Weitere sieben Tage Fußball

Diese Woche berichten wir mal wieder vom kriselnden Racing Club, und blicken schon mal auf den Superclásico am kommenden Wochenende, dessen Protagonisten meilenweit von der Copa Libertadores entfernt sind, in der aber gestern bereits Velez und Banfield antraten. Außerdem informieren wir euch über den Stand in der zweiten Liga Nacional B, erzählen vom argentinischen Gerry Ehrmann, überspülen euch mit Statistiken um den argentinischen Fußball zu verstehen und berichten exklusiv von der argentinischen Invasion auf Sizilien.

Einer von zahlreichen Argentiniern bei Catania: Ricchiuti

Zufall.

Begünstigt wohl durch die epochale Krise des Gegners. Der Sieg des Racing Clubs bei den Boca Juniors war wohl nur die rühmliche Ausnahme. Gegen die Argentinos Juniors verlor man abermals in der Liga und rutschte wieder auf einen Relegationsplatz ab. Derweil gewann der Konkurrent Rosario Central und die Gimnasia aus La Plata konnte beim Club Colon in Santa Fe zumindest punkten. Worst case. Bis dato konnte der erfahrene Trainer Miguel Russo dem nervösen Haufen keine Sicherheit einimpfen. Symptomatisch folgende Situation kurz vor Spielende gegen El Bicho. In der ersten Halbzeit durch einen Treffer des Ex-Spielers Pavlovich in Rückstand geraten bot sich gegen Ende des Spiels die Chance auf den Ausgleich. Racing wurde ein klarer Elfmeter zugesprochen. Wie verabredet schnappte sich Claudio Bieler den Ball – doch Claudio Yacob nahm ihn diesen kurzerhand ab. Der Kapitän verschoss. Nicht nur Bieler wusste nicht was dort geschah und schaute verdutzt gen Trainerbank. Nervösität allenthalben und nicht zu Unrecht ist das Publikum unzufrieden: Nach den hochkarätigen Verpflichtungen in der Sommerpause hatte man auf bessere Zeiten gehofft und sieht sich jetzt wie in der jüngeren Vergangenheit dem drohenden Gang in die Relegation ausgesetzt. Wenn man nicht schleunigst die geforderte mannschaftliche Geschlossenheit an den Tag legt und auch das zweifellos vorhandene Offensivpotenzial effektiv einsetzt könnte gar der direkte Abstieg drohen. (C)

Superclásico als Schritt aus der Krise?

Der sportliche Wert des Spiels ist gewiss niedriger.

Wie in den letzten Jahren üblich wurde das größte Derby des Landes zwischen Boca Juniors und River Plate in die Mitte der Saison geplant, damit es nicht zu übertriebener Brisanz in entscheidenden Spielen kommt. Angesichts der Tatsache, dass beide Teams aber seit Monaten schwächeln, könnte man aus sportlicher Perspektive das Spiel auch am letzten Spieltag ausrichten – ohne Live-Übertragung. Aber der Súperclasico gilt als das aufregenste Sportereignis der Welt und wenn am kommenden Sonntag um 15:00Uhr Ortszeit (19:00MEZ) die beiden Durchschnittsteams von Boca und River das Spielfeld der Bombonera betreten, werden sich die Ränge mit Farben füllen. Die Schwarzmarktpreise schnellen gewohnt in die Höhe, so zahlt man bei der Agentur Tangol für einen Sitzplatz plus Hoteltransfer 400US$, den gleichen Preis bietet Boca Experience, die offizielle Touristenrezeption der Boca Juniors, für einen Platz im Touri-Block. Auf mercadolibre.com.ar, der argentinischen Version von Ebay, werden zwei Sitzplätze für über 550€ angeboten. Nie war wohl für einen Argentinier der Zeitpunkt so günstig seine Dauerkarten für ein überdurchschnittliches Monatsgehalt herzugeben.(V)

Internationales Geschäft.

Am Wochenende konnte man noch mit der B-Elf einen Punkt gegen Arsenal (0-0) einheimsen und somit den Platz in oberen Gefilden der Tabelle festigen, nun der Rückschlag im Kampf um das Weiterkommen in der Copa Libertadores für Banfield. In der letzten Woche erreichte man noch ein 2-2 Unentschieden beim Klub Nacional in Montevideo – diesmal setzte es eine bittere 0-2 Schlappe im vierten Gruppenspiel gegen eben jene Uruguayos. Eine verdiente Niederlage gegen einen überlegenen Gegner. Nacional bestimmte die Begegnung während Banfield ungewohnte Schwächen in der Defensive offenbarte und im Spiel nach vorn wenig zusammenlief. Folgerichtig die zwei Gegentore durch Coates und Godoy noch vor dem Pausentee. Damit war der Drops gelutscht. Zwei Siegen (Heimsieg gegen Morelia (MX), Auswärtssieg bei Cuenca (ECU)) stehen ein Unentschieden (auswärts bei Nacional (URU)) und eine Niederlage gegenüber, gleichbedeutend mit dem zweiten Tabellenplatz in der Gruppe 6 hinter den nunmehr führenden Uruguays. Da die Monarcas aus Morelia gestern aber ihr Spiel gegen Cuenca gewinnen konnten wird es noch mal eng für den amtierenden Meister. Mit sieben Punkten liegt man zwar noch auf dem zweiten Rang, muss aber noch auswärts bei den heuer drittplatzierten Mexikanern antreten (4 Punkte). Am 31.03.2010 steigt das vorentscheidende fünfte Spiel. (C)

Nachdem Velez Sarsfield mit einer verbesserten B-Elf am Wochenende Lanus schlagen konnte und damit das Verfoglerfeld in der Liga anführt, stand für das Team aus dem Westen von Buenos Aires gestern die internationale Kür auf dem Programm:
In der vielleicht stärksten Gruppe 7 der diesjährigen Copa Libertadores konnte Velez bisher beide Spiele gewinnen, während Gegner Colo Colo zuletzt auswärts bei Cruzeiro in Brasilien eine 1:4 Niederlage einstecken musste. In einem umkämpften Spiel im Estadio Monumental in Santiago de Chile, trennten sich beide Teams 1:1 unentschieden.
In einer unterhaltsamen zweiten Halbzeit, versenkt zuerst Esteban Paredes beinahe einen tollen Fallrückzieher im Tor der Argentinier. Nur wenig später nach einem Doppelfehler von Gastón Diaz und Sebastián Domínguez in der 57. Min, erstielt sich ebendieser chilenische Nationalstürmer Paredes wachsam den Ball und umdribbelt abgeklärt den Torhüter von Velez zum 1:0 für die Chilenen.
Die letzte halbe Stunde müssen die Argentinier nach dem Platzverweis von Zapata dann sogar mit einem Mann weniger absolvieren, aber Torjäger Santiago Silva sucht das Tor, findet die Lücke in der dritten Minute der Nachspielzeit und trifft zum umjubelten Ausgleich, der Velez mit nun sieben Punkten die Tabellenführung vor Cruzeiro sichert, die gegen Deportivo Italia in Venezuela ebenfalls 2:2 unentschieden spielten. (V)

Primera B Nacional mit kleiner Regelkunde.

„Seit der Saison 2007/08 mit einer einheitlichen Meisterschaft steigen Erst- und Zweitplatzierte direkt auf, der Dritte und der Vierte spielen die Aufstiegsrunde (Promoción).“

Nachdem San Martin aus San Juan 14 Spieltage lang den Platz an der Sonne inne hatte und gar ein stattlicher Vorsprung erarbeitet werden konnte wurde man nun von Instituto aus Cordoba abgefangen. Beide Klubs belegen aktuell die beiden direkten Aufstiegsplätze, aber auch zahlreiche weitere Teams können sich noch berechtigte Hoffnungen auf das Erreichen der Aufstiegsplätze machen. Bei ausstehenden elf Spieltagen trennen den Ersten Instituto (51 Punkte) und den Neunten Belgrano de Cordoba (40 Punkte) gerade einmal elf Punkte. Zu den Relegationsplätzen sind es gar nur fünf Punkte für Belgrano, Mannschaft der Stunde und seit zehn Spielen ohne Niederlage.

Juan Martin von Defensa y Justicia, bis dato nur durch die Provinz getingelt und dort nicht sonderlich auffällig, führt momentan die Torjägerliste an. Er erzielte bereits 15 Tore in 27 Spielen. Er bereitete weitere sieben Tore vor. Dank zwölf Toren von Oldie Mariano Campodonico können sich auch die All Boys aus Buenos Aires berechtigte Hoffnungen auf die vorderen Plätze machen. Im Mittelfeld von Olimpo de Bahia Blanca glänzt der Spielmacher Martin Rolle. Bei Union Santa Fe macht der ehemalige Torjäger der Reserve der Boca Juniors, Lucas Pratto, von sich reden.

Torjäger PBN

„Der neben den direkten Absteiger am schlechtesten platzierte Klub, der nicht direkt der AFA zugehört (generell Vereine außerhalb der Provinzen Buenos Aires und Santa Fe) spielt eine Relegationsrunde gegen den Zweiten der Liga „Argentino A“. Der neben den direkten Absteiger am schlechtesten platzierte Klub, der direkt der AFA zugehört (generell Vereine aus den Provinzen Buenos Aires und Santa Fe) spielt eine Relegationsrunde gegen den Zweiten der Liga „Primera B“.“

Adrían Gabbarini: Ein neuer von Pepé Santoros teuflischen Torhütern

Pepe Santoro

Dass Independiente derzeit die Tabelle der argentinischen Liga anführt ist sicherlich ein großer Verdienst des Offensiv-Trios Piatti-Gandín-Silvera. Dennoch war es auch am vergangenen Samstag wieder der junge Torwart Adrían Gabbarini, der nach zahlreichen Unsicherheiten der Abwehrkette den Sieg festhielt. Der 24jährige war nach einer Verletzung von Hilario Navarro im vergangenen Torneo Apertura am 4.Spieltag eingewechselt worden und hat seitdem das Tor der Roten Teufel meist ausgezeichnet verteidigt. Gabbarini setzt die Historie hervorragender Torhüter bei Independiente fort. Wie bei den deutschen Roten Teufel Gerry Ehrmann, so ist es in Avellaneda Miguel Angel Santoro, der seit Jahren als Torwarttrainer in der Jugend Talente entdeckt und formt. Santoro, genannt Pepé, hütete selbst das Tor der Roten und gewann dabei zwischen 1964 und 73 viermal die Copa Libertadores und zweimal den Weltpokal. Seit Beginn der 80er ist er nun- mit Unterbrechungen- für die Keeper von Independiente zuständig und konnte vor allem in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele starke Torhüter formen. Oscar Ustari, der als 19jähriger als dritter Mann für Argentinien bei der WM 2006 dabei war, wechselte für die Rekordsumme von 6 Millionen Euro 2007 von Independiente zu Getafe in die spanische Primera Division und kann dort in den letzten Monaten endlich auch als Stammspieler glänzen. Ebenso wechselte im letzten Jahr Fabian Assmann – aus finanziellen Gründen wohl etwas überstürzt- nach Spanien zu UD Las Palmas und konnte dort bis zu einer Verletzung die grandiose Quote von nur 0,67 Gegentreffern pro Spiel aufweisen. Dazu kommt als zweiter Ersatzmann hinter Gabbarini noch der 20jährige Diego Corneló, der schon für die argentinische U17 das Tor hütete. Ebenso ist aus der Jugend von Independiente zurzeit Damián Martínez an Arsenal London ausgeliehen. Zeigt Gabbarini weiterhin so starke Leistungen wie gegen Chacarita am Wochenende, könnte er auf dem Weg zur Meisterschaft für Independiente zum entscheidenden Mann werden – und mal wieder die hervorragende Arbeit des stillen Santoro im Hintergrund auszeichnen. (V)

Zehn Legionäre auf Sizilien

Als am regnerischen Freitagabend am 28. Spieltag der italienischen Serie A der Underdog aus Catania den Tabellenführer Inter Mailand streckenweise vorführte und verdient mit 3:1 besiegte , standen deutlich mehr Argentinier als Italiener auf dem Platz. Catania begann mit dem argentinischen Nationaltorwart Andújar, Silvestre und Alvarez in der Abwehr, Izco und Ricchiuti im Mittelfeld und Maxi Lopez im Sturm, der zum 1:1 Ausgleich getroffen hatte. Zuvor hatte Diego Milito für Inter getroffen, bei denen ebenso Javier Zanetti die Kapitänsbinde trug und Esteban Cambiasso im Mittelfeld die Fäden zog. Später wurde noch Carboni bei den Gastgebern einwechselt, die insgesamt 11 Argentinier im Kader führen – dazu noch der Uruguayern Martinez, der ebenfalls am Freitag traf. Bei Calcio Catania ist Manager Pietro Lo Monaco hauptverantwortlich für die Flut an Gauchos unter dem Ätna. Häufig sichtet er Spieler von argentinischen Jugendmannschaften oder beobachtet Spiele der Nacional B. Inwieweit er auch Beziehungen zu italienischen Konsulaten in Argentinien pflegt, um seinen Schützlingen möglichst schnell einen europäischen Pass zu verschaffen sei dahingestellt. (V)

Zahlenwerk

  • Ärgster Verfolger des Tabellenführers Independiente ist Godoy Cruz. Mit bereits fünf Punkten Abstand folgen die Meister der jüngeren Vergangenheit, Velez Sarsfield und Banfield. Überraschend gut schneiden die punktgleichen Argentinos Juniors ab.
  • Die Boca Juniors warten seit sieben Spielen auf einen Sieg.
  • Independiente ist seit vier Spiele ohne Gegentor.
  • Der Club Tucuman fristet schon seit längerem sein Dasein am Ende der Clausura und Abstiegstabelle – die Chacarita Juniors taumeln diesem Abgrund nach verheißungsvollem Start in die laufende Spielzeit immer mehr entgegen (seit drei Spielen ohne Sieg).
  • Während Rosario Central den ersten Sieg der Spielzeit landen konnte hat Gimnasia La Plata die letzten sechs Spiele nicht verloren und macht den Abstiegskampf spannend.
  • mit einem Dreierpack am Wochenende hat Carlos Luna (Tigre) zu den bis dato führenden Torjägern Martin Palermo (Boca) und Andres Silvera (Independiente) aufgeschlossen.
  • als Vorbereiter tut sich bislang auch der von Bayern ausgeliehene Jose Sosa hervor.
  • Marcelo Gallardo wird vorraussichtlich zum Superclasico gegen Boca sein 300. Ligaspiel bestreiten.
  • Heute vor 29 Jahren fand in der Bombonera ein Skandalspiel statt: 19 von 22 Spieler wurden vom Schiedsrichter beim Spiel Boca’s gegen Sporting Cristal (PER) nach einer großen Keilerei des Feldes verwiesen.
  • Am Samstag jährte sich der Rücktritt des großen Gabriel Batistuta zum fünften Mal.

Eine Antwort zu “Weitere sieben Tage Fußball

  1. Ich wurde gerne dass derby (Boca – River) im Stadion erleben. Falls jemand eine tour.Agentur kennt die dass organisiert (bis zu 7 Tage), und vielleicht selber mitkommen wurde. Dann bitte hier
    schreiben. Danke!

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