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Caruso Lombardi übernimmt San Lorenzo

Der abstiegsgefährdete Traditionsverein San Lorenzo de Almagro hat mit Ricardo Caruso Lombardi einen neuen Trainer verpflichtet. Mit „El Bombero“ Lombardi, dem Feuerwehrmann, ziehen die Klubbosse den nächsten Joker im Kampf gegen den Abstieg, der charismatische Trainer ist ein Spezialist für schwierige Situationen.

Lombardi folgt auf Madelón

Die Gerüchte eines Engagements Lombardis bei San Lorenzo hielten sich in den letzten Wochen hartnäckig. In Quilmes hoffte man bis zuletzt seinen starken Mann an der Seitenlinie halten zu können, doch der (monetäre) Ruf der Blau-Roten aus Almagro war letztlich stärker. Heute wird Caruso Lombardi beim elfmaligen argentinischen Meister vorgestellt, er tritt die Nachfolge von Leonardo Madelón an.

Von links: Enzo Kalinski, Gaston Corvalan, Pablo Garnier und Caruso Lombardi. Foto: Shooresh Fezoni

Wie schon vor gut einem Jahr folgt Lombardi auf Madelón. Damals wurde Madelón nach einem total verkorksten Ligastart beim akut abstiegsgefährdeten Quilmes Atlético Club entlassen. Lombardi übernahm und schaffte es binnen kurzer Zeit, einer total verunsicherten und spielerisch toten Mannschaft neues Leben einzuhauchen und startete eine respektable Aufholjagd. Erst nach dem letzten Saisonspiel stand der Abstieg fest, nach großartigen 90 Minuten verloren die Cerveceros mit 1-2 gegen Abstiegskonkurrent Olimpo, die mit jenem Dreier selbst die Klasse hielten und damit den späteren Absteiger River Plate in die Relegation schickte. Olimpos damaliger Trainer Omar De Felippe steht nun seinerseits vor einem Engagement in Quilmes – der Kreis schließt sich.

Hasstiraden und ein mögliches Wiedersehen

Noch am Wochenende feierten die Cerveceros unter Lombardis Regie einen deutlichen 4-1 Heimsieg. Seit 13 Spielen (27-6 Tore) ist die Mannschaft ungeschlagen, die letzte Niederlage setzte es am 12. November gegen Defensa (1-2). In der Tabelle steht man aktuell hinter Instituto und River Plate auf einem guten dritten Rang, der zur Relegation gegen den Drittletzten der Primera División berechtigt. Trotz der guten Ausgangslage entschied sich Lombardi elf Spieltage vor Saisonende für diesen kurzfristigen Wechsel, eine Entscheidung, die in Quilmes für Empörung sorgte und auch neutrale Beobachter vom moralischen Standpunkt her mindestens bedenklich stimmt.

„Caruso, porque te fuiste?“ fragen sich die enttäuschten Anhänger des Cervecero, während auf den Fanseiten Emotionen und Frust hochkochen und Hasstiraden gegen den ehemaligen Liebling die Runde machen: Hurensohn, Verräter, Schwätzer und Geldgeier sind dabei noch die harmlosesten Beleidigungen. Doch eines steht fest. In Quilmes hoffen sie allesamt auf ein Wiedersehen mit Caruso Lombardi und seinem neuen Klub in den Relegationsspielen am Saisonende und selbst in San Lorenzo würde man nur sehr schweren Ganges mit dieser Hypothek in ein Abstiegsendspiel gehen wollen.

Über alte Weggefährten

Mit Tigre, All Boys und Racing stehen drei ehemals von Lombardi betreute Mannschaften mit im Tabellenkeller. 2009 rettete Lombardi Racing vor dem Abstieg, musste aber in der Folgesaison nach einer Niederlagenserie gehen, kurz darauf verhinderte er einen Absturz Tigres in die unbequeme Nacional B.

Die Tabelle des sogenannten Descenso (Abstieg) berechnet sich über den Punktdurchschnitt der letzten drei Spielzeiten. Die beiden letzten Mannschaften steigen direkt ab, der 17. und 18. spielt die Relegation gegen den 3. bzw. 4.Platzierten der Nacional B. (Quelle: Olé)

Nun soll der Feuerwehrmann Lombardi die vielen Problembrände bei San Lorenzo löschen. Los azulgrana hatte bisher lediglich zwei der acht Saisonspiele gewinnen können, zu wenig um im Kampf gegen den Abstieg gerüstet zu sein. Auch weil Konkurrent Tigre eine bisher ausgezeichnete Clausura spielt und schon bald an San Lorenzo vorbeiziehen könnte. Nach den enttäuschenden Resultaten der letzten Monate kam es zudem immer häufiger zu Streitigkeiten innerhalb und außerhalb der Mannschaft. Torwart Migliore und Abwehrchef Bottinelli sind seit längerem zerstritten und wechseln kein Wort miteinander, Bottinelli selbst wurde fast von der eigenen Barra Brava vertrieben und erst kürzlich boxte sich Sturmführer Carlos Bueno nach Spielschluss mit einem gegnerischen Fan – es wartet viel Arbeit auf San Caruso. Trotzdem hat der Trainerwechsel bereits jetzt schon einen positiven Effekt auf die Mannschaft. Denn mit Nestor Ortigoza, Enzo Kalinski und Bernardo Romeo stehen drei ehemalige Schützlinge von Lombardi im Kader, die allesamt sehr angetan von der Verpflichtung des neuen Trainingsleiter sind. Dies gilt insbesondere für Ortigoza (damals Argentinos Juniors) und Kalinski (Quilmes), die unter Lombardi zu Führungsspielern aufstiegen.

Am kommenden Montag gastiert San Lorenzo in Avellaneda bei Racing Club – ein Topspiel zweier argentinischer Schwergewichte und ein besonderes Debüt für Caruso Lombardi. Bei seiner Rückkehr in den Cilindro zu Racing wird Lombardi sicherlich die richtigen Worte finden: „pone mas huevo – mehr Eier zeigen“ und damit meint er sicherlich keine Ostereier.

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Die Anspannung steigt: Ausschreitungen am Wochenende

Dass die Saison in Argentinien so langsam aber sicher ihre entscheidende Phase einschlägt, lässt sich an die hitzigen Werten des Fan-Thermometers vom Wochenende ablesen. Die Barra Brava von River greift nach Rückkehr aus La Plata die Polizei an, Hooligans von Boca liefern sich eine Auseinandersetzung mit Parkwächtern am Stadion und bei San Lorenzo prügelten sich gar die Spieler mit Fans von Atlético Rafaela.

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Rubén Ramirez will zu Boca

Rubén Ramirez (29) träumt von einem Wechsel zu den Boca Juniors. Dort würde der Torschützenkönig der abgelaufenen Apertura (12 Treffer) auf seine alten Weggefährten Walter Erviti und Trainer Julio Falcioni treffen. Im Kalendarjahr 2010 waren die drei genannten alle noch bei CA Banfield unter Vertrag. Nun könnte es schon sehr bald zu einem Wiedersehen in der Bombonera kommen.

Als Falcioni vor gut einem Jahr das Traineramt bei Boca übernahm, bestand er darauf, seinen Denker und Lenker, Walter Erviti, mitzunehmen. Boca kam dem Wunsch seines Übungsleiters nach und überwies 2,3 Millionen Euro für den Spielmacher. Nun soll mit Rubén Ramirez die dazu passende Tormaschine geholt werden, denn die Verpflichtung eines echten Knipsers gilt als das letzte Puzzlestück in Falcionis Ensemble. Unter Falcioni erzielte Ramirez in 39 Spielen 16 Tore und bereitete 7  weitere vor.

Durch sein öffentliches Zugeständnis zugunsten von Boca, ist Independiente, die ebenfalls an einer Verpflichtung interessiert waren, wohl aus dem Rennen. Wenn Boca ruft, dann kann kaum ein argentinischer Profi widerstehen, es sei denn, er trägt River Plate im Herzen.

Charly be good

Derweil begrüßt man im Nuevo Gasometro zu San Lorenzo den ersten Neuzugang der Saison. Mittelstürmer Carlos Bueno (31) kommt ablösefrei von FC Querétaro zum abstiegsgefährdeten Ciclon. Der Uruguayer, der aufgrund seines Namens auch Charly Good genannt wird, gilt als zuverlässiger Torjäger. Seinen ausgewiesenen Torriecher stellte er bei fast allen seiner Profistationen (u.a. Peñarol, Real Sociedad, Sporting) unter Beweis. In 314 Spielen ließ er der gute Charly 148 mal klingeln. Nun soll er die chronisch schwache Offenive von San Lorenzo wiederbeleben und den drohenden Fall in die Nacional B verhindern.

Andreas Geipel