Boca schwächelt – Meisterschaft wieder offen

Meisterschaftsfavorit Boca Juniors hat sich gegen Abstiegskandidat CA Banfield trotz fast 90minütiger Überzahl nur zu einem beschämenden 1-1 Unentschieden gequält. Weil das Verfolgerfeld durchweg punktete, ist el campeonato zwei Spieltage vor Schluss zu einem Sechskampf geworden. Im Tabellenkeller zeichnet sich immer deulicher ab, daß der nächste Große des argentinischen Fußballs vorm freien Fall in die Nacional B zu stehen scheint.

Herrliches Eigentor verhindert Falcionis Blamage an alter Wirkungsstätte

Sie haben ihren Meistertrainer nicht vergessen! Als Julio Falcioni das Florencio Sola betrat, erhebte sich das Stadion ehrwürdig vor dem einzigen Meistertrainer ihrer Klubgeschichte (Clausura 2009) und brach in tosendem Applaus aus. Es war die erste Rückkehr an alter Wirkungsstätte, nach seinem Wechsel im Dezember 2010 ins Hafenviertel Boca. Damals nahm er seinen Lieblingsspieler und Mittelfeldoberhaupt Walter Erviti gleich mit und fand in ihm den kongenialen Partner zu „El ultimo 10“, Roman Riquelme. Mit den Stürmern Cvitanich und Silva standen zudem zwei weitere Altbekannte im Kader von Meister Boca, beide in ihrer Zeit bei El Taladro jeweils Torschützenkönig.

Doch längst gehören die fußballerischen Hochzeiten in Banfield der Vergangenheit an, mittlerweile steckt der Klub im nackten Abstiegskampf, während Spitzenreiter Boca drei Spieltage vor Ende den Grundstein für die Titelverteidigung legen wollte. Und es sah schon nach wenigen Minuten wie ein Spaziergang aus. Rodrigo Pepe (24), zum ersten Mal überhaupt für die Startelf nominiert, nagelte Pablo Ledesma in Bocas eigener Hälfte weg und sah für diesen Anschlag schon nach vier Spielminuten die rote Karte. Doch während Boca die numerische Überlegenheit in keinster Weise auszunutzen wusste, rüstete sich El Taladro zum großen Kampf. Gegen das aufopferungsvoll verteidigende Banfield war es schließlich ein Standard, der den Gästen die mit Abstand dickste Chance bescherte, als Innenverteidiger Insaurralde den Ball am bereits geschlagenen Torhüter Lucchetti aus drei Metern am Tor vorbeisemmelte – qué gol que te comiste Juan! Ein unglaublicher Fehlschuß! Und es kam noch schlimmer: Kurz nach Wiederanpfiff sprang Alayes höher als sein Bewacher Sosa und verlängerte eine Freistoßflanke zur Führung für die Gastgeber. Boca haderte vergeblich mit dem Schiedsrichtergespann, denn Torwart Orion wurde in dieser Szene von einem im Abseits stehenden Angreifer behindert. Zumindest wachten die schläfrig wirkenden Gäste nun endlich für einige Minuten auf.  Eine Cvitanich-Flanke, auf den in der Strafraummitte lauernden Silva, wehrte Santiago Ladino spektakulär per Flugkopfball ab, wuchtete dabei den Ball aber auch unhaltbar ins eigene Gehäuse. Den hätte der jubelnde „Tanque“ Silva nicht besser machen können – ein herrliches Eigentor! In der Folge passierte nichts mehr und Boca verliert letztlich verdient zwei Punkte im Meisterrennen und muss sich angesichts der schwierigen Spiele in den nächsten Wochen (in der Liga gegen die Meisterkonkurrenten Arsenal und All Boys sowie die beiden Copa Libertadores Halbfinalspiele gegen La U) den Vorwurf gefallen lassen, das Vorhaben Titelverteidigung auf ganz unnötige Art und Weise riskiert zu haben.

Boca empfängt Arsenal de Sarandí

Sechskampf um den Meisterpokal (Quelle: Olé)

Am kommenden Sonntag empfängt Boca den Tabellenzweiten Arsenal de Sarandí (Anpfiff in der Nacht zum Montag um 0:15h). Julio Grondonas (AFA-Chef) Spielwiese Arsenal konnte am Wochenende dank eines ansprechenden 3-1 gegen Argentinos Juniors auf einen Punkt an den Hafennachbarn heranrücken. Matchwinner war einmal mehr Abwehrchef Lisandro E. Lopez. Der kleine Vorstadtklub wird in Bocas Pralinenschachtel auf Sieg spielen müssen, um angesichts des großen Verfolgerfeldes alle Trümpfe in eigenen Händen zu halten. Boca hingegen muss zunächst einmal am morgigen Donnerstag das erste Halbfinalspiel der Copa Libertadores gegen La U aus Chile bestreiten, das bisherige Saisonhighlight. Die Xeneizes müssen daher die Konzentration hoch halten, am vergangenen Spieltag klappte das gegen Banfield überhaupt nicht – die Liga dankt es ihnen und antwortet mit einem ganz heißen Schlussspurt um den Meisterpokal!

Abstiegskampf: Frust bei San Lorenzo, Kuriosum Tigre

San Lorenzo am Ende?
Foto: Guille Rusconi

Was haben sie sich eine mediale Schlacht im Vorfeld geliefert. Spieler, aber auch Trainer und Funktionäre beider Klubs sprachen von der entscheidenden Schlacht, dem Kampf ums Überleben, den San Lorenzo gegen ein bärenstarkes Tigre klar und deutlich verlor. Nicht nur von der Spielanlage her, sondern insbesondere mental stärker und frischer präsentierte sich der abstiegsgefährdete Meisterkanditat Tigre gegen el Cuervo. Maggiolo traf im ersten Durchgang zur Führung. Doppeltorschütze Roman Martinez (55., 85.) baute die Führung aus, ein kleiner Hoffnungsschimmer funkte nach Romagnolis Freistoßtor (62.) auf, doch die Gäste würgten ihre Aufholjagd selbst ab, nachdem Kalinski (68.) und Kannemann (73.) mit Gelb-Rot vom Platz mussten und ihre Mitspieler zu neunt chancenlos zurückließen.

El Matador verlässt dank des Sieges erstmals seit einem knappen Jahr die Abstiegsränge und mischt zudem noch ganz oben mit (Tabellenzweiter, punktgleich mit Arsenal). Eine ganz kuriose Saison für den Klub aus dem Flussdelta.

„Die Mannschaft ist für den Abstiegskampf nicht gerüstet“ hörte man Lautsprecher Caruso Lombardi nach Spielende über seine Schützlinge urteilen. Die Stützen des Teams wie Ortigoza, Romagnoli, Bueno und Bottinelli (mit einer unterirdischen Leistung gegen Tigre) sind es nicht gewohnt, gegen den Abstieg zu fighten. Die Mannschaft wurde zusammengestellt, um Titel zu gewinnen – eine Analogie zu Rivers Abstieg im letzten Jahr. Nach den vielen Negativerlebnissen der letzten Monate hat die Mannschaft kein Selbstvertrauen mehr und der Frust bei einigen sitzt tief. Der paraguayische Nationalspieler Ortigoza kritiserte letzte Woche die Trainigsbedingungen im Klub und fuhr nach der Niederlage gegen Tigre nicht im Mannschaftsbus, sondern alleine mit dem Auto nach Hause. In den beiden ausstehenden Ligaspielen gegen Indep´te und San Martín muss die Mannschaft schnell zusammenfinden, ansonsten steht der nächste Große vor dem freien Fall in die Nacional B.

Die Abstiegskandidaten und ihr Punktedurchschnitt. Die Werte links (von 0 bis 6) stehen für die noch zu erreichenden Punkte aus den beiden letzen Spielen. Je nach Punktausbeute kann man rechts daneben den Durchschnittswert ablesen. Die Mannschaft mit dem geringsten Wert steigt direkt ab (Olimpo steht schon als Absteiger fest), zwei weitere müssen in die Relegation. (Quelle: Olé)

Nacional B: River fast aufgestiegen – Instituto und Central verlieren

River Plate steht kurz vor der Rückkehr in die Primera División. Im Heimspiel gegen Boca Unidos sicherten die Youngsters Lucas Ocampos (17) und Rogelio Funes Mori (21) mit ihren Toren drei Punkte für den argentinischen Rekordmeister. Die Konkurrenz aus Instituto de Cordoba, 0:2 zuhause im Spitzenspiel gegen Quilmes (Doppeltorschütze Martín Cauteruccio) und Rosario Central, 0:1 in Santa Fe bei Patronato, mussten empfindliche Niederlagen einstecken. In der Tabelle zieht River (70Punkte) an Central (69) vorbei und führt nun mit drei Punkten vor dem Dritten Instituto und dem Vierten Quilmes (66).

Ausschreitungen und ein Todesfall

In Santa Fe kam es zu heftigen Auschreitungen zwischen beiden Fanlagern und der Polizei. Nicht der einzige tragische Zwischenfall am vergangenen Wochenende: River Fan Gonazalo Saucedo (21 Jahre jung) verstarb an den Folgen einer Auseinandersetzung im Block „Sívori“ wenige Minuten nach Wiederanpfiff. Die Massenschlägerei unter den eigenen Fans brach aus, als eine Gruppe lautstark die eigene Mannschaft kritisierte und andere diese daraufhin angriffen. Inmitten der Auseinandersetzung wurde Saucedo von einem Messer im Bauch getroffen, rettete sich zwar noch selbst zu den Sanitätern im Stadion, verstarb aber Stunden später im Hospital Pirovano.

Gaby Milito sagt Adiós

Der ehemalige Weltklasse-Verteidiger Gabril Milito (31) beendet seine aktive Fußballerkarriere. Dies gab der „Marschall“ gestern offiziell in einer Pressekonferenz bekannt. „Ich bin mental ausgebrannt und ziehe mich daher vom Profifußball zurück.“ Am kommende Sonntag im Heimspiel gegen San Lorenzo wird Milito wohl das letzte Mal auflaufen.

Militos Karriere in Etappen:

1997: Der in Bernal (Quilmes) geborene Gabriel Milito wurde bei den Roten aus Avellaneda ausgebildet und schaffte 1997 mit 17 Jahren den Sprung ins erste Team. Mit 20 Jahren wurde Milito auch Kapitän bei den Roten.

1999: Südamerika-Meister mit Argentiniens U20 als Kapitän

Erster Titel: Sieger der Apertura 2002

In sechs Jahren absolvierte El Mariscal (der Marschall) 123 Spiele für Independiente. 2002 wurde er zum besten Fußballer Argentiniens gewählt. Bocas Tevez (hier im Zweikampf mit Milito) gewann die Auszeichnung in den beiden Folgejahren.

2003 der Wechsel zu Real Zaragoza, mit denen er 2004 den spanischen Pokal (Copa del Rey) und den Supercup gewann, 172 Spiele und sechs Tore für die Blanquillos.

Milito nahm verletzungsbedingt nur an einer WM (2006 in Deutschland) und an zwei Copa Americas teil (2007, 2011). Insgesamt bestritt er 42 Länderspiele.

20,5 Millionen zahlte FC Barcelona 2007 für den Innenverteidiger.Dort gewann er zwar viele Titel, spielte aber kaum, nur 73 Spiele in vier Jahren.

Letzte Saison kehrte Milito zu seinem Heimatklub Independiente zurück. Jedoch merktte man ihm an, dass er seinen vielen Verletzungen Tribut zollen musste. In seinen 22 Auftritten überzeugte der ehemalige Topverteidiger nur selten.

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