Fútbol Olé: Startschuss in Argentinien

Heute Nacht ist es wieder soweit. Die Primera División geht in ihre 84. Runde. Den Auftakt bestreiten Estudiantes de La Plata und Arsenal de Sarandí (21h, deutscher Zeit). Am Sonntag kommt es zum Topspiel zwischen den mit Altstars gespickten Newell´s Old Boys und Argentiniens beliebtesten Klub, “la mitad mas uno”, Boca Juniors. Wer kam, was geht und wer spielt um den Titel – Argifutbol präsentiert Euch alles Wissenwerte zum Torneo Final 2014.

La Lepra Dream Team

David Trezeguet, Gabriel Heinze, Maxi Rodríguez, Lucas Bernardi und seit letzter Woche nun auch Èver Banega. Auf 223 Länderspiele für Frankreich und Argentinien kann dieses Quintett zurückblicken, mit Maxí Rodríguez und Èver Banega stehen zwei aktuelle Nationalspieler in Reihen der Old Boys, die zudem mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch zum WM-Aufgebot der Albiceleste gehören werden. Die Zielsetzung liegt auf der Hand: In Rosario möchte man Titel holen. Der Gewinn der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Pendant der Champions League, und die siebte Meisterschaft stehen auf der Agenda 2014. Dafür soll auch noch ein weiterer Stürmer kommen. Im Gespräch ist Argentiniens talentiertester Kicker Luciano Vietto (20, Racing Club), der aber mindestens 7 Millionen Euro kosten würde. Ein finanzieller Kraftakt, der ohne externe Investoren nicht zu bewerkstelligen sein wird.

Grenzenlose Liebe: Die Wade von Neuzugang Èver Banega

Grenzenlose Liebe: Die Wade von Neuzugang Èver Banega

Ein großer Erfolgsfaktor bei Newell´s ist die riesige Verbundenheit seiner Spieler zum Klub. Schlussmann Nahuel Guzmán, Mittelfeld-Organisator Lucas Bernardi, Rückkehrer Damián Manso und das Prunkstück Banega & Rodríguez sind allesamt in Rosario geboren. Weitere Leistungsträger wie El Gringo Heinze und Diego Mateo erlernten ebenso das Fußballspielen bei den Rot-Schwarzen. Zu den etablierten Altstars gesellen sich auch einige vielversprechende Nachwuchsspieler aus der eigenen Akademie wie etwa Fabián Muñoz (22), Guillermo Ortiz (21), Cristian Díaz (22) oder Martín Tonso (24). Vollbringt es Trainer Alfredo Berti die exzellente spielerische Klasse und den bereits vorhandenen Teamspirit rundum die Mannschaft aufrechtzuerhalten, führt dieses Jahr kein Weg an Newell´s vorbei.

Boca und River: Anspruch vs. Wirklichkeit

Es darf geträumt werden und zwar alle Jahre wieder: Von Luftschlössern und imaginären Triumphzügen – im Norden der Hauptstadt Buenos Aires ist man bemüht ausdauernd vor jeder Saison den Meistertitel auszurufen. „Wir haben eine Meistermannschaft“ und „riesiges spielerisches Potenzial“ und womöglich auch die beste Choripan (Stadionwurst) der Liga. Der Rekordmeister River Plate durchlebt schwierige Zeiten. Der letzte Meistertitel ist nunmehr sechs Jahre her, beim letzten Triumph stürmte noch ein gewisser Falcao (27, Monaco) für die Millonarios. Seither ist viel passiert: erstmaliger Abstieg in die Nacional B, der direkte Wiederaufstieg und die finanziell desaströse Ära unter Kaiser Passarella. River Plate hat mittlerweile einen riesigen Schuldenberg angehäuft, im Grunde ist die Mannschaft zum Erfolg verdammt, keine besonders gute Ausgangssituation. Jedoch wäre River nicht River, wenn man sich selbst nicht stark reden würde.

Cavenaghi

Vertrautes Bild: Ein jubelnder Cavenaghi

Und tatsächlich, die Rückkehr von Publikumsliebling Fernando Cavenaghi (30) lässt Grund zur Hoffnung aufkeimen. Zweimal spielte El Torito bereis für River, erzielte dabei insgesamt 74 Tore in 125 Spielen, feierte drei Meisterschaften und war sich auch nicht zu schade, seinem Klub im wahrsten Sinne aus der Scheisse zu holen und zurück in die Erstklassigkeit zu schiessen. Cavenaghi ist der unbestrittene Chef bei den Millonarios, der Platzhirsch. An seiner Seite sollen die talentierten Offensivkräfte, Giovanni Simeone (18) – Sohn vom ehemaligen Weltklassespieler Diego Simeone, Federico Andrada (19) und Sebastián Driussi (17) weiter reifen. Neben Cavenaghi wird das kolumbianische Skandalpaket Teo Gutierrez für Gefahr für alle Beteiligten sorgen. Im Mittelfeld hofft man auf das hochtalentierte Duo Carlos Carbonero (23) und Manuel Lanzini (20). Auch die Abwehr um Schlussmann Manuel Barovero (29), der sich dank seiner herausragenden Leistungen einen Platz in Sabellas WM-Aufgebot ausrechnen darf, ist eine der stärksten der Liga. Kommt der Motor dieses zugegebenermaßen spielerisch tatsächlich starken Kaders ins Laufen, könnten die Sektkorken womöglich bald wieder in Núñez knallen.

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Zwei die es richten sollen: Riquelme und Gago

Auch der Erzrivale Boca Juniors meldet meisterliche Ansprüche an. „Natürlich sind wir der Favorit und müssen den Titel holen, wir haben ja nun seit über einem Jahr nichts mehr gewonnen“, heisst es aus dem Hafen-viertel. Ja genau, und das zu recht. Denn Boca spielt schlichtweg schwach. Unter dem legendären Trainer Carlos Bianchi präsentieren sich die „Xeneizes“ wie ein hüftsteifes, biederes Weib vor dem nächsten Tango. Keine Ausstrahlung, noch weniger Eleganz. Am Schlimmsten: Intern stimmt es seit langer Zeit nicht mehr. Riquelme thront über all seinen Mitspielern und ist trotz seiner (unregelmäßigen) genialen Momenten eine große Bremse im Offensivspiel der Blaugelben. Neben den beiden Stürmern Gigliotti und Burrito Martínez ist Riquelme losgelöst von jeglichen Defensivaufgaben. Die Quittung: bei Ballverlust wird die Mannschaft relativ einfach ausgekontert. Zudem drängt sich bei Boca das Gefühl auf, dass die Mannschaft kämpferisch nicht überzeugt. Womöglich fehlt Boca auch etwas mehr Identifikation mit dem Klub – eigentlich undenkbar, definiert man sich ja als „die Hälfte aller Argentinier plus eins“. Mit Nicolas Blandi und Leandro Paredes wurden zwei hoffnungsvolle Talente aus der eigenen Schmiede verkauft. Zudem verließ Innenverteidiger Guilllermo Burdisso den Verein Richtung Türkei (Galatasaray Istanbul). Als Neuzugang wurde Diego Perotti (25) vom FC Sevilla bis zum Sommer ausgeliehen.

Die weiteren Kandidaten: Racing, Vélez, Lanús und Titelverteidiger San Lorenzo

SL

Fiesta en Boedo, der Meister will dieses Jahr die Copa Libertdores gewinnen

Titelverteidiger San Lorenzo geht mit breiter Brust in die neue Saison. Die Meistermannschaft wurde mit den beiden Mittelstürmern Mauro Matos (30, All Boys, zweitbester Torschütze der abgelaufenen Saison) und Nicolas Blandi (Boca Juniors) ergänzt, zudem steht Martín Cauteruccio nach überstandener Kreuzbandverletzung wieder zur Verfügung. Der Meister verfügt somit über ein eingespieltes Kollektiv. Auch die Mischung aus erfahrenen Spielern wie Regiesseur Romagnoli (32),  Sturmführer Ignacio Piatti (29), der Doppelsechs Mercier (34) & Ortigoza (29) und den jungen Wilden Ángel Correa (18),  Héctor Villalba (19) und Walter Kannemann (22) überzeugt.
Abzuwarten bleibt, inwiefern der Abgang von Meistertrainer Pizzi (Valencia) kompensiert werden kann. An seiner Stelle tritt Edgardo Bauza, der mit LDU Quito 2008 bereits die Copa Libertadores gewinnen konnte, das erklärte Saisonziel der Cuervos.

Gareca und Flores

Ex-Trainer Gareca und Neu-Trainer Flores

Einen Trainerwechsel gab es auch bei Vélez Sarsfield. Vélez Institution Ricardo Gareca hat den Verein nach fünf Jahren und drei Meistertitel verlassen. Der neue Cheftrainer heisst José Flores, davor Co-Trainer unter Gareca. Flores Karriere ist sehr eng mit dem Klub aus dem Stadtteil Liners verknüpft, als Spieler feierte er  in den 90er Jahren drei Meistertitel und einen Copa Libertadores  mit Vélez. Ähnlich wie Newell´s schafft es Vélez immer wieder neue Talente aus ihrer Jugend hervorzubringen und diese in die erste Mannschaft zu integrieren. In diesem Jahr erhofft man sich insbesondere von den Talenten Augustín Allione (19), Ramiro Cáseres (20) und Lucas Romero (19) einen weiteren Entwicklungsschritt.

Santiago-Silva-LanúsDer Gewinner der letztjährigen Copa Sudamerica gilt als der Geheimtipp. Trainer Guillermo Schelotto lässt einen erfrischenden Offensivfussball zelebrieren ohne dabei die Grundtugenden der Defensivarbeit zu vernachlässigen. Das bärenstarke Innenverteidigerduo Paolo Goltz (28) und Carlos Izquierdoz (25) wurde von den großen Klubs aus Argentinien und Brasilien gelockt, aber el Granate blieb standhaft und möchte mit fast unveränderter Mannschaft auch dieses Jahr national wie international für Furore sorgen. Insbesondere Santiago Silva (33) und Lautaro Acosta (25) sollen dabei für die nötige Offensivkraft sorgen. Gerade der bullige Knipser Silva findet sich bei Lanús immer besser zurecht, gleiches gilt auch für Mittelfeldorganisator Leandro Somoza (33). Beide wurden letztes Jahr zusammen mit Acosta vom Rivalen Boca Juniors geholt.

ZucuBruno

Der neue Chef im Mittelfeld: Bruno Zuculini

In Avellaneda schaut man gespannt auf die neue Saison, denn Zurückblicken möchte man sowieso nicht. Racing Club spielte nämlich eines der schlechtesten Turniere ihrer Vereinsgeschichte, als man aus den ersten zwölf Spielen magere zwei Punkte holte. Mit der Verpflichtung von Trainer Mostaza Merlo stabilisierte sich La Academía und konnte die Runde mit 16 Punkten (nur 12 Tore) zumindest als Vorletzter beenden. Trotz der schwachen Abschneidens im letzten Jahr muss man Racing auf der Rechnung haben. Mit Stürmer Luciano Vietto (20) hat man ein riesiges Talent in seinen Reihen, zur Stammformation zählen auch die Youngsters Bruno Zuculini (20), Rodrigo de Paul (20), Valentín Viola (22),  Jose Gomez (20) und Gastón Campi (22).  Racing setzt mit Vollgas auf die eigene Jugend, ein gefährliches, aber auch sehr mutiges Unterfangen.

Text: Andreas Geipel

 

4 Antworten zu “Fútbol Olé: Startschuss in Argentinien

  1. walter kannemann bei san lorenzo hört sich aber verdammt deutsch an…hat er einen deutschen hintergrund???? kann jemand was dazu schreiben???

  2. Also…offiziell habe ich nichts gefunden, allerdings wird er im Hispano-Wikipedia unter der Kategorie „Argentinos de ascendencia alemana“ geführt. Scheint also zumindest Wurzeln hier zu haben.

  3. Die erste Runde hat ja super angefangen, leider zeigte Racing bereits in der zweiten Runde wieder sein launisches Gesicht, :-(. Na ja, noch ist nichts verloren, aber der Titel wäre dann doch eine riesen Überraschung, :-).
    Danke, super Artikel.

  4. Und das wundert Dich ? Hunderte von arg. Fußballspieler sin deutsche Abstammung und auch polnische, kroatische etc etc, aber mesitens italienische Abs. Hier entweder fehlt so viele Information oder die schreiben nur über 4-5 teams…

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