Schlagwort-Archive: Jonathan Bottinelli

Rivers Bottinelli ausgeraubt, geschlagen und entführt

Am gestrigen Abend wurde River Plate Verteidiger Jonathan Bottinelli (28) von vier bewaffneten Männern überfallen, ausgeraubt und entführt. Nur kurze Zeit später konnte die Polizei den Fußballer jedoch befreien. Bottinelli kam mit dem Schrecken davon. Weiterlesen

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Saisonvorschau II: Die Wundertüte

Im zweiten Teil unserer Vorschau nehmen wir uns das nächste Quintett vor. Darunter die drei Überraschungsmannschaften der abgelaufenen Clausura und zwei Große des fútbol argentino, die sich mitten im Umbruch befinden. Teil II – die Wundertüte. Weiterlesen

Caruso Lombardi übernimmt San Lorenzo

Der abstiegsgefährdete Traditionsverein San Lorenzo de Almagro hat mit Ricardo Caruso Lombardi einen neuen Trainer verpflichtet. Mit „El Bombero“ Lombardi, dem Feuerwehrmann, ziehen die Klubbosse den nächsten Joker im Kampf gegen den Abstieg, der charismatische Trainer ist ein Spezialist für schwierige Situationen.

Lombardi folgt auf Madelón

Die Gerüchte eines Engagements Lombardis bei San Lorenzo hielten sich in den letzten Wochen hartnäckig. In Quilmes hoffte man bis zuletzt seinen starken Mann an der Seitenlinie halten zu können, doch der (monetäre) Ruf der Blau-Roten aus Almagro war letztlich stärker. Heute wird Caruso Lombardi beim elfmaligen argentinischen Meister vorgestellt, er tritt die Nachfolge von Leonardo Madelón an.

Von links: Enzo Kalinski, Gaston Corvalan, Pablo Garnier und Caruso Lombardi. Foto: Shooresh Fezoni

Wie schon vor gut einem Jahr folgt Lombardi auf Madelón. Damals wurde Madelón nach einem total verkorksten Ligastart beim akut abstiegsgefährdeten Quilmes Atlético Club entlassen. Lombardi übernahm und schaffte es binnen kurzer Zeit, einer total verunsicherten und spielerisch toten Mannschaft neues Leben einzuhauchen und startete eine respektable Aufholjagd. Erst nach dem letzten Saisonspiel stand der Abstieg fest, nach großartigen 90 Minuten verloren die Cerveceros mit 1-2 gegen Abstiegskonkurrent Olimpo, die mit jenem Dreier selbst die Klasse hielten und damit den späteren Absteiger River Plate in die Relegation schickte. Olimpos damaliger Trainer Omar De Felippe steht nun seinerseits vor einem Engagement in Quilmes – der Kreis schließt sich.

Hasstiraden und ein mögliches Wiedersehen

Noch am Wochenende feierten die Cerveceros unter Lombardis Regie einen deutlichen 4-1 Heimsieg. Seit 13 Spielen (27-6 Tore) ist die Mannschaft ungeschlagen, die letzte Niederlage setzte es am 12. November gegen Defensa (1-2). In der Tabelle steht man aktuell hinter Instituto und River Plate auf einem guten dritten Rang, der zur Relegation gegen den Drittletzten der Primera División berechtigt. Trotz der guten Ausgangslage entschied sich Lombardi elf Spieltage vor Saisonende für diesen kurzfristigen Wechsel, eine Entscheidung, die in Quilmes für Empörung sorgte und auch neutrale Beobachter vom moralischen Standpunkt her mindestens bedenklich stimmt.

„Caruso, porque te fuiste?“ fragen sich die enttäuschten Anhänger des Cervecero, während auf den Fanseiten Emotionen und Frust hochkochen und Hasstiraden gegen den ehemaligen Liebling die Runde machen: Hurensohn, Verräter, Schwätzer und Geldgeier sind dabei noch die harmlosesten Beleidigungen. Doch eines steht fest. In Quilmes hoffen sie allesamt auf ein Wiedersehen mit Caruso Lombardi und seinem neuen Klub in den Relegationsspielen am Saisonende und selbst in San Lorenzo würde man nur sehr schweren Ganges mit dieser Hypothek in ein Abstiegsendspiel gehen wollen.

Über alte Weggefährten

Mit Tigre, All Boys und Racing stehen drei ehemals von Lombardi betreute Mannschaften mit im Tabellenkeller. 2009 rettete Lombardi Racing vor dem Abstieg, musste aber in der Folgesaison nach einer Niederlagenserie gehen, kurz darauf verhinderte er einen Absturz Tigres in die unbequeme Nacional B.

Die Tabelle des sogenannten Descenso (Abstieg) berechnet sich über den Punktdurchschnitt der letzten drei Spielzeiten. Die beiden letzten Mannschaften steigen direkt ab, der 17. und 18. spielt die Relegation gegen den 3. bzw. 4.Platzierten der Nacional B. (Quelle: Olé)

Nun soll der Feuerwehrmann Lombardi die vielen Problembrände bei San Lorenzo löschen. Los azulgrana hatte bisher lediglich zwei der acht Saisonspiele gewinnen können, zu wenig um im Kampf gegen den Abstieg gerüstet zu sein. Auch weil Konkurrent Tigre eine bisher ausgezeichnete Clausura spielt und schon bald an San Lorenzo vorbeiziehen könnte. Nach den enttäuschenden Resultaten der letzten Monate kam es zudem immer häufiger zu Streitigkeiten innerhalb und außerhalb der Mannschaft. Torwart Migliore und Abwehrchef Bottinelli sind seit längerem zerstritten und wechseln kein Wort miteinander, Bottinelli selbst wurde fast von der eigenen Barra Brava vertrieben und erst kürzlich boxte sich Sturmführer Carlos Bueno nach Spielschluss mit einem gegnerischen Fan – es wartet viel Arbeit auf San Caruso. Trotzdem hat der Trainerwechsel bereits jetzt schon einen positiven Effekt auf die Mannschaft. Denn mit Nestor Ortigoza, Enzo Kalinski und Bernardo Romeo stehen drei ehemalige Schützlinge von Lombardi im Kader, die allesamt sehr angetan von der Verpflichtung des neuen Trainingsleiter sind. Dies gilt insbesondere für Ortigoza (damals Argentinos Juniors) und Kalinski (Quilmes), die unter Lombardi zu Führungsspielern aufstiegen.

Am kommenden Montag gastiert San Lorenzo in Avellaneda bei Racing Club – ein Topspiel zweier argentinischer Schwergewichte und ein besonderes Debüt für Caruso Lombardi. Bei seiner Rückkehr in den Cilindro zu Racing wird Lombardi sicherlich die richtigen Worte finden: „pone mas huevo – mehr Eier zeigen“ und damit meint er sicherlich keine Ostereier.

Bottinelli aus San Lorenzo verjagt

Jonathan Bottinelli (Abwehrspieler des Jahres der Apertura 2010) wird voraussichtlich nicht mehr für den Traditionsklub San Lorenzo de Almagro auflaufen. Der Abwehrchef und konstanteste Spieler des Ciclons der letzten Jahre wurde nach der 0-1 Pleite bei Arsenal de Sarandí von der eigenen Anhängerschaft erst verbal attackiert und am darauffolgenden Tag beim nicht-öffentlichen Training gar von einer Handvoll Barras tätlich angegriffen. Der schockierte Bottinelli kam mit einem blauen Auge und dem Schrecken davon, erklärte aber öffentlich, nicht mehr für San Lorenzo spielen zu wollen.

Die Gewalt im argentinischen Fußball bestimmt mal wieder die Schlagzeilen. Dieses Mal krachte es ausgerechnet beim Heiligen Lorenzo. Und es hätte keinen Geringeren treffen können als Jonathan Bottinelli. Bottinelli ist nämlich nicht irgendein Spieler. Botti ist die Symbolfigur bei den Blau-Roten. Bis auf ein kurzes Intermezzo bei Sampdoria Genua spielte der Abwehrchef seine komplette Fußballerkarriere beim 11-maligen argentinischen Meister. Nun wurde einer der aktuell größten Symbolfiguren des Klubs regelrecht vom Hof gejagt. Was war passiert?

Anfang der Woche setzte es für den selbsterklärten Meisterkandidat eine verdiente Niederlage im Auswärtsspiel gegen Arsenal de Sarandí, eine Niederlage, die den Fans des Ciclons ganz bitter aufstieß. Von der lautstarken Unterstützung während des Spiels war plötzlich nichts mehr übrig. Vielmehr drehte sich Stimmung nach Spielabschluss, sodass nicht mehr die gegnerischen Farben beschimpft wurden, sondern die eigene Truppe. Inmitten dieser emotionalen Entgleisungen ließ sich Bottinelli (trotz der Niederlage mit ordentlicher Leistung) zu einer provozierenden Geste Richtung Fankurve hinreißen.

Die Reaktion der Barra ließ keine 24h auf sich warten. Obwohl das Training eigentlich vor verschlossenen Toren stattfand – noch nicht einmal Klubmitglieder durften sich in der Nähe der Trainingsbereiche aufhalten – schnappten sich drei Mitglieder der San Lorenzo-Barra den verdutzten Bottinelli, als der gerade aus der Umkleidekabine kommend nach Hause fahren wollte. Das aufgebrachte Trio erklärte seinem langjährigen Verteidiger was es überhaupt bedeute für San Lorenzo zu spielen und um ihren Worten noch entscheidenden Ausdruck zu verleihen, wurde das “Gespräch“ mit zwei Schwingern ins Gesicht von Bottinelli zu Ende gebracht.

Ein sichtlich schockierter und eingeschüchterter Bottinelli gab später zu Protokoll:

„Ich kenne diese Männer, sie sind immer hier und es war auch nicht das erste Mal, das sie mich bedroht haben. Sie kommen und sagen immer, dass das hier San Lorenzo sei und wir mehr Eier auf dem Platz haben müssen. Aber ich habe immer mit vollem Einsatz gespielt. Manchmal spiele ich ein Fehlpass oder stelle falsch zu, aber rennen, kämpfen und Eier haben– das war schon immer mein Spiel.“

Derzeit ist der Klub offiziell auf der Suche nach den Tätern, die für ihr Vergehen bestraft werden sollen. Jedoch ist davon auszugehen, dass nichts passieren wird, denn klubintern will sich niemand mit der Barra anlegen. Was bleibt sind viele Verlierer. In erster Linie Jonathan Bottinelli, der womöglich nie mehr für seinen Herzensverein auflaufen wird und zudem noch auf diese beispiellose Weise aus dem Verein geprügelt wurde. Zum anderen der Klub San Lorenzo, der neben dem Verlust seines besten Spielers der letzten Jahre auch noch einen beträchtlichen Imageschaden hinnehmen muss und letztlich die Fans, die eines ihrer wenigen Idole wegen einer Handvoll idiotischer Krimineller verlieren. Ein schwarzer Tag für den fútbol argentino!

Andreas Geipel

News aus Argentinien Pt.3

Neuigkeiten rund um den argentinischen Fußball. Weiterlesen