte wie ein Tornado durch die Bombonera und besiegte Riquelme & Co hochverdient mit 3-1. Breite Ernüchterung anstelle der großen Fiesta in Boca, die wenigen Gästefans feierten dagegen das überraschende Ende ihrer Negativserie umso ausgelassener.

Rückkehrer Román Riquelme

Boca_JuniorsDie Rückkehr der Nummer 10 bei Boca ist mehr als nur das Comeback des letzten großen Spielmachers. Román Riquelme ist viel mehr als das. Zumindest für seine Fans. Trotz seines nervigen Divagetue und der Posse rundum seine Rückkehr, weiß man genau, einen wie Riquelme findest du kein zweites Mal. Dieser klassische Zehner, frei von defensiven Fesseln, der sich ausschließlich der Kreation des attraktiven Offensivspiels verschrieben hat, verkörpert am Ball immer noch Weltklasse. Glaubt man seinen Anhängern, pflegt keiner ein besseres Verhältnis zum Leder, auch nicht Lionel Messi. Oftmals ist es mühsam über die (spielerischen) Sonnen- und Schattenseiten des launigen Spielmachers zu diskutieren. Für die Meisten gehört er in eine andere, bereits vergangene Zeitrechnung im schnelllebigen Fußballgeschäft. Und letztlich ist auch er eben nur ein Spieler einer Fußballmannschaft. Aber natürlich ist Riquelme nicht irgendein Spieler und Boca Juniors nicht irgendeine Fußballmannschaft. Man muss weltweit schon genau suchen, einen Spieler zu finden, der gemessen an Erfolgen, fußballerischer Finesse und Ausnahmestellung im Klub mit Riquelme mithalten kann. Über die Vereinsgrenzen hinweg ist man sich in Argentinien einig. Riquelmes Rückkehr tut der Liga gut. Sein Comeback erweckt auch internationales Interesse, in Zeiten, in denen ansonsten die eskalierende Gewalt der barra bravas im Mittelpunkt des medialen Interesses steht.

Unión der große Spielverderber

Am 10. November 1996 feierte der 18-jährige Román Riquelme sein Erstligadebüt gegen eben jenes Unión aus Santa Fe (Endstand 2-0). Zur zweiten Halbzeit kam damals Facundo Sava in die Partie und absolvierte eines seiner insgesamt nur sieben Einsätze für Boca. Knapp 17 Jahre später treffen sich Riquelme und Sava in der Bombonera wieder, dieses Mal aber als Kontrahenten. Sava ist mittlerweile Trainer bei Abstiegskandidat Unión und sieht sich angesichts der vernichtend anmutenden Statistik von zuletzt 12 Remis und 14 Niederlagen in Folge auf dem direkten Weg in die Zweitklassigkeit wider. Der letzte Auswärtssieg bei Boca datiert aus dem Jahr 2001 (damals 1-3, Ehrentreffer für Boca erzielte Riquelme), eine von insgesamt nur fünf Heimniederlagen unter Boca Trainer Carlos Bianchi. Obwohl Boca unter Bianchi bisher keinen berauschenden Ball spielte, hätten die Rollen vor Spielbeginn nicht klarer verteilt sein können. Alles andere als ein deutlicher Heimsieg war eigentlich undenkbar. Soweit die Theorie.

Während der 90 Spielminuten sahen die Zuschauer aber ein komplett anderes Spiel. Der Außenseiter suchte gegen eine hoffnungslos überforderte Defensive konsequent seine Chance, führte zur Pause bereits mit 2-0 und hätte eigentlich sogar noch höher führen müssen (beim Stande von 0-0 wurde den Gästen ein regulärer Treffer wegen angeblicher Abseitsstellung untersagt). Ein gellendes Pfeiffkonzert hätte die Hausherren eigentlich in die Kabine begleiten müssen, doch die Zuschauer auf den Rängen wussten schlichtweg nicht, wie sie reagieren sollten. Schließlich verbieten sich jegliche Unmutsäußerungen beim Comebackspiel der Klublegende, umso mehr, wenn auf der Trainerbank Meistermacher Bianchi sitzt. Also unterstützte die Bombonera seine Helden aufopferungsvoll. Denn die zweite Hälfte war kaum besser als die erste. Riquelme hatte seine starken zehn Minuten kurz nach Wiederanpfiff, doch genau während dieser Drangphase schlugen die Gäste erneut zu, 0-3 nach genau einer Stunde. Zwar köpfte Silva kurz vor Spielende noch den Ehrentreffer, doch es wurde wieder einmal deutlich, dass Boca einige ernstzunehmende Probleme hat. Der komplette Abwehrverbund leistet sich trotz klangvoller Namen haarsträubende Fehler. Mittelstürmer Santiago Silva wirkt immer noch wie ein Fremdkörper und bekommt so gut wie keine brauchbaren Bälle, Mittelfeldorganisator Walter Erviti ist durch Riquelmes Rückkehr eigentlich nur damit baschäftigt, dem Altstar den Rücken frei zu halten und wird daher seiner eigenen offensiven Stärken beraubt. Aber es gab auch ein paar wenige Hoffnungsschimmer. Cristian Erbes (23) zeigte an Riquelmes Seite eine starke Leistung, der wieselflinke Debütant Sebastián Palacios (21) dribbelte einige Male ansehnlich über die rechte Seite. Doch insgesamt zeigte Boca zu wenig. Die Bombonera feierte trotzdem seinen Rückkehrer, der nach achtmonatiger Abstinenz über 90 Minuten durchspielte und in Ansätzen zeigen konnte, dass er bald wieder der entscheidende Akteur bei den Blaugelben werden kann.



Siegesserie der Tabellenführer gerissen

Nach drei Siegen in Folge konnte das Tabellenführerduo Lanús und River Plate erstmals gestoppt werden. Unter Ramón Díaz konnte River saisonübergreifend alle bisherigen fünf Spiele gewinnen, im Auswärtsspiel gegen San Lorenzo riss die Erfolgsserie. San Lorenzo stellte das deutlich stärkere Team und erspielte sich aufgrund der hervorragend agierenden Mittelfeldachse Mercier – Kalinski – Buffarini ein deutliches spielerisches Übergewicht und gewann nach Toren von Stracqualursi und Cetto mit 2-0. Torlos endete die Partie Racing – Lanús. Lanús führt weiterhin die Tabelle mit nun 10 Punkten an, gefolgt von River Plate (9 Pkt), Godoy Cruz und Arsenal (beide 8 Punkte).

Abstiegskampf spitzt sich weiter zu

Am Tabellenende erduselte sich Argentinos Juniors dank einer großartigen Torwartleistung von Luis Ojeda (22) den ersten Punktgewinn der Rückrunde. Gegner Godoy Cruz schaffte es nicht, den jungen Schlussmann zu überwinden. Mittelstürmer Mauro Obolo hatte mehrmals den Siegtreffer auf dem Fuß, verzweifelte aber an Ojeda, der auch einen Strafstoß – nach unnötigem Handspiel vom Ex-Schalker Anibal Matellan, der zu allem Überfluß dafür die Ampelkarte sah – parieren konnte. Der Klub aus dem Paternal befindet sich seit Monaten auf sportlicher Talfahrt und ist mittlerweile im Abstiegskampf angekommen.

Ex-Cervecero Fontanini, hier im Spiel gegen River Plate, schenkte QAC noch den einen Punkt. Foto: Andreas Geipel

Ex-Cervecero Fontanini, hier im Spiel gegen River Plate, schenkte QAC noch den einen Punkt. Foto: A. Geipel

Beim Abstiegsduell Quilmes gegen Rafaela fielen nach überschaubarer erster Hälfte gleich sechs Tore im zweiten Spielabschnitt. Die Hausherren dominierten zwar klar und erspielten sich ein dickes Chancenplus (11-3), bissen sich aber an den effizient agierenden Gästen die Zähne aus. Nach 0-2 bzw. 1-3 Führung war Rafaela drauf und dran als Sieger vom Platz zu gehen, doch die Cerveceros kamen unter gütiger Mithilfe ihres ehemaligen Abwehrturms Fabricio Fontanini, der kurz vor Schluss ein Eigentor zum 3-3 Endstand verursachte, noch zum Punktgewinn. Die beiden weiteren Abstiegskandidaten, Indep´te und San Martín, konnten derweil nicht punkten. Während die Roten aus Avellaneda nach zwei Siegen in Folge mit 1-0 in Sarandí (Tor Lisandro E. López) verloren, setzte es für San Martín bei Meister Vélez (3-0) die erste Niederlage nach drei Remis in Folge. Für Unmut sorgte die Rote Karte für Reinaldo Alderete. Nach taktischem, aber harmlosen Foul an Vélez Gino Perruzi schickte Schiedsrichter Albil den Spieler direkt vom Platz. „Sie wollen uns in der Nacional B sehen, so kann man doch nicht spielen“, polterte San Martíns Präsident Miadosqui nach Spielende wutentbrannt.


Tor des Spieltags: Maxi Nuñez (26, Estudiantes de La Plata) trifft zur frühen Führung in Santa Fe (Endstand: 3-3).





Die Ergebnisse des 4. Spieltags

Capo der Woche: Luis Ojeda (22, Argentinos Juniors): Der Schlussmann mit einem Sahnetag. Hielt seinen Kasten mit mehreren Glanzparaden sauber, parierte kurz vor Spielende einen Strafstoß. Godoy Cruz – Luis Ojeda: 0-0.

Capo der Woche: Luis Ojeda (22, Argentinos Juniors): Der Schlussmann mit einem Sahnetag. Hielt seinen Kasten mit mehreren Glanzparaden sauber, parierte kurz vor Spielende einen Strafstoß. Godoy Cruz – Luis Ojeda: 0-0.



Die Topspiele des 5. Spieltags

CA Lanús –  Arsenal de Sarandí 11.03.  23.10h deutscher Zeit

Argentinos Juniors – Quilmes AC 12.03.  01.15h


Andreas Geipel

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