Albiceste hofft auf Samba am Zuckerhut

WM-2014-BrasilienNoch 237 Tage fehlen bis zum Startschuss der 20. Auflage der FIFA-Weltmeisterschaft, wenn der fünffache Weltmeister Brasilien vom 12. Juni bis zum 13. Juli 2014 zum Kampf um dem vom italienischen Bildhauer Silvio Gazzaniga entworfenen Weltmeister-Pokal bittet. 32 Nationen träumen vom Finale in Rio de Janeiro, so auch Argentiniens liebstes Kind, die Albiceleste. Argifutbol wirft einen Blick auf die abgelaufene Qualifikation und versorgt euch mit den wichtigsten Eckdaten.

Wissenswertes zur WM

Zum zweiten Mal nach 1950 findet die WM in Brasilien statt. Für die europäischen Zuschauer bedeutet das mitunter ein Kraftakt. Zumindest während der Hinrunde, denn zehn Gruppenspiele werden erst um Mitternacht übergetragen, eins sogar um 3.00h nachts. Ab den KO-Spielen werden die Anstoßzeiten dem alten Kontinent angepasst, 18h bzw. 22h, das Finale wird um 21h angepfiffen.

Brazuca steht für Stolz, Herzlichkeit und Emotionen

Brazuca steht für Stolz, Herzlichkeit und Emotionen

Der Spielball ist der sogenannte brazuca, der mit einem modernen Design ausgestattet wurde und natürlich in den brasilianischen Farben gehalten ist. Erstmals wurde dabei der Name des Spielgeräts per Internetabstimmung von den Fans gewählt. Und da wäre dann noch der blau gelbe Fuleco, denn was wäre ein WM ohne Maskottchen? Fuleco ist eine begriffliche Verschmelzung von „futebol“ und „ecologia“ und soll ein „brasilianisches Dreibindengürteltier“ darstellen, das in Südamerika vom Aussterben bedroht ist.

Trotz der öffentlichen Proteste und Ausschreitungen innerhalb Brasiliens rundum den Konföderationen Cup, wurden über drei Millionen Tickets verkauft – das bedeutendste Sportereignis der Welt mit dem fußballverrückten Brasilien als Gastgeberland übt eine ganz besondere Anziehungskraft aus. Wer noch auf den WM-Zuschauerzug aufspringen will und über das nötige Kleingeld, kann sich auch noch Tickets für die deutsche Nationalmannschaft sichern.

Angstgegner Deutschland

Am Rio de la Plata ist man sich sicher: nicht nur der Papst ist Argentinier, sondern auch der beste Fußballspieler aller Zeiten, Lionel Messi. Die  Offensivabteilung um den viermaligen Weltfussballer gilt als die gefährlichste Waffe der Albiceleste. Kommt das Offensivwerk einmal in Schwung, ist sie von keiner Defensive aufzuhalten. Das musste der Welt- und Europameister Spanien Ende 2010 (1-4) und auch Rekordweltmeister Brasilien in 2012 feststellen, als man sich vor heimischer Kulisse derer vier einschenken ließ (3-4). Jedoch gilt Argentiniens Defensive als Schwachpunkt. Die Rückwärtsbewegung der Mannschaft und die überschaubare spielerische Qualität des Abwehrverbunds genügt nicht den Ansprüchen eines Titelkandidaten, die Nationaltrainer Sabella den Spaniern, denen vom Heimbonus priviligierten Brasilianern und den Männern mit dem Adler auf der Brust, Argentiniens Albtraum, zugesteht.

Neben dem verlorenen Finalspiel 1990 in Rom verabschiedete sich bei der WM 2006 in Deutschland die bis dato stärkste Mannschaft des Turniers nach Elfmeterschiessen gegen den Gastgeber. Der damalige Trainer Pekerman wurde wegen seiner ausgerufenen Defensivtaktik in den Schlussminuten gegen das vergleichsweise spielschwache Deutschland stark kritisiert. Das 19-jährige Supertalent Messi saß neben dem ausgewechselten Spielmacher Román Riquelme auf der Spielerbank und mussten tatenlos mitansehen wie Miroslav Klose den Weg zum Elfmeterschiessen ebnete. Vier Jahre später sollte es unter der Regie des legendären Maradona zur großen Revanche kommen, es folgte eine der größten Demütigungen (0-4) bei einem wichtigen Turnier.

In Argentinien würde man einem Duell mit den „Teutones“ am liebsten aus dem Weg gehen. Nichtsdestotrotz zeichnet sich auch das DFB-Team durch Laissez-faire Abwehrleistungen aus und zumindest das letzte Aufeinandertreffen in Frankfurt konnte mit 3-1 gewonnen werden.

Der WM-Kader: Mit Maxi aber ohne Carlitos

Bildschirmfoto 2013-10-16 um 18.49.15Die Albiceleste marschierte souverän durch die kürzlich abgelaufene Qualifikationsrunde und qualifizierte sich als Tabellenerster vorzeitig für die Endrunde. Auf den weiteren Plätzen folgen Kolumbien, Chile und Ecuador, allesamt direkt qualifiziert. Nachbar Uruguay muss als Tabellenfünfter in die Relegation gegen Außenseiter Jordanien. Von den 16 Qualifikationsspielen verlor Argentinien nur das erste (Venzuela) und das letzte Spiel (Uruguay), jeweils auswärts. Zuhause blieb man mit sechs Siegen und zwei Remis ungeschlagen. Insgesamt setzte Sabella 44 Spieler ein, gemessen an den Einsatzzeiten ergibt sich folgende Startelfformation:

Romero – Rojo, Fernandez, Garay, Zabaleta – Mascherano, Gago, Di Maria – Messi – Higuain, Agüero

Ob die Albiceleste im Juni nächsten Jahres mit jener Elf startet kann und wird, bleibt abzuwarten. Torwart Romero gilt als (großer) Unsicherheitsfaktor und sitzt beim AS Monaco deswegen nur auf der Bank. Der junge Außenverteidiger Rojo und der zu Boca Juniors zurückgekehrte Gago müssen ebenfalls zittern. Keine Rolle indes spielt Publikumsliebling Carlos Tevez. Individuell einer der stärksten Angreifer überhaupt, klappt das Zusammnspiel mit Lionel Messi überhaupt nicht. Der emsige Apache nimmt dem Superstar Raum und Ball, angesichts der personellen Alternativen ist seine Nichtnominierung jedoch zu verkraften.

Die drei etatmäßigen Offensivkräfte Messi (10 Tore), Higuain (9 Tore) und Agüero (5 Tore) harmonieren sehr gut miteinander und schossen zusammen 24 der insgesamt 35 erzielten Tore. Drei weitere Treffer steuerte der international erfahrene Mittelfeldspieler Maxi Rodríguez (Espanyol, Atlético, Liverpool) bei. Der 32-jährige liefert sowohl in der Liga, als spielentscheidende Figur bei Meister Newell´s, als auch in der Nationalmannschaft erstklassige Leistungen ab. In der Qualifikationsrunde weist er die beste Torquote aller Spieler überhaupt auf (3 Tore in 112 Spielminuten). Sabella kann in jedem Fall eine sehr spielstarke Mannschaft mit erklassigen Offensivleuten aufbieten, denn auch auf der Bank tummeln sich mit Lavezzi, Palacio, Pastore, Lamela, Banega, Icardi und Biglia ausgezeichnete Alternativen.

Trotz der vermutlichen Außenseiterrolle zählt für Argentinien nur der Titelgewinn. Seit 1993 (Copa América) konnte die Albiceleste kein großes Turnier mehr gewinnen, es wird mal wieder Zeit. Der Titelgewinn beim ewigen Rivalen und Nachbarn wäre der ultimative Triumphzug – dafür würde sogar Cristina Kirchner ihre restriktive Politik lockern und ausländische Devisen wieder ins Land lassen. Zwar kann die Mannschaft taktisch nicht mit den europäischen Favoriten schritthalten, zudem werden die Defensivprobleme auch bis zum WM-Start nicht abzustellen sein, jedoch verfügt Sabella über ein Offensivpotential das seinesgleichen sucht und sobald einmal ins Laufen gekommen ist, jeden Gegner überrollen kann.

Foto: Guille Rusconi

Lionel Messi jubelt beim 2-1 Auswärtssieg in Chile. Foto: Guille Rusconi

3 Antworten zu “Albiceste hofft auf Samba am Zuckerhut

  1. da ist euch ein kleiner fehler unterlaufen…das 4:3 gegen brasilien fand in new York..USA….statt und nicht in brasilien !!!..und ob pastore in brasilien auf der bank sitzt da mach ich mal ein riesen fragezeichen…..der wurde doch schon seit ner ewigkeit nicht mehr nominiert !!!

  2. An eine Nominierung von Pastore glaube ich auch nicht mehr. So wie es aussieht baut Sabella auf Mascherano, Gago, di Maria, Biglia, Banega, Maxi und Lamela fürs Mittelfeld. Schade, ich hätte Pastore gern gesehen.
    Aber auch die Jungs die die Quali gespielt haben, haben ihre Sache sehr ordentlich bis sehr gut gemacht.
    Hauptproblem bleibt die Abwehr, wobei es mittlerweile im Weltfussball ja kaum noch eine Mannschaft gibt, die eine ordentliche Abwehr hinstellen kann. Deutschland kann es seit drei Jahren auch nicht mehr, wie oben richtig bemerkt und Italien (mit traditionell guter Abwehr) ist kürzlich von der Albiceleste geschlagen worden. Also die große taktische Überlegenheit der europäischen Mannschaften kann ich da nicht wirklich erkennen.
    Wenn Argentina nur einen stabil guten, der Abwehr Sicherheit gebenden Torwart hätte! Aber das Problem haben wir ja schon oft genug gewälzt.

  3. So richtig vorstellen das Deutschland ernsthafte Chancen hat den Pokal zu gewinnen kann ich mir bei aller liebe nicht wirklich. Albiceleste sowie auch die Celeste haben allerdings reelle Chancen, genau wie Spanien und Portugal neben Gastgeber Brasilien nach dem Ding zu fingern. Auch wenn die Quali für einige nicht berauschend verlief und zwei noch im letzten Moment auf den WM Zug aufsprangen werden in Brasilien die Karten ganz neu gemischt. Eher traue ich sogar noch Italien eine Überraschung zu als den Teutonen die sich ständig selbst überschätzen.

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