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Bottinelli aus San Lorenzo verjagt

Jonathan Bottinelli (Abwehrspieler des Jahres der Apertura 2010) wird voraussichtlich nicht mehr für den Traditionsklub San Lorenzo de Almagro auflaufen. Der Abwehrchef und konstanteste Spieler des Ciclons der letzten Jahre wurde nach der 0-1 Pleite bei Arsenal de Sarandí von der eigenen Anhängerschaft erst verbal attackiert und am darauffolgenden Tag beim nicht-öffentlichen Training gar von einer Handvoll Barras tätlich angegriffen. Der schockierte Bottinelli kam mit einem blauen Auge und dem Schrecken davon, erklärte aber öffentlich, nicht mehr für San Lorenzo spielen zu wollen.

Die Gewalt im argentinischen Fußball bestimmt mal wieder die Schlagzeilen. Dieses Mal krachte es ausgerechnet beim Heiligen Lorenzo. Und es hätte keinen Geringeren treffen können als Jonathan Bottinelli. Bottinelli ist nämlich nicht irgendein Spieler. Botti ist die Symbolfigur bei den Blau-Roten. Bis auf ein kurzes Intermezzo bei Sampdoria Genua spielte der Abwehrchef seine komplette Fußballerkarriere beim 11-maligen argentinischen Meister. Nun wurde einer der aktuell größten Symbolfiguren des Klubs regelrecht vom Hof gejagt. Was war passiert?

Anfang der Woche setzte es für den selbsterklärten Meisterkandidat eine verdiente Niederlage im Auswärtsspiel gegen Arsenal de Sarandí, eine Niederlage, die den Fans des Ciclons ganz bitter aufstieß. Von der lautstarken Unterstützung während des Spiels war plötzlich nichts mehr übrig. Vielmehr drehte sich Stimmung nach Spielabschluss, sodass nicht mehr die gegnerischen Farben beschimpft wurden, sondern die eigene Truppe. Inmitten dieser emotionalen Entgleisungen ließ sich Bottinelli (trotz der Niederlage mit ordentlicher Leistung) zu einer provozierenden Geste Richtung Fankurve hinreißen.

Die Reaktion der Barra ließ keine 24h auf sich warten. Obwohl das Training eigentlich vor verschlossenen Toren stattfand – noch nicht einmal Klubmitglieder durften sich in der Nähe der Trainingsbereiche aufhalten – schnappten sich drei Mitglieder der San Lorenzo-Barra den verdutzten Bottinelli, als der gerade aus der Umkleidekabine kommend nach Hause fahren wollte. Das aufgebrachte Trio erklärte seinem langjährigen Verteidiger was es überhaupt bedeute für San Lorenzo zu spielen und um ihren Worten noch entscheidenden Ausdruck zu verleihen, wurde das “Gespräch“ mit zwei Schwingern ins Gesicht von Bottinelli zu Ende gebracht.

Ein sichtlich schockierter und eingeschüchterter Bottinelli gab später zu Protokoll:

„Ich kenne diese Männer, sie sind immer hier und es war auch nicht das erste Mal, das sie mich bedroht haben. Sie kommen und sagen immer, dass das hier San Lorenzo sei und wir mehr Eier auf dem Platz haben müssen. Aber ich habe immer mit vollem Einsatz gespielt. Manchmal spiele ich ein Fehlpass oder stelle falsch zu, aber rennen, kämpfen und Eier haben– das war schon immer mein Spiel.“

Derzeit ist der Klub offiziell auf der Suche nach den Tätern, die für ihr Vergehen bestraft werden sollen. Jedoch ist davon auszugehen, dass nichts passieren wird, denn klubintern will sich niemand mit der Barra anlegen. Was bleibt sind viele Verlierer. In erster Linie Jonathan Bottinelli, der womöglich nie mehr für seinen Herzensverein auflaufen wird und zudem noch auf diese beispiellose Weise aus dem Verein geprügelt wurde. Zum anderen der Klub San Lorenzo, der neben dem Verlust seines besten Spielers der letzten Jahre auch noch einen beträchtlichen Imageschaden hinnehmen muss und letztlich die Fans, die eines ihrer wenigen Idole wegen einer Handvoll idiotischer Krimineller verlieren. Ein schwarzer Tag für den fútbol argentino!

Andreas Geipel

Rosario: Fan erstochen

In der Nacht zum Mittwoch wurde bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zweier rivalisierender Fangruppen der Newell’s Old Boys und Rosario Central der 20jährige Gonzalo Vallejas niedergestochen. Der junge Fan von Rosario Central erlag später seinen Verletzungen.

Die Polizei habe bereits zwei tatverdächtige Brüder im Alter von 18 bzw. 26 Jahren verhaftet.