Doch kein Comeback: Román Riquelme sagt Boca endgültig ab

Das neue Jahr hätte so schön starten können. Román Riquelme folgt dem Ruf seines alten Weggefährten Carlos Bianchi, Bocas neuem Trainer, und kehrt zu seinem Lieblingsklub Boca Juniors zurück. So zumindest träumte man im Mundo Boca. Jeden Tag geisterten neue Wasserstandsmeldungen um Bocas „größte Klublegende aller Zeiten“ und selbst die größten Pessimisten rechneten mit seiner Rückkehr, nachdem er vor rund sechs Monaten seinen überraschenden Rücktritt erklärt hatte. Doch schon gestern kamen erste Zweifel auf, als ein angeblich vereinbartes Treffen zwischen Klubpräsident Daniel Angelici und dem launischen Spielmacher im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel, denn Riquelme kam erst gar nicht und vergnügte sich derweil im Swimmingpool seines Anwesens im Norden der Hauptstadt. Heute morgen ließ er sich dann doch auf dem Vereinsgelände blicken, doch der erwartete Rücktritt vom Rücktritt blieb aus. Mit den Worten „No vuelvo a Boca, tengo palabra“   hat sich Román Riquelme endgültig gegen eine Rückkehr zu Argentiniens Serienmeister entschieden.

Wir beleuchten nochmal die Hintergründe um Riquelmes Abschied.

Am 4. Juli letzten Jahres und direkt im Anschluss an die Finalniederlage gegen Corinthians bei Südamerikas wichtigstem Wettbewerb, der Copa Libertadores, erklärte ein geknickter Román Riquelme, dass er nichts mehr für den Verein geben könne und daher auch nicht mehr im blaugelben Trikot auflaufen werde. Ein Stich ins Herz aller Xeneizes – sein überraschender Rücktritt schmerzte die Anhängerschaft viel mehr als das verlorene Finalspiel. Viele beschuldigten den damaligen Trainer Julio Falcioni, Riquelmes Abgang provoziert zu haben. Und in der Tat, der knorrige Übungsleiter galt nie als großer Befürworter des launischen Spielmachers, als erklärter Verfechter eines funktionierenden Kollektivs hatte Falcioni Riquelmes Extravaganzen schon lange satt. Öffentlich stärkte er diesem aber stets den Rücken, Falcioni und Riquelme, das war seit Beginn an eine scheinheilige Zweckgemeinschaft. Außerdem verschlechterte sich auch zusehends das Verhältnis zu Klubboss Daniel Angelici. Spekulationen zufolge, forderte der egozentrische Riquelme seinen Chef in der Schlussphase der Rückrunde 2011/12 dazu auf, Falcioni zu entlassen, da dieser ihm den Spaß am Spiel nehme. Doch Falcioni blieb und Riquelme zog schließlich selbst die Reißleine.

In seiner Abwesenheit spielte Boca eine ernüchternde Hinrunde ohne Esprit und ohne jegliche spielerische Raffinesse. Während die Konkurrenz aus Rosario, Lanús, Liniers und gar Belgrano um den Titel stritten, wurden mehrere Versuche unternommen, den zweimaligen Fußballer des Jahres Südamerikas (2001, 2008) umzustimmen, um doch noch in den Meisterkampf einzusteigen. Doch Riquelme tauchte im Kreis seiner Familie ab, gab kaum Interviews und mied öffentliche Auftritte. Doch die Gerüchteküche brodelte, v. a. die täglich erscheinende Fußballzeitung Olé spekulierte vogelwild und zauberte jede Woche einen neuen Interessenten aus dem Ärmel. Dabei schien Riquelme vor dem Abflug nach Brasilien, Mexiko oder Spanien zu sein, zudem zeigte sich die komplette Liga (außer River Plate) an seiner Verpflichtung interessiert. Zu wirklich ernsthaften Gesprächen kam es mit Argentinos Juniors, der Verein seiner ersten fußballerischen Schritte, da wo derzeit auch sein jüngerer Bruder Sebastian in der Jugendabteilung ausgebildet wird. Auch CA Tigre machte sich kurzfristig Hoffnung, den Wahnsinnscoup zu landen. Doch Riquelme erklärte allen eine Absage, in dem er öffentlich verlauten ließ „momentan nur mit seinen Kumpels kicken zu wollen“.
Und ein eben solcher sollte ihn nun endlich wieder zu den Xeneizes zurückholen. Sein alter Freund und Weggefährte, Carlos Bianchi, unterzeichnete zum Jahresende einen Drei-Jahres-Vertrag als Trainer bei Boca Juniors. Es ist bereits die dritte Amtszeit von Virrey Bianchi, Erfolge pflastern seinen Werdegang: er führte Boca insgesamt viermal zur argentinischen Meisterschaft, gewann zudem in dieser Zeit gleich dreimal die Copa Libertadores. Bianchi ist Bocas Heilsbringer, das Pendant zu Riquelme. Ein Erfolgsduo das seinesgleichen sucht.
Schon beim ersten Gespräch mit Angelici formulierte Bianchi seine Forderung, Riquelme als Lenker wieder zurückzugewinnen, wenn man sich reele Chancen auf einen erneuten Triumphzug mit dem Gewinn der Meisterschaft und der Copa Libertadores ausrechnen will. Doch wie reagiert Riquelme? Bocas Anhänger fiebern bereits seit Tagen und wünschen sich nichts sehnlicher als die Rückkehr ihrer 10! Doch am heutigen Samstag kam nun die endgültige Absage:

„Ich liebe diesen Klub und bin den Fans und allen Verntwortlichen für all die schönen Erinnerungen sehr dankbar. Bis zum letzten Moment habe ich es mir nochmal gründlich überlegt, gerade wegen Carlos (Bianchi), aber ich stehe zu meiner Entscheidung.

Sein Karriereende hat er aber nicht verkündet, jedoch angedeutet, dass es sehr schwer vorstellbar sei, bei einem anderen argentinischen Verein aufzulaufen. A donde vas Román?

Román Riquelme in seinem letzten Superclásico, hier im Zweikampf mit Érik Lamela (AS Rom). Riquelme ist bei Boca lebende Legende: 344 Spiele, 82 Tore und 11 Titel! Sein Debüt bei Boca gab er am 10. November 1996. 2002 zog es den genialen Spielmacher nach Spanien (bei Barcelona und Villareal, kam er auf insg. 185 Spiele, erzielte dabei 51 Tore). 2007 wurde er an Boca ausgeliehen, ein Jahr später wechselte er fest zu seinem Herzensverein. 2001 und 2008 wurde er zu Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt.

Román Riquelme in seinem letzten Superclásico, hier im Zweikampf mit Érik Lamela (AS Rom). Riquelme ist bei Boca lebende Legende: 344 Spiele, 82 Tore und 11 Titel! Sein Debüt bei Boca gab er am 10. November 1996. 2002 zog es den genialen Spielmacher nach Spanien (bei Barcelona und Villareal, kam er auf insg. 185 Spiele, erzielte dabei 51 Tore). 2007 wurde er an Boca ausgeliehen, ein Jahr später wechselte er fest zu seinem Herzensverein. 2001 und 2008 wurde er zu Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt. Foto: Guillermo Rusconi

Burrito Martinez vor Wechsel zu Boca – auch San Lorenzo bietet mit

Unabhängig von der Personalie Riquelme, sucht Boca nach einem Verteidiger und einer Offensivkraft. Aktuell verhandelt Angelici mit der Klubführung von Corinthians um die Dienste des argentinischen Nationalstürmers Burrito Martinez. Ex-Velez Martinez wechselte erst im Sommer 2012 zu Corinthians, wurde dort aber nur im Mittelfeld eingesetzt und konnte auf ungewohnter Position nicht so recht überzeugen (20 Spiele, 3 Tore). Ein erstes Angebot von San Lorenzo über 2,5 Millionen Dollar für 50% der Transferrechte hat Boca vor wenigen Tagen mit 3 Millionen USD überboten. Da am heutigen Samstag die Vorbereitungszeit beginnt, soll der Transfer so schnell wie möglich eingetütet werden.

Eine Antwort zu “Doch kein Comeback: Román Riquelme sagt Boca endgültig ab

  1. Pingback: Böse Überraschung bei Riquelmes Comebackspiel | Argentinischer Fußball auf Deutsch

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s