Mugni in aller Munde

Argentinien ist der weltweit führende Exporteur von Fußballspielern. Die begehrtesten unter ihnen: Die Offensivspieler. Und obwohl die besten Talente meist sofort weggekauft werden, bringt die Liga immer wieder neue spielstarke Offensivkünstler hervor. Da wären die bisher eher selten erstliga-erprobten Paredes von den Boca Juniors, sowie Alan Ruíz von San Lorenzo, Lanzini und Iturbe von River Plate und insbesondere Racings formidables Offensivtrio Vietto, Fariña und Centurión. Doch in einem Atemzug mit diesen Spielern muss auch ein 20-Jähriger genannt werden, der in Santa Fe sein Unwesen treibt und Román Riquelme sein großes Vorbild nennt: 

Lucas Adrián Mugni wurde am 12. Januar 1992 geboren und schloss sich im Alter von fünf Jahren Gimnasia y Esgrima de Ciudadela in seiner Heimatstadt Santa Fe an. Vier Jahre später wechselte er zum Club Atlético Colón. Hier durchlief der Linksfuß sämtliche Jugendmannschaften und debütierte am 2. Mai 2010 achtzehnjährig bei den Profis.

Mugni

Der Mittelfeldspieler bejubelt seinen Treffer gegen die Newell’s Old Boys

Seit Anfang des vergangenen Jahres gehört er zum Stammpersonal und spätestens seit Beginn des Torneo Inicial zu den Leistungsträgern des Erstligisten aus Santa Fe. Zuletzt gelang ihm gar der Sprung ins Nationalteam. Allerdings vorerst „nur“ in jene lokale Auswahl, die Trainer Alejandro Sabella für die Spiele gegen den Erzrivalen Brasilien berufen hatte. Er hätte in einem Vergleich auch zum Einsatz kommen sollen, aufgrund eines Stromausfalles wurde aber nichts aus einem Debüt in der Albiceleste.

Mugni erlebte seinen spielerischen Höhepunkt, parallel zu dem seines Teams, zu Anfang des abgelaufenen Torneo Inicial. Spielte die Mannschaft von Trainer Roberto Sensini in der Folge nicht mehr so stark, konnte die Nummer 10 dennoch weiterhin relativ gute Leistungen abrufen.

Vier Tore, zuzüglich zwei in der abgelaufenen Copa Sudamericana, erzielte der schnelle Linksfuß in der ersten Liga bislang für Colón. Das wichtigste war sicherlich jenes im Derby gegen den Stadtrivalen Union:

Im System von Sensini gibt es eigentlich keinen Platz für einen Spielmacher vom Schlage eines Mugni. Doch der elegante, technisch sowie physisch starke Santafesino hat sich auch mit seiner Rolle als linker, offensiver Mittelfeldspieler arrangiert. Sein gutes Auge und exzellentes Passspiel reißt die ein oder andere Lücke im gegnerischen Abwehrverbund auf. Desweiteren nimmt sich der schussstarke Dynamiker aller Standardsituationen an. Und genau da tut sich ein signifikanter Unterschied auf: Während seine Stärken ganz klar im Spiel mit dem Ball liegen, hat er Schwächen ohne ihn. Er verkennt dann oft die offenen Räume und setzt nicht zum Sprint in diese ein. Stattdessen hält er sich dann im näheren Umkreis der Gegenspieler auf und behindert so das schnelle Umschalten  seiner Mannschaft. Zudem muss ihm immer ein Abräumer an die Seite gestellt werden, da er auch in der Rückwärtsbewegung eklatante Schwächen aufweist. Trotz guter Schusstechnik forciert er noch zu selten den eigenen Abschluss. Diese Versäumnisse würden in einer europäischen Topliga mit hoher Wahrscheinlichkeit bestraft werden.

Die Liste der Interessenten ist gemäß seines Potenziales natürlich sehr lang. Eine Offerte vom mexikanischen Erstligisten Cruz Azul wurde unlängst abgelehnt. Der Spieler selbst ziehe die spanische oder italienische Liga der mexikanischen vor. Zur Zeit wird der Klient von Marcelo Simonián, der auch Größen wie Javier Pastore, Ever Banega oder Clemente Rodriguez vertritt, beim AC Milan, Juventus Turin, Catania Calcio, Lazio Rom, Gremio Porto Alegre und gar Real Madrid als Neuzugang gehandelt. Sein Präsident Lerche signalisiert im Falle einer Ablösesumme jenseits der elf Millionen US-Dollar Gesprächsbereitschaft. Auf seine Zukunft angesprochen, bedient sich der von seiner Spielweise her mit dem Brasilianer Ganso verglichene Mugni schon des üblichen Fußballjargons. Er habe für Colón noch nicht das Maximum gezeigt, strenge sich aber an, dieses zu erreichen. Er brauche noch die nötige Zeit zur Entwicklung. Momentan beschäftige er sich aber nur mit seinem aktuellen Brötchengeber, wolle mit diesem in kommenden Halbjahr mehr erreichen als zuletzt. Ein erneuter Platz im Mittelfeld des Tableaus sei jedenfalls nicht sein Anspruch.

Vor zweieinhalb Jahren machte sich schon einmal ein junges Talent von Colón auf, um die Fußballwelt im Sturm zu erobern. Der nunmehr 22-jährige Facundo Bertoglio wechselte damals für etwa vier Millionen Euro zu Dynamo Kiev. Der Transfer kam zu früh für den offensiven Mittelfeldspieler, der zuvor in der argentinischen Liga von sich reden machte. In der Folge konnte er sich in der Ukraine, später bei Gremio Porto Alegre nicht durchsetzen und führt seither eher ein Schattendasein. Vielleicht dient er ja als abschreckendes Beispiel für Mugni, nicht zu früh ins Ausland zu wechseln, und seiner Entwicklung die nötige Reifezeit zu geben.

Argifutbol ist der Meinung, dass es seiner Entwicklung sicherlich nicht schaden kann, weiter im gewohnten Umfeld zu verbleiben, um sich weitere Sporen zu verdienen, und vor allem in Hinblick auf die WM 2014 im Blickfeld des Nationaltrainers zu bleiben. Eine bombige Rückrunde vorausgesetzt, könnte er den Sprung zu einem Klub aus dem Mittelfeld der europäischen Topligen wagen. Ein Wechsel zu einem richtigen Spitzenklub in naher Zukunft wäre angesichts seiner noch offenkundigen Schwächen wohl gleichbedeutend mit einem Platz auf der Ersatzbank oder Tribüne.

Von Christof Schulze Ameling & Andreas Geipel

2 Antworten zu “Mugni in aller Munde

  1. Da ich sowohl die Ukraine als auch Argentinien kenne, erlaube ich mir, den lieben Facundo mal in Schutz zu nehmen. Ein Argentinier, der in die Ukraine wechselt, erlebt den größtmöglichen Kulturschock. Facundo ist aufgewachsen mit besos und abrazos. Dann landet er in einem Land, wo sich Männer zum Tachsagen nicht mal die Hand geben, Nachbarn im Treppenhaus nicht grüßen und Lächeln als Schwäche gilt. Und Kiew hat durchaus etwas brutales. Man empfängt Fremde nicht gerade mit offenen Armen. Frag mal einen Kiewer auf der Straße nach dem Weg irgendwohin. Der hält nicht mal an.

  2. http://de.fifa.com/u20worldcup/news/newsid=1987940/index.html?intcmp=newsreader_news_box_2
    was ist nur aus der einstigen U20 großmacht geworden….2 mal hintereinander nicht dabei ..das ist schon schwach !!!

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